Medizin

Was steckt eigentlich hinter ...Muskelzuckungen?

Weh tun sie nicht, aber angenehm sind sie auch nicht: die plötzlichen, unwillkürlichen Muskelzuckungen. Dass nur Nervöse unter Zuckungen von Arm-, Augenlid- oder Schenkelmuskeln leiden, ist ein Irrglaube. Trotzdem sind sie harmlos, meistens zumindest. Nur wenn charakteristische Begleitsymptome hinzutreten, weisen Muskelzuckungen auf eine beginnende schwere Erkrankung hin.

Aber der Reihe nach: Hinter dem Myoklonus stecken blitzartige Gehirnimpulse, die einzelne Muskeln oder ganze Muskelgruppen in Aktion setzen. Verwandt, aber nicht identisch mit dem Myoklonus ist der Tic , der komplexere Bewegungsmuster erzeugt, z. B. ständiges Blinzeln, Naserümpfen, Räuspern oder Schulterzucken. Tics können sehr belasten.

Dauern die Tic-artigen Zuckungen, z. B. im Gesicht, länger an und verbinden sie sich mit ruckartigen Bewegungen an Hals und Schultern und unwillkürlichen Lautäußerungen, muss an ein Tourette-Syndrom gedacht werden. Betroffen von beidem sind überwiegend männliche Jugendliche, die dann zusätzlich oft unter Ausgrenzung leiden.

Abzugrenzen sind ebenfalls eng umschriebene Formen der Epilepsie, sogenannte fokale Epilepsien. Räumlich umschriebene Bewegungsmuster wandern und dauern eher minuten- als sekundenlang. Hinzutreten kann ein "Ameisenlaufen" auf der Haut, das Sehen von Lichtblitzen oder anderes – das Bewusstsein bleibt erhalten. Glücklicherweise sind einfach-fokale Anfälle selten. Zurück zu den Muskelzuckungen: Sie sind wirklich häufig. Der bekannteste Vertreter ist der Einschlaf-Myoklonus , eine Tag für Tag millionenfach auftretende Erscheinung im Rahmen des "Programmwechsels", den das Großhirn zwischen Wach- Sein und Schlafen durchläuft. Myoklonien erzeugt das Gehirn gelegentlich aber auch bei Überanstrengung, Schreck, Angst oder Schmerz – und wer zuviel davon gewohnt ist, auch bei plötzlich sinkendem Alkoholspiegel im Blut.

Auch manche Medikamente können bei der Aufdosierung und beim Absetzen Myoklonien erzeugen.

Dass Unterzuckerung neben quälender Unruhe ebenfalls Myoklonien provoziert, zeigt, wie empfindlich das Gehirn auf Glucosemangel im Blut reagiert.

Dr. med. Arne Schäffler, Augsburg www.schaeffler.cc
Beschwerdebild
Was steckt dahinter?
Muskelzuckungen beim Einschlafen

oder Aufwachen
Harmloser Einschlaf- oder Aufwach-
Myoklonus
Wiederholte Zuckungen bestimmter Gesichtsmuskeln, z. B. sichtbare
Grimassen, Kopfrucken, Stirnrunzeln
Tic oder (Gilles-de-la-)Tourette-Syndrom, oft bei älteren Knaben oder männlichen Jugendlichen
Ein- oder beidseitig zuckendes
Augenlid
Nervöse Zuckungen, z. B. bei Müdigkeit, Überanstrengung der Augen
Muskelzuckungen und heftiger
Bewegungsdrang in den Beinen,
Verschlechterung abends und nachts
Häufig: Restless-legs-Syndrom (RLS)

Selten: bei Polyneuropathie, Eisenmangelanämie, Diabetes mellitus oder rheumatoider Arthritis
Muskelzuckungen an einem Arm
oder Bein ohne Bewusstseinsverlust,
wandernd oder sich ausbreitend
Epilepsie mit einfach-fokalen Anfällen
Muskelzuckungen, Unruhe und
Schwitzen
Unterzuckerung (Hypoglykämie), vor
allem bei bekanntem Diabetes
Muskelzuckungen bei Einnahme oder
Absetzen von Medikamenten
Medikamentennebenwirkung, z. B. von
Antiepileptika, z. B. Carbamazepin

Antidepressiva, z. B. SSRI

Benzodiazepinen (beim Absetzen)

Methylphenidat

Die häufigsten Formen des Myoklonus haben eine banale Ursache. Nur selten ist allein wegen Muskelzuckungen der Gang zum Arzt erforderlich.

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