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Healthstyle ist der neue Lifestyle

HAMBURG (diz/tbhh). Noch bis vor wenigen Jahren assoziierte man mit dem Begriff "Lifestyle" einen Lebensstil, der irgendwie modern war, trendy und neue Entwicklungen unserer Gesellschaft vorlebte. Aber er war nicht zwangsläufig mit dem Begriff der Gesundheit oder mit einer gesunden Lebensart besetzt. Das scheint sich nun zu ändern. Mit "Lifestyle" bringt unsere Gesellschaft zunehmend den Begriff "Healthstyle" in Verbindung, wie das Trendbüro Hamburg, ein Beratungsunternehmen für gesellschaftlichen Wandel, in einer aktuellen Untersuchung feststellt.

Das Wort Gesundheit hat für Menschen einen außergewöhnlich hohen Stellenwert. Wie das Trendbüro in seiner Studie ausführt, können sich die Menschen auf wenig so gut einigen wie auf die hohe Bedeutung des Wertes Gesundheit. Gesundheit, das ist eben doch die Abwesenheit von Krankheit. Die Möglichkeit, ein schmerzfreies, selbstbestimmtes und energiegeladenes Leben zu führen. Aber nicht nur das. Im 21. Jahrhundert ist Gesundheit zu einem Synonym für das persönliche Wohlgefühl und damit Glück geworden.

Wer von sich als einem gesunden Menschen spricht, meint damit auch die Fähigkeit, sich selbst zu verwirklichen, ein Leben im Vollbesitz seiner körperlichen, geistigen und seelischen Kräfte zu führen. Oder anders gesagt: sich einfach wohlzufühlen – selbst dann, wenn man eigentlich an einer Krankheit leidet. In diesem Sinne meint Gesundheit eine befriedigende Art zu leben und dieses auch nach außen zu tragen. Das Ergebnis des Trendbüros auf den Punkt gebracht: "Aus Lifestyle wird Healthstyle."

Waren es früher Besitztümer und Gegenstände, mit denen die Menschen ihre Persönlichkeit auszudrücken versuchten, so ist es heute der Körper selbst. Seine Gestaltung entspricht unserer Geisteshaltung, sein Funktionieren wird zum Symbol des persönlichen Glücks. Selbstverständlich, dass diese Entwicklung nicht folgenlos bleibt.

Das Streben nach Healthstyle lässt sich auf den Märkten genauso nachzeichnen wie in den Köpfen der Menschen. Dieser Wertewandel verwandelt die Sehnsucht nach Gesundheit in einen Megatrend. Auf den reagieren sollte, wer in der stark diversifizierten Boombranche Gesundheit erfolgreich sein will. Sei es als Anbieter auf dem staatlich organisierten und ständig unterfinanzierten ersten Gesundheitsmarkt; sei es als Dienstleister auf dem stark wachsenden, aber auch wild wuchernden zweiten. Die Menschen jedenfalls sorgen mit ihrem Bedürfnis nach einem neuen Healthstyle für stabile Nachfragezuwächse – ob nun als Patient oder als Kundenpatient, als Gesunder oder als Kranker.

Gesellschaftstrends: Alles wird Gesundheit

Der demographische Wandel und das Streben der Menschen nach Gesundheit und Wohlgefühl – das sind zwei Seiten derselben Medaille. Denn in einer alternden Gesellschaft ist nichts so attraktiv wie ein jugendlicher, fitter, in jedem Fall aber gut funktionierender Körper. In diesem Sinne kann die vielzitierte Alterung als Motor des Megatrends Gesundheit gelten. Wenn immer mehr Menschen am eigenen Leib erfahren, wie wichtig es ist, sich gesund und gut zu fühlen, wächst automatisch das Interesse an diesem Thema, heißt es im Bericht des Trendbüros. Medien, Internet und Kultur zeichnen dieses nach. Ernstgemeinte Berichte und Talkrunden über den Gesundheitszustand sind genauso an der Tagesordnung wie unterhaltsamer Medizin-Pop.

