Aus Kammern und Verbänden

Das Beratungsgespräche in der Apotheke

"Die stumme Abgabe des Arzneimittels ist der Tod unseres akademischen Berufes." Mit dieser Prognose verdeutlichte Dr. Hermann Liekfeld bei einem Kommunikationsseminar der LAK Hessen die Bedeutung des Themas Beratung in der Apotheke.

Die Ziele der Kommunikation mit dem Patienten sind nach Ansicht von Liekfeld – selbst Arzt und Apotheker – zum einen die Optimierung der Arzneimittelwirkung und zum anderen die Minimierung des Arzneimittelrisikos. Liekfeld zeigte anhand eines strukturierten Schemas, was bei der Abgabe eines Arzneimittels auf Rezept oder in der Selbstmedikation alles zu beachten ist und wie ein informatives Beratungsgespräch geführt wird.

Schnell das Wesentliche erkennen

Liekfeld betonte, dass jede Patientenberatung der individuellen Situation angepasst werden muss und dass keine Situation das "Komplettprogramm" erfordert. Es ist wichtig, dass der Apotheker schnell das Wesentliche erkennt, um gezielt, knapp, eindeutig und verständlich beraten zu können. Bereits der erste Blick auf ein Rezept offenbart schon wertvolle Anhaltspunkte für die Beratung, wie zum Beispiel das Alter und das Geschlecht des Patienten.

Orientierungsphase

Die Beratung beginnt mit einer "Orientierungsphase". Bei der rezeptierten Medikation informiert der Apotheker den Patienten hier sogleich über die Anwendung des Arzneimittels, während bei der Selbstmedikation zunächst das geeignete Arzneimittel auszuwählen ist oder auch von einer Medikation abzuraten ist.

Bei der Selbstmedikation schildert der Kunde entweder Symptome und Beschwerden, oder er gibt eine Eigendiagnose oder er wünscht ein konkretes Präparat. Die Hauptaufgabe des Apothekers besteht darin, die Symptome geschickt zu hinterfragen und zuzuordnen, um zu einer sicheren Diagnose zu gelangen. Wichtig sind die Fragen:

  • "Wer bekommt das Arzneimittel?",
  • "Wie äußert sich das Beschwerdebild?" und
  • "Seit wann bestehen die Beschwerden und was ist schon unternommen worden?"

Dagegen wäre beispielsweise die Frage "Welchen Husten haben Sie?" nicht zielführend. Denn was könnte der Patient darauf konkret antworten? Fragen nach der Intensität und dem Auftreten der Beschwerden (z. B. nachts) sind spezifischer und lassen die Art des Hustens leichter ermitteln.

Auch die Aussage des Patienten "Ich habe Durchfall" ist zu unspezifisch, um daraus eine gute Arzneimittelempfehlung ableiten zu können. Der Apotheker muss durch geeignete Fragen u. a. herausfinden, ob es sich um akuten oder chronischen Durchfall handelt, hinter dem sich auch ein Karzinom oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung verbergen kann.

Das oberste Gebot der Medizin heißt, so Liekfeld, "primum nil nocere", also auf keinen Fall zu schaden. Daher soll der Apotheker den Patienten auch auf Kontraindikationen und relevante Interaktionen der abgegebenen Arzneimittel aufmerksam machen – ohne ihn zu verunsichern.

Liekfeld rät jedem Apotheker, die Beipackzettelinformationen der wichtigsten und am häufigsten abgegeben Arzneimittel so zu verinnerlichen, dass er sie stets im Kopf hat. Seine eigentliche Aufgabe besteht dann darin, die Informationen dem Patienten verständlich zu vermitteln und zu interpretieren, z. B. Nebenwirkungen in einem realistischen Rahmen einzuordnen.

Optimierungsphase

Die "Optimierungsphase" des Beratungsgespräches soll der Complianceförderung und der Verbesserung der Therapiequalität dienen. Der Apotheker soll dem Patienten stets verdeutlichen, warum er ein Arzneimittel einnehmen muss und wie er dies am besten tut. Dazu gehören Hinweise zur Dosierung und zur Zeit und Art der Einnahme, z. B. bezüglich Tageszeit, Mahlzeiten, Begleitflüssigkeit, Körperhaltung oder Applikationstechnik. Dabei kommt es auch auf die richtige Sprache an. So ist der Hinweis, ein magensaftresistentes Medikament "nüchtern" zu nehmen, für viele Patienten missverständlich. Besser ist der Ausdruck "auf leeren Magen" zusammen mit dem oft vergessenen Zusatz, nach der Einnahme mindestens noch eine halbe Stunde mit dem Essen zu warten.

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