Prisma

Mit Muskelreizen gegen Nervenschmerzen

Diabetikern, die unter Nervenschmerzen und Missempfindungen an den Beinen leiden, kann ein neues Therapieverfahren mit elektrischer Muskelstimulation helfen. In einer an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg durchgeführten Studie gaben 73 Prozent der Teilnehmer nach vier Wochen an, dass sich ihre Beschwerden erheblich gebessert hätten.

Viele Diabetiker entwickeln eine Polyneuropathie, wenn ihr Blutzucker nicht optimal eingestellt ist. Insgesamt sind etwa 30 Prozent aller Diabetiker davon betroffen. Die Beschwerden treten zunächst an den Füßen und Beinen, in sehr fortgeschrittenen Stadien manchmal auch an Händen und Armen auf. Die Patienten klagen über brennende und stechende Schmerzen, die vor allem in Ruhe oder nachts auftreten, sowie über Kribbeln und Taubheitsgefühl. Eine ausreichende Therapie gibt es bislang nicht. An der Universität Heidelberg wurde nun im Rahmen einer Studie die elektrische Muskelstimulation (EMS) bei Polyneuropathie-Patienten angewendet. Dabei werden definierte Stromreize in der Oberschenkelmuskulatur gesetzt. Insgesamt 92 Männer und Frauen, die an Altersdiabetes und Neuropathie litten, nahmen an der Studie teil und wurden zweimal pro Woche über einen Zeitraum von vier Wochen mit einer 60-minütigen Muskelstimulation behandelt. Je größer ihre Beschwerden waren, desto besser sprachen sie auf die Therapie an. Andere Faktoren wie Geschlecht, Alter oder Erkrankungsgrad spielten keine Rolle. Die Therapie wirkte sich besonders günstig auf brennende Schmerzen und durch die Beschwerden bedingte Schlafstörungen aus. "Wir halten die Muskelstimulation für eine effektive Therapie, die vielen Patienten helfen kann und sie wenig belastet. Insbesondere der günstige Effekt auf den Nachtschlaf sollte für eine Verbesserung der Lebensqualität bei den betroffenen Patienten sorgen", kommentiert Professor Nawroth, Ärztlicher Direktor der Abteilung Endokrinologie und Stoffwechsel am Universitätsklinikum Heidelberg, die Studie. Um den Benefit genauer beziffern zu können, soll nun in einer Folgestudie die EMS mit medikamentösen Therapien der diabetischen Polyneuropathie verglichen werden.
ral

Quelle:
Pressemitteilung der Universitätsklinik Heidelberg 43/2009

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.