Wer will, kann sich rund um die Uhr mit nichts anderem als dem Thema Gesundheit befassen. Klar, dass diese Entwicklung manche Blüte treibt, mancher Prominenter es mit seinem Einsatz rund um den eigenen Gesundheitszustand oder den anderer ein wenig übertreibt, wenn er sich etwa von einem Kamerateam zum Arzt begleiten lässt. Und nicht nur unsere Medienwelt medikalisiert wird, sondern auch immer mehr eigentlich gesellschaftliche Aufgaben von der Kindererziehung bis zur Ernährungsberatung. Alles wird Gesundheit – und sogar um das Thema Hygiene ist ein riesiger Hype entstanden.

Das Fazit 1: Die "Medizinisierung" unserer Gesellschaft.

Konsumententrends: Das optimierte Ich als Wachstumsmotor

Wer sich gesund und gut fühlen möchte, muss sein Schicksal selbst in die Hand nehmen. Self Design ebnet den Weg zum eigenen Healthstyle, und das schließt klassische Gesundheitsvorsorge ebenso mit ein wie zeitgemäßes Medical Wellness, so die Studie des Hamburger Trendbüros. In unserer gesundheitsorientierten Zeit kann sich jeder Mensch aus einem breit gefächerten Angebot das für ihn Passende aussuchen. Denn egal ob es sich um Freizeitangebote, die Ernährung oder Kosmetik ja sogar technische Gadgets oder das eigene Zuhause handelt: Alles kann heute gesund machen, nichts darf der Gesundheit schaden. Die Umsätze in diesen gesundheitsassoziierten Branchen sind gigantisch und werden auch in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Auch wenn es beispielsweise in der Foodbranche gar nicht mehr so leicht ist, die eigene gesundheitsfördernde Wirkung zu vermitteln (Stichwort: "Health Claims Verordnung") und selbstverständlich der Konkurrenzkampf auf allen Feldern groß ist. Doch egal um welches Produkt oder welche Dienstleistung es sich handelt: Wer den Kundenpatienten hilft, ihren eigenen Healthstyle auszuleben, sich gesund und fit zu fühlen, wird sich über eine wachsende Nachfrage freuen können. Die Bereitschaft, selbst etwas an seinem Aussehen, seiner körperlichen, geistigen und seelischen Verfassung zu verändern, wird weiter ansteigen – sei es mithilfe von Pharmazie, Sport, Reisen, Telemedizin, Prophylaxe, Nutricosmetics usw.

Das Fazit 2: Gesundheit, Schönheit, Jugendlichkeit als wichtigste Lebens- und Konsumziele.

Branchentrends: Die alten Leistungserbringer in der neuen Gesundheitswelt

Die klassischen Gesundheitsdienstleister beobachten diesen wachsenden Wellness-assoziierten zweiten Gesundheitsmarkt mit Argwohn: Sie erleben, dass die Patienten mit neuen Erwartungen und neuem Selbstbewusstsein in ihre Praxen, Kliniken oder Apotheken kommen, dabei viel fordern, aber wenig zu geben bereit sind. Doch es führt kein Weg zurück: Der aufgeklärte Patient stellt die Zukunft dar, es gilt, seine Bereitschaft zur Eigenverantwortung und zu einer Verbesserung des eigenen Gesundheitszustandes und des individuellen Wohlgefühls konstruktiv zu begleiten.

Trotz finanzieller und staatlicher Reglementierung geht es darum, die Herausforderung zu Markenbildung und Kundenbindung anzunehmen – auch wenn dabei so mancher Zopf abgeschnitten werden muss. Patienten dürfen als Kundenpatienten begriffen werden, weil sie sich selbst so begreifen – auch die kranken. Krankenhäuser, Arztpraxen, medizinische Zentren und Apotheken, aber auch Krankenkassen und Krankenversicherungen müssen sich als Gesundheitsmarke positionieren, die im Wettbewerb zueinander, aber auch zu alternativen Anbietern stehen. Auch das Patienten-Arzt-Verhältnis muss damit auf den Prüfstand rücken. "Die Aussichten und die Stimmung sind schlecht, die Qualität des deutschen Gesundheitswesens ist dennoch gut – machen wir das Beste daraus", schlussfolgert das Trendbüro Hamburg. Und das Fazit 3: Nur wer sich wandelt, bleibt gesund am Markt.

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