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Doping Bilanz 2005: Weniger EPO, mehr Cannabis

BERLIN (hb). Eine überwiegend positive Dopingbilanz zog die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) im Rahmen ihrer Jahrespressekonferenz am 16. März 2006 für das vergangene Jahr. Außerdem wurde das in 2005 begonnene Präventionskonzept der NADA vorgestellt.

Der Umfang der untersuchten Dopingproben hat sich in 2005 gegenüber den Vorjahren noch weiter erhöht. Insgesamt 4679 Trainingskontrollen entfielen auf die NADA (4482) und die Welt Anti-Doping Agentur WADA (197). Daneben führten nationale und internationale Fachverbände 3992 Wettkampfkontrollen durch. Die Zahl der positiven und sanktionierten Dopingfälle lag mit 67 (18 bei Trainingskontrollen und 49 bei Wettkampfkontrollen) geringfügig unter dem Ergebnis von 2004.

Bei den positiven Proben wurden folgende verbotene Wirkstoffgruppen gefunden:

  • anabole Substanzen (11),
  • Beta-2-Agonisten (10),
  • antiöstrogene Wirkstoffe (2),
  • Diuretika und andere Maskierungsmittel (13),
  • Stimulanzien (10),
  • Cannabinoide (14),
  • Glucocorticosteroide (4),
  • Betablocker (4).

    Trotz deutlich erhöhter Probenzahlen (800 Untersuchungen) gab es keinen EPO-Verdachtsfall. "Wir stellen jedoch mit Schrecken fest, dass ≠social drugs' wie Cannabis (THC) als gesellschaftliches Phänomen auch im Sport stark präsent sind", warnte NADA-Geschäftsführer Dr. Roland Augustin.

    In Ausnahmefällen erlaubt

    Mit den medizinischen Ausnahmegenehmigungen (therapeutic use exemptions, TUE) haben die Sportler die Möglichkeit, sich bei chronischen und einigen akuten Erkankungen bedarfsgerecht auch mit solchen Stoffen behandeln zu lassen, deren Anwendung normalerweise einen Dopingverstoß darstellt. Auf Basis dieser Regelung hat die NADA im Jahr 2005 insgesamt 77 TUEs für die Behandlung chronischer Erkrankungen, 1865 für nicht systemische Glucocorticosteroide und 938 für die Anwendung von Asthmamitteln (Beta-2-Agonisten und inhalativer Glucocorticosteroide) bearbeitet.

    Der Leiter des Kölner Doping-Labors, Prof. Dr. Wilhelm Schänzer, übte Kritik an der Schutzsperre bei einem erhöhten Hämatokrit-Wert, die zuletzt bei der Winter-Olympiade in Turin wieder für heftige Diskussionen gesorgt hatte. Gesundheitliche Argumente könnten hier kaum zum Tragen kommen, wenn gleichzeitig Athleten mit höheren Werten und einer Ausnahmeregelung an den Start gehen dürften, meint Schänzer. Außerdem würden Athleten mit erhöhten Blutwerten und ohne Starterlaubnis mit einem Dopingverdacht belastet, ohne dass ein eindeutiger Nachweis erbracht wurde. Er schlug vor, stattdessen bei einer Schutzsperre aus gesundheitlichen Gründen keine Ausnahmegenehmigungen zu gewähren und Athleten mit erhöhten Blutwerten gezielt und intensiv zu kontrollieren.

    Prävention bei jungen Athleten fördern

    Vorgestellt wurden in Berlin auch die neuen Präventionsmaterialien der NADA, die maßgeblich unter der Leitung der Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Dr. Elisabeth Pott, ebenfalls NADA-Vorstandsmitglied, entwickelt wurden. Erstmalig wird hiermit eine umfassende Vorgehensweise für den deutschen Sport angestrebt. Wichtigster Adressatenkreis sind junge Athleten im Leistungssport und Trainer. Die NADA hat zu diesem Zweck eine eigene Internetseite geschaffen und in einem ersten Workshop im Februar 2005 mit allen beteiligten Kreisen (Trainer, Trainerausbilder, Athleten, Wissenschaftler) bereits konkrete Schritte zur Umsetzung der Präventionsstrategie vorgenommen.

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