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Healthstyle ist der Trend

Peter Ditzel

Unsere Politik hat nichts unternommen, Pick-up-Stellen zu verbieten. In der vergangenen Woche hat der Bundestag der 15. AMG-Novelle zugestimmt – keine Äußerung zum Thema Pick-up-Stellen für Arzneimittel in Drogeriemärkten, Tankstellen, Reinigungen, Blumenläden oder wer weiß sonst noch wo, keine Regelung, kein Verbot. Streit in der Koalition oder Uneinigkeiten zwischen Koalition und Bundesgesundheitsministerium werden dafür angeführt, dass man sich nicht auf eine Abschaffung dieser unsäglichen "Ausgabe- oder Vertriebsstellen" von Arzneimitteln einigen konnte. Ein trauriges Bild für einen Staat wie Deutschland. Man könnte daraus auch schlussfolgern, dass es unseren (Gesundheits-)Politikern doch nicht so ernst ist mit der Arzneimittelsicherheit wie sie in ihren Sonntagsreden von sich geben. Denn sonst hätte sich einer wirklich ernsthaft dafür eingesetzt, dass diese Auswüchse des Versandhandels unterbunden werden. Nun bleiben sie also bestehen, dm, Schlecker, shell & Co, sehen dies wohl als Zustimmung zu ihrem Konzept und werden ihre Pick-up-points ausbauen. Da werden Besitzstände geschaffen. Wer glaubt da wirklich noch, dass Pick-up-Stellen wieder abgeschafft werden?

Vermutlich wird es der Markt selbst regeln. Glaubt man Umfragen, sieht es nicht danach aus, dass Pick-up-Stellen der Renner werden. Denn der Konsument, der Patient sieht die Apotheke, den Apotheker als zentrale Instanz im Gesundheitswesen. "Deutsche Kunden unterhalten oftmals eine enge Beziehung zu ‚ihrem’ Apotheker", so das Ergebnis einer Umfrage der Beratungsfirma "Concept m", "er genießt eine hohe Akzeptanz und spielt eine wichtige Rolle im Behandlungsprozess". Das wird eine Pick-up-Stelle nie leisten können. Die befragten Verbraucher sehen es auch kritisch, wenn sich Apotheker von ihrem Selbstverständnis als Heilberufler verabschieden und sich zu Händlern und Handelsketten weiterentwickeln. Verbraucher und Patienten schätzen die Apotheke auch deshalb, weil ihr eine "stabilisierende" Funktion zukommt: Was an Anteilnahme beim Arztbesuch auf der Strecke bleibt, kann der Apotheker durch Zuwendung und Menschlichkeit kompensieren. Diese Bedürfnisse können Arzneiversandhandel und Internet nicht erfüllen. Auch Shop-in-shop-Konzepte oder Apothekenketten betrachten die Verbraucher mit kritischen Augen. "Concept m" fasst das Umfrageergebnis zusammen: "Die Studie zeigt, dass in Deutschland der Apotheker den Ruf eines unbestechlichen medizinischen Fachmanns genießt, dessen Integrität nicht durch eine ausufernde Kommerzialisierung angetastet werden sollte." Es soll uns freuen, wenn die Mehrzahl der Verbraucher so denkt. Freilich wird es immer einige geben, die meinen, eine Pick-up-Stelle "bringt’s". Hoffen wir, der Markt wird’s regeln – wenn es schon nicht die Politiker tun.

In das positive Bild, das der Verbraucher generell von der Apotheke hat, passen nahtlos die Erkenntnisse des Trendbüros Hamburg, das vor Kurzem eine neue Gesundheitsstudie vorgelegt hat. Die Trendforscher haben festgestellt: im 21. Jahrhundert ist Gesundheit zu einem Synonym für das persönliche Wohlgefühl und Glück geworden. Jagten die Verbraucher noch bis vor wenigen Jahren einem wie auch immer gearteten Lifestyle hinterher, kristallisiert sich daraus heute der Healthstyle. Im Mittelpunkt des Lebens steht körperliche Gesundheit und damit verbunden ein Wohlgefühl. Im Mittelpunkt steht alles, was der Gesundheit dienen kann. Definierte man sich früher noch über materielle Dinge und Besitzstände, steht heute mehr und mehr der gesunde und leistungsfähige Körper im Zentrum des Interesses. Aus dem Bedürfnis nach einem neuen Healthstyle entspringen, so die Trendforscher weiter, stabile Nachfragezuwächse. Der Wertewandel verwandelt die Sehnsucht nach Gesundheit in einen Megatrend, prognostizieren die Trendforscher. Und das bedeutet auch für die Apotheken: Wer den Kunden und Patienten, den "Kundenpatienten" hilft, ihren eigenen Healthstyle zu leben, sich gesund und fit zu fühlen, wird sich über eine wachsende Nachfrage freuen können. Die Kunden erwarten von einer modernen Apotheke Hilfestellung dafür.

Was kann dies konkret für die Apotheke bedeuten? Trotz Wirtschaftskrise, trotz klammer Ressourcen im Gesundheitswesen der Krankenkassen – es gibt Potenzial im Markt, an dem eine Apotheke partizipieren kann, wenn sie es denn erkennt und wahrnimmt. Dazu gehört (siehe oben), ihre Aufgabe als seriöse Anlaufstelle im Behandlungsprozess mit dem Arzt wahrzunehmen, Anteilnahme, Zuwendung, Menschlichkeit ("soziale Drehscheibe") einzubringen, den "Kundenpatienten" zu unterstützen, seinen Healthstyle zu leben. Dazu gehören Dienstleistungen zur Prävention, Beratung und Tipps in Sachen Ernährung und Bewegung. Immer mehr Konsumenten erfahren, wie wichtig es ist, sich gesund und fit zu fühlen und es zu bleiben. Unterstützen Sie ihre Bemühungen, dann machen Sie das Beste aus dem neuen Trend!


Peter Ditzel

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