Arzneimittel und Therapie

Forschung mit Pflanzenextrakten: Natürliche antimikrobielle Peptide statt teure

Trotz Besiedelung der menschlichen Haut- und Schleimhautoberfläche mit potenziell pathogenen Mikroorganismen treten dort relativ selten Infektionen auf. Dies ist unter anderem der körpereigenen Produktion antimikrobieller Peptide zu verdanken Ų Eiweißstoffen, die Teil der spezifischen, den zellulären Abwehrmechanismen vorgeschalteten Immunabwehr sind. Produziert werden sie nicht nur im menschlichen Organismus, sondern auch von Pflanzen und Insekten.

Die klinische Forschung befasst sich derzeit intensiv mit den antimikrobiellen Peptiden, da sie einen ungewöhnlichen Wirkungsmechanismus haben. Die antimikrobiellen Peptide greifen nicht direkt in den zellulären Stoffwechsel der Mikroorganismen ein, sondern bilden Poren, über die sich der Inhalt "feindlicher" Zellen entleert und diese abtötet. Für die Entwicklung neuer antimikrobieller Medikamente sind diese Peptide auch deshalb interessant, weil sich – bedingt durch das niedrige Molekulargewicht der Peptide – die pathogenen Mikroorganismen schwer tun, eine Resistenz gegenüber antimikrobiellen Peptiden auszubilden.

Bisher ist es allerdings nicht möglich, antimikrobielle Peptide gentechnologisch herzustellen. Auch sind die Mechanismen, die die Produktion und/oder Aktivierung der Peptide induzieren, bis dato nicht bekannt. Deshalb konzentriert sich die Forschung derzeit auf eine mögliche therapeutische Nutzung antimikrobieller Peptide aus hochgereinigten pflanzlichen Extrakten. Nach ersten, bisher unveröffentlichten Ergebnissen konnten tatsächlich therapeutische Effekte gegenüber Keimen wie etwa Streptokokken und Haemophilus influenzae nachgewiesen werden – Erreger, die in erster Linie für Infektionen der oberen Atemwege verantwortlich zeichnen.

Diese Entzündungen haben oft weit reichende Folgen. So sind beispielsweise Riechstörungen in mehr als 70% der Fälle durch Entzündungen der Nasennebenhöhlen bedingt. Ein eingeschränkter Geruchssinn erschwert aber nicht nur die Orientierung in der Umwelt, sondern beeinträchtigt auch die Lebensqualität. Als medikamentöse Standardtherapie bei Patienten mit Riechstörungen gilt derzeit die langfristige Applikation systemischer Corticoide. Ob es gelingt, das Riechvermögen dieser Patienten durch Behandlung mit pflanzlichen Präparaten zu erhalten und dadurch die Corticoidbehandlung zu verkürzen, wird derzeit im Rahmen einer randomisierten plazebokontrollierten Doppelblindstudie untersucht.

Quelle

Prof. Dr. Steffen Maune, Kiel; Prof. Dr. Thomas Hummel, Dresden: "High-Tech-Forschung entdeckt die grüne Medizin", München, 8. Dezember 2004, veranstaltet vom Komitee Forschung Naturmedizin (KFN) e.V., München.

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