Arzneimittel und Therapie

Abirateron bei fortgeschrittenem Prostatakrebs

Der Testosteron-Hemmer Abirateron verlängerte in einer Studie das Überleben von Patienten mit kastrationsresistentem Prostatakarzinom um fast vier Monate bei guter Verträglichkeit.
Abirateron ist ein oraler Inhibitor der Androgensynthese, der sich in der Entwicklung befindet und der zur Behandlung des hormonresistenten Prostatakarzinoms eingesetzt werden soll.

Abirateron ist ein irreversibler Inhibitor des Enzyms Cytochrom P-17, das in der intrazellulären Produktion des Androgens Testosteron zentrale Bedeutung hat. Abirateron blockiert die Androgensynthese im gesamten Körper.

Längeres progressionsfreies Überleben

An der Phase-III-Studie nahmen seit April 2008 rund 1200 Patienten in 13 Ländern teil, bei denen trotz antihormoneller Therapien und Docetaxel-Chemotherapie die Tumorzellen wieder wuchsen. Zwei Drittel erhielten Abirateron kombiniert mit Prednison, ein Drittel Placebo plus Prednison. Während die Patienten der Abirateron-Gruppe im statistischen Mittel 14,8 Monate lebten, waren es in der Placebo-Gruppe 10,9 Monate. Erste Ergebnisse zeigten auch ein längeres progressionsfreies Überleben bei Abirateron gegenüber Placebo sowie eine deutlich höhere Ansprechquote bei der Senkung des PSA-Werts.

Die Verträglichkeit des oralen Präparats wird auch für ältere Patienten als gut eingestuft. In der Studie wurden keine signifikant unterschiedlichen Toxizitäten zwischen Abirateron und Placebo beobachtet.

In Deutschland waren fünf Einrichtungen an der Studie beteiligt: das Universitätsklinikum Aachen, der Campus Benjamin Franklin der Charité in Berlin, das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der Technischen Uni Dresden, die Urologische Gemeinschaftspraxis Hamburg und das Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg/Saar.

Kastrationsresistente Tumore

Bei den Patienten der Studie hatte die Unterdrückung der Produktion des Sexualhormons Testosteron durch meist medikamentöse, heute kaum noch operative Kastration nicht länger die gewünschte Wirkung erzielt. Die Prostatakarzinome waren kastrationsresistent geworden und bildeten neue Metastasen. In der Urologie ersetzt der Begriff des kastrationsresistenten Prostatakarzinoms (CRPC) dabei seit 2008 zunehmend die Begriffe "hormonrefraktäres" oder auch "androgenunabhängiges" Prostatakarzinom. Der neue Begriff resultiert aus der Erkenntnis, dass trotz Ausschaltung der Keimdrüsen, insbesondere der Hoden, die Prostatakarzinome auf Androgen empfindlich bleiben. Selbst geringste Androgenmengen, die in der Nebennierenrinde oder den Tumorzellen selbst gebildet werden, können so ein neuerliches Tumorwachstum auslösen. Auch die Chemotherapie auf der Basis von Docetaxel, sonst der therapeutische Königsweg in diesem Stadium Erkrankung, hatte das Tumorwachstum am Ende nicht mehr aufgehalten. Abirateron könnte die bisherigen Therapiekonzepte beim CRPC entscheidend verändern und erweitern.

Neue Therapieoption

Eine zweite laufende Phase-III-Studie zu Abirateron bestätigte die bisherigen Ergebnisse. An dieser im April 2009 gestarteten Studie nehmen CRPC-Patienten ohne chemotherapeutische Vorbehandlung teil.

Der neue Testosteronblocker Abirateron wurde in den USA von der Firma Cougar Biotechnology entwickelt, die 2009 von Johnson & Johnson übernommen wurde. Mit einer ersten Zulassung, die zunächst auf einen Einsatz nach chemotherapeutischer Vorbehandlung beschränkt bleiben dürfte, wird ab Mitte 2011 gerechnet. Der Hersteller kündigte an, Abirateron noch vor der Zulassung Patienten zur Verfügung zu stellen, die die Eingangsbedingungen der Studie erfüllen.

Prostatakrebs in Deutschland

Prostatakrebs ist mit 26% die häufigste Krebserkrankung bei Männern und verursacht 10% der Krebssterbefälle. Das mittlere Erkrankungsalter entspricht mit etwa 69 Jahren dem für Krebs gesamt. Erkrankungen treten kaum vor dem 50. Lebensjahr auf. Die Entwicklung beim Prostatakrebs ist, bei rückläufigen Sterberaten, durch einen erheblichen Anstieg der altersstandardisierten Erkrankungsraten gekennzeichnet, der auf den Einsatz des prostataspezifischen Antigens (PSA) zur frühzeitigeren Entdeckung von Prostatakrebs zurückgeführt wird.


Quelle

Mitteilung der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), 15.11.2010.

hel

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