Raucherentwöhnung

Nicotinersatzpräparate unterstützen Aufhörwillige

Die Nicotinersatztherapie ist geeignet, die Entwöhnung von Tabakprodukten zu unterstützen. Besonders für entzugswillige Raucher mit starker Nicotinabhängigkeit sind Nicotinersatzpräparate als Hilfsmittel empfehlenswert. Der Erfolg der Entwöhnungstherapie ist allerdings von der richtigen Anwendung und sehr stark von der Motivation des Rauchers zur Abstinenz abhängig.

 

Wer aufhört zu Rauchen, der profitiert auch davon: Nach einer Kohortenstudie mit insgesamt 50 Beobachtungsjahren erhöht ein Rauchverzicht mit 60, 50 oder 40 Jahren die Lebenserwartung jeweils um drei, sechs bzw. neun Jahre. Wer im Alter von 30 Jahren das Rauchen beendete, hatte danach sogar eine Lebenserwartung wie ein Nichtraucher. Gerade weil sich Zigarettenverzicht zu jedem Zeitpunkt lohnt, kommt der gezielten Entwöhnungsbehandlung auch nach langjährigem Zigarettenkonsum eine große Bedeutung zu.

Neben verhaltenstherapeutischen Maßnahmen als Basis der Entwöhnungstherapie ist insbesondere bei starken Rauchern eine medikamentöse Unterstützung zur Linderung der Nicotinentzugssymptome sinnvoll (siehe Kasten).

Nicotinersatzpräparate gelten aufgrund ihrer nachgewiesenen therapeutischen Wirksamkeit und ihres hohen Erprobungsgrades als Standardtherapeutika zur medikamentösen Behandlung der Tabakabhängigkeit. Der Wille zu langfristigen Verhaltensänderungen sollte allerdings auch beim Einsatz dieser Präparate auf jeden Fall vorhanden sein.

Schwangeren wird empfohlen, das Rauchen aufzugeben, dabei aber auf Nicotinersatzpräparate als Hilfsmittel zu verzichten, da sowohl das mit dem Tabakrauch aufgenommene Nicotin als auch das aus Nicotinersatzpräparaten das ungeborene Kind erreicht. Da im Tabakrauch jedoch neben Nicotin zahlreiche weitere schädliche Inhaltsstoffe enthalten sind, wird in einigen Empfehlungen zur Therapie von Tabakabhängigkeit die Anwendung von Nicotinersatzpräparaten gegen die Gefahr des Weiterrauchens während der Schwangerschaft abgewogen.

Die akute Gier nach Nicotin befriedigen

Mit der Nicotinsubstitution wird nach dem Rauchstopp begonnen. Die täglich verabreichten Nicotindosen sollten sich dabei nach dem Grad der Abhängigkeit und der Anzahl der täglich gerauchten Zigaretten richten. Als Darreichungsformen stehen Kaugummis, Lutschtabletten, Sublingualtabletten und Pflaster zur Verfügung, ein Nasalspray ist in Deutschland nicht mehr im Handel. Da das Nicotin bei diesen Darreichungsformen ähnlich wie bei der Inhalation von Zigarettenrauch schnell anflutet, werden sie zur Stillung des akuten Nicotinbedürfnisses eingesetzt, wenn massives Rauchverlangen besteht. Während sich Nasalsprays wegen ausgeprägter lokaler Reizerscheinungen nicht durchgesetzt haben, sind Kaugummis und Lutschtabletten gut verträglich und auch für leicht bis mittelschwer abhängige Raucher gut einsetzbar. Sublingualtabletten werden vor allem von Zahnprothesenträgern und Rauchern mit einer Aversion gegen Kaugummis akzeptiert.

Wirkungen von Nicotin und die Folgen für den Organismus
Wirkungen von NicotinKonsequenzen
bindet an Nicotinrezeptoren im ZNSerleichterte Freisetzung von Transmittern (Dopamin, Noradrenalin, Acetylcholin, 
5-Hydroxytryptamin, γ-Aminobuttersäure, β-Endorphin)
StimmungslageGenussempfinden erhöht, wirkt erregend, beruhigend und anxiolytisch
Leistungsfähigkeiterhöhte Aufmerksamkeit, verbesserte Leistung bei sich wiederholenden Aufgaben
KörpergewichtHungergefühl herabgesetzt, Stoffwechselvorgänge beschleunigt, Gewichtsreduktion

Neuroadaption der Nicotinrezeptoren

(wiederholte Gabe)

Toleranzentwicklung

Entzugssymptome: Gereiztheit, Unruhe, Schläfrigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Leistungsbeeinträchtigung, Angst, Hunger, Gewichtszunahme, Schlafstörungen, Verlangen nach Zigaretten ("craving")

