Statintherapie bei chronischer Niereninsuffizienz

Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen haben ein erhöhtes 
Risiko für tödlich verlaufende kardiovaskuläre Komplikationen. 
Als ein wesentlicher Risikofaktor hierfür gilt ein erhöhter 
Plasmalipidspiegel. Eine Metaanalyse untersuchte die Vorund 
Nachteile einer Cholesterinsenkung mit Statinen bei chronisch 
Niereninsuffizienten. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass 
Statine bei einer Niereninsuffizienz eingesetzt werden können: 
Statine reduzieren signifikant die Lipidkonzentration und kardiovaskuläre 
Endpunkte wie Herzinfarkt.

Es wurde kein Vorteil in Bezug auf die Gesamtsterblichkeit oder Primärprävention nachgewiesen. Die in die Metaanalyse einbezogenen 50 kontrollierten Studien mit insgesamt 30.144 Patienten untersuchten den Effekt einer cholesterinsenkenden Therapie in den verschiedenen Stadien der Nierenkrankheit im Vergleich zur Behandlung mit Placebo oder anderen Statinen. Dabei wurde nicht zwischen den verschiedenen Statinen unterschieden. 

Effekt auf kardiovaskuläres Risikoprofil 

Im Bereich der Laborparameter senkten Statine erwartungsgemäß Gesamtcholesterin, LDLund Triglyceridkonzentration sowie den Grad der Proteinurie. Die Kreatinin-Clearance blieb im Vergleich zu Placebo unbeeinflusst. Die kardiovaskuläre Mortalität wurde in 43 der ausgewerteten Studien um ungefähr 20% verringert (23.266 Patienten, relatives Risiko 0,81, 95% Konfidenzintervall 0,73 bis 0,90). Nicht-tödliche kardiovaskuläre Ereignisse wurden in acht Studien ebenfalls um ungefähr 20% reduziert (22.863 Patienten, relatives Risiko 0,78, Konfidenzintervall 0,73 bis 0,84). Die Auswirkung der Behandlung auf beide genannte Endpunkte war unabhängig vom erreichten Stadium der Niereninsuffizienz: noch nicht dialysepflichtig, dialysepflichtig oder nierentransplantiert. Störungen der Leberfunktion oder Anstiege in der Kreatin- Phosphokinasekonzentration als Hinweise auf die gefürchtete Nebenwirkung Rhabdomyolyse traten nicht häufiger auf als unter Placebo.

 

Offene Fragen für die Zukunft 

Allerdings konnte keine Verbesserung der Gesamtsterblichkeit in der Risikogruppe gefunden werden. Ebenfalls unklar blieb die Rolle der Statine in der Primärprävention von kardiovaskulären Ereignissen. Aufgrund der geringen Anzahl an verfügbaren Studien in ausreichender Qualität, die für die Metaanalyse zur Verfügung standen, werden Hoffnungen auf die Ergebnisse aktuell durchgeführter Untersuchungen zu dieser Thematik gesetzt. Die Frage nach cholesterinunabhängigen nephroprotektiven Effekten der Statine bleibt ebenfalls im Fokus des Interesses. 

 

Quelle
 Strippoli, GFM; et al.: Effects of statins in Patients with chronic kidney disease: meta-analysis and meta-regression of randomised controlled trials. BMJ 2008; 336: 645-651. Clase, M.: Statins for people with kidney disease. BMJ 2008; 336: 624-625. Apotheker Peter Tschiersch

 

Einteilung der chronischen Nierenkrankheit in fünf Schweregrade der National Kidney Foundation, USA
Stadium
glomeruläre
Filtrationsrate
[ml/min/1,73 m2 ]
Bezeichnung
1
≥ 90
Nierenkrankheit mit normaler Nierenfunktion
2
60– 89
Nierenkrankheit mit milder Funktionseinschränkung
3
30– 59
Nierenkrankheit mit moderater Nierenfunktions-einschränkung
4
15– 29
Nierenkrankheit mit schwerer Nierenfunktionseinschränkung
5
< 15
chronisches Nierenversagen (oder Dialysepflichtigkeit)

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