Aus der Hochschule

Wer besitzt alte Rezeptkopierbücher?

Das Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Stuttgart bittet um Unterstützung bei einem Forschungsprojekt zur geschlechterspezifischen Therapie von Frauen und Männern in den letzten beiden Jahrhunderten.
"Recept-Buch" mit Einträgen von 1937 bis 1943.
Quelle: IGM Bosch

Es gibt geschlechterspezifische Unterschiede der Pharmakologie von Arzneistoffen, die zunehmend Gegenstand der modernen Arzneimittelforschung und Therapie sind. Die geschlechterspezifische Arzneimittelforschung ist jedoch auch aus historischer Sicht interessant. Mit der Frage, welche Medikamente Frauen und Männer während der letzten Jahrhunderte verschrieben bekamen, befasst sich ein Projekt am Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Stuttgart.

Das Institut hat bereits eine noch unveröffentlichte Pilotstudie erstellt, die u. a. zeigt, dass die Therapie in der frühen Neuzeit stark geschlechterdifferenzierend war und dass sich diese Praxis um 1880 langsam verlor.

Nunmehr läuft am Institut ein Forschungsprojekt zum geschlechterspezifischen Arzneimittelkonsum im Zeitraum von 1800 bis 2000. Die wichtigste Überlieferung dafür sind die Rezeptkopierbücher oder Manualien, die je nach Region auch unterschiedlich heißen können. In diesen Registern wurden die Rezepte von Arzneimitteln notiert, die an die individuellen Patienten, also an Männer oder Frauen, abgegeben wurden. Die Dokumentationspflicht war durch die Gesetze in den Staaten und Territorien unterschiedlich streng und genau geregelt, Rezeptkopierbücher dürften jedoch zumindest zeitweise in jeder älteren Apotheke vorhanden gewesen sein.

Von Digitalis bis Codein. Rezepte vom Mai 1944.
Quelle: IGM Bosch

Das Institut für Geschichte der Medizin hat bereits im Rahmen der Pilotstudie einige Serien von Rezeptkopierbüchern gesichtet und ausgewertet. Es spricht aber viel dafür, dass noch weitere derartige Serien im Keller oder auf dem Dachboden mancher Apotheke schlummern.

Besonders interessant für dieses Projekt sind solche Rezeptkopierbücher, in denen neben den Namen auch die Vornamen der Patienten (oder "Herr" und "Frau") notiert sind. Lange Serien (von ca. 1840 bis 1950) sind besonders willkommen.

Wir bitten Sie deshalb, das Institut zu kontaktieren, wenn Sie eine solche Serie haben und sie der Forschung zur Verfügung stellen wollen. Auch für Hinweise auf solche Quellen wären wir dankbar.


Kontakt

Prof. Dr. Martin Dinges

Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Stuttgart

Straußweg 17, 70184 Stuttgart

Tel. (07 11) 4 60 84-1 67 oder -1 72/1 71, Fax -1 81

martin.dinges@igm-bosch.de

www.igm-bosch.de

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