Richtig Kauen

Kaugummis stehen in 2-mg- und 4 mg-Dosierungen zur Verfügung (Nicorette® Nicotin-Kaugummi classic original/mint, Nicotinell® Kaugummi fruit/mint); Lutschtabletten sind in 1-mg-, 2-mg- und 4-mg-Dosierungen erhältlich (Nicotinell® Lutschtabletten, NiQuitin® Lutschtabletten). Von der 4-mg-Dosierung können bis zu 16 Kaugummis bzw. 15 Lutschtabletten pro Tag eingesetzt werden. Damit sich das Nicotin aus der Darreichungsform herauslösen kann, sollten alle Präparate eine halbe Stunde im Mund behalten werden. Schnelles Kauen bzw. Lutschen sollte vermieden werden, da ansonsten zu viel Nicotin innerhalb weniger Minuten freigesetzt wird. Stattdessen die Kaugummis ein bis zwei Mal im Backenzahnbereich kauen, dann 30 Sekunden warten, danach das Gleiche auf der anderen Wangenseite. Lutschtabletten sollten solange gelutscht werden, bis ein kräftiger Geschmack entsteht und danach zwischen Zahnfleisch und Wange gehalten werden. Wenn der Geschmack nachlässt, soll wieder mit dem Lutschen begonnen werden. Sublingualtabletten (Nicorette® Microtab 2 mg) werden unter die Zunge gelegt, wo sie sich langsam innerhalb von 30 Minuten auflösen.

Pflaster bewirken stabile Nicotin-Plasmaspiegel mit der Möglichkeit, die Dosis zu reduzieren und so auszuschleichen. Beim Pflaster wird die Nicotinwirkung vom bisher üblichen Zufuhrverhalten entkoppelt, zahlreiche Ex-Raucher empfinden die Pflaster als scheinbar "unwirksam". Nicotinpflaster gibt es in verschiedenen Wirkstärken:

niedrigdosierte Nicotinpflaster mit Freisetzungsraten von 5 mg Nicotin in 16 Stunden (Nicorette® Membranpflaster 8,3 mg) beziehungsweise 7 mg Nicotin in 24 Stunden (Nicotinell® TTS 17,5 mg/24-Stunden Pflaster, nikofrenon® 10, NiQuitin® 7 mg),

Nicotinpflaster in mittlerer Dosierung mit Freisetzungsraten von 10 mg Nicotin in 16 Stunden (Nicorette® Membranpflaster 16,6 mg) beziehungsweise 14 mg Nicotin in 24 Stunden (Nicotinell® TTS 35 mg/24-Stunden-Pflaster, nikofrenon® 20, NiQuitin® 14 mg),

hochdosierte Nicotinpflaster mit Freisetzungsraten von 15 mg Nicotin in 16 Stunden (Nicorette® Membranpflaster 24,9 mg) beziehungsweise 21 mg Nicotin in 24 Stunden (Nicotinell® TTS 52,5 mg/24-Stunden Pflaster, nikofrenon® 30, NiQuitin® 21 mg).

Niedrigdosierte Nicotinpflaster werden eingesetzt, um eine Behandlung mit höher dosierten Pflastern langsam zu beenden. Nicotinpflaster in mittlerer Dosierung sollten eingesetzt werden, wenn weniger als 20 Zigaretten täglich geraucht wurden, während hochdosierte Nicotinpflaster angewendet werden sollten, wenn mehr als 20 Zigaretten täglich geraucht wurden. 16-Stunden-Pflaster und 24-Stunden-Pflaster sind dabei gleich wirksam. Die Behandlung mit einer Pflasterstärke sollte über maximal zwei bis drei Monate aufrechterhalten werden. Im Allgemeinen wird die zuerst gewählte Pflasterstärke allerdings nur drei bis vier Wochen beibehalten und dann mit niedriger dosierten Pflastern ausgeschlichen.

Während des Anwendungszeitraums sollte regelmäßig jeden Morgen ein Pflaster auf eine unbehaarte, nicht eingefettete, saubere und trockene Hautstelle geklebt (10 bis 20 Sekunden andrücken, danach Hände waschen) und dort bis zum nächsten Morgen belassen werden. Geeignete Klebestellen sind am Rumpf, Oberarm oder der oberen Hüfte. Die Klebestelle sollte jeden Tag gewechselt werden.

Bei starker Abhängigkeit können auch zwei Nicotinpräparate (Pflaster plus Kaugummi oder Lutschtablette) kombiniert eingesetzt werden. Die Nicotinsubstitution sollte allerdings sofort beendet werden, falls der Betroffene wieder zu Rauchen beginnt.

 

Quelle

Therapieempfehlungen der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Tabakabhängigkeit. Arzneiverordnung in der Praxis, 1. Auflage 2001.

Bopp A, Herbst V: Handbuch Medikamente, Stiftung Warentest Berlin 2004, 6. Auflage.

Doll R et al.: Mortality in relation to smoking: 50 years`observations on male British doctors. BMJ 2004; 328: 1519-1528.

Fachinformationen Nicorette®, Nicotinell®, NiQuitin®.

National Institute for Clinical Excellence: Guidance on the use of Nikotine replacement therapy (NRT) and bupropion for smoking cessation. Technology appraisal no. 39, March 2002.

 


 

Apothekerin Dr. Birgit Schindler

 

 

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