Ernährung aktuell

Lactoseintoleranz: Milch ist gesund, doch nicht jeder verträgt sie

Unspezifische, immer wiederkehrende Bauchbeschwerden wie Übelkeit, Blähungen und Durchfall - hinter diesen Symptomen könnte sich eine Milchzuckerunverträglichkeit verstecken. Was viele nicht wissen: Die Lactoseintoleranz ist auch hierzulande weit verbreitet. Man schätzt, dass etwa fünf bis 15 Prozent der erwachsenen Deutschen Probleme mit der Verdauung von Milchzucker haben. Allerdings ist die Unverträglichkeit nicht bei allen gleich schwer ausgeprägt - und es gibt mittlerweile verschiedene Möglichkeiten, dem Problem im Alltag zu begegnen.

Lactose, das Kohlenhydrat der Milch, ist ein Disaccharid, bestehend aus Glucose und Galactose. Um es verdauen zu können, muss der Organismus es in seine Einzelkomponenten aufspalten. Dies geschieht mithilfe des Enzyms Lactase in der Bürstensaummembran des Dünndarmepithels. Fehlt das Enzym Lactase teilweise oder ganz, kann der Spaltprozess nicht stattfinden und der Milchzucker gelangt mehr oder weniger vollständig in den Dickdarm, wo ihn die dort angesiedelten Bakterien zu Milch- und Essigsäure, Kohlendioxid, Wasserstoff und Methan zersetzen. Dabei entstehen Säuren, die den pH-Wert im Darm verschieben und einen starken osmotischen Druck ausüben, der sich als Durchfall äußert. Die gleichzeitig entstandenen Gase führen zu Blähungen bis hin zu Krämpfen. In der Regel treten die Beschwerden etwa zwölf bis 30 Minuten nach dem Verzehr von Lactose bzw. lactosehaltigen Produkten auf. Die Intensität der Beschwerden ist individuell unterschiedlich ausgeprägt. Manche Betroffene reagieren bereits nach Aufnahme geringer Lactosemengen (< 3 g pro Tag), die Mehrzahl der Patienten ist jedoch unter einer lactosearmen Kost (8 - 10 g Lactose/Tag) symptomfrei. Zum Vergleich: Der gesunde Erwachsene nimmt täglich etwa 20 - 30 g Lactose mit einer vollwertigen Ernährung zu sich.

Drei Arten der Lactoseintoleranz

Man unterscheidet drei Arten der Lactoseintoleranz bzw. des Lactasemangels:

  • Primärer Lactasemangel: angeborener Enzymdefekt, sehr selten≠ tritt bereits bei Säuglingen auf.
  • Sekundärer Lactasemangel: Begleiterscheinung bei Dünndarmerkrankungen, z. B. Zöliakie, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, nach Magen- und Darmoperationen sowie Gabe von Antibiotika oder Zytostatika (die Lactoseintoleranz kann sich nach erfolgreicher Behandlung der Grundkrankheit zurückbilden).
  • Erworbener Lactasemangel: Tritt bei Menschen mit vorher normaler Lactoseverträglichkeit auf, die Ursache ist noch weitgehend unbekannt. Die Lactaseaktivität in der Dünndarmschleimhaut wird so niedrig, dass Milch oder milchzuckerhaltige Lebensmittel Beschwerden auslösen können. Dies ist die häufigste Art des Lactasemangels und auch bei uns weit verbreitet.

Diagnostik

Für die Diagnose einer Lactoseintoleranz hat der Arzt heute mehrere Instrumente zur Verfügung. Zur Diagnose einer sekundären Lactoseintoleranz wird meist ein H2-Atemtest durchgeführt, denn bei einer Milchzuckerunverträglichkeit kommt es zu einer vermehrten Abatmung von Wasserstoff.

Was kann man tun?

Ist eine Lactoseintoleranz diagnostiziert, bieten sich zur künftigen Vermeidung der Beschwerden die Vermeidung von Milchprodukten bzw. das Ausweichen auf lactosefreie Spezial-Milch an sowie die Einnahme von Enzympräparaten.

Je nach Schweregrad der Erkrankung kann eine Lactoseintoleranz durch eine lactosefreie bzw. lactosearme Diät erfolgreich behandelt werden. Bei der lactosefreien Kost dürfen pro Tag maximal 1 g und bei der lactosearmen Diät maximal 8 - 10 g Lactose aufgenommen werden. Abhängig vom Ausmaß der Lactoseunverträglichkeit ist auf milchzuckerhaltige Produkte also mehr oder weniger weitgehend zu verzichten, die individuelle Toleranzgrenze ist allerdings vorsichtig selbst auszutesten, da kleine Mengen doch oft toleriert werden. Zu beachten ist, dass Milcherzeugnisse z. T. sehr unterschiedlich hohe Lactosegehalte aufweisen (Tab. 1). Zur Sicherung der Calciumversorgung müssen nicht unbedingt kategorisch alle Milchprodukte vom Speiseplan gestrichen werden. So sind fermentierte Milchprodukte, z. B. Joghurt mit probiotischen Milchsäurebakterien, oft verträglich. Zur Calciumversorgung kann auch auf Schnitt- und Hartkäse zurückgegriffen werden, da diese praktisch lactosefrei sind. Wer Käse pur nicht mag, kann ihn zum Überbacken verwenden oder reichlich Parmesan über Pastagerichte streuen. Auch calciumreiche Mineralwässer und mit Calcium angereicherte Fruchtsäfte sind zur Bedarfsdeckung zu empfehlen.

Broccoli, Grünkohl, Fenchel, grüne Bohnen etc. enthalten ebenfalls größere Mengen Calcium, genauso wie Vollkornprodukte. Bei unverpackten Lebensmitteln wie Backwaren, Fleisch- und Fischerzeugnissen, Feinkostsalaten usw. sollte man sich beim Händler erkundigen, ob dem Produkt Milch oder Milchzucker zugesetzt wurde. Die Zutatenliste bei verpackten Lebensmitteln gibt hierüber ebenfalls Auskunft. Sie sollte man sorgfältig lesen, denn aus technologischen Gründen werden bei der Lebensmittelherstellung zahlreichen Produkten Lactose zugesetzt, bei denen man es zunächst nicht vermuten würde (Tab. 2).

Eine gute Nachricht für Betroffenen, die auf ihre geliebten Milch(produkte) nicht verzichten möchten: Der Lebensmittelindustrie ist es inzwischen gelungen, Milch und einige Milchprodukte mit einem aufwändigen Verfahren nahezu lactosefrei in den Handel zu bringen (z. B. Breisgaumilch und MinusL von Omira).

Bei ihnen wird die Spaltung des Milchzuckers technologisch vorweg genommen, so dass beispielsweise "lactosefreie" Trinkmilch nur noch weniger als 0,1 g Lactose pro 100 ml enthält - also weniger als ein Fünfzigstel der normalen Milch.

Eine weitere Möglichkeit, um lactosehaltige Lebensmittel "verträglich" zu machen, bieten lactasehaltige Enzympräparate. Das in ihnen enthaltene Enzym wird in der Regel aus Pilzen gewonnen. Die Lactasepräparate können entweder der Milch oder dem Milchprodukt vor dem Verzehr in flüssiger Form zugesetzt oder als Tablette zusammen mit dem lactosehaltigen Lebensmittel eingenommen werden. So wird dem Körper das fehlende Enzym künstlich vor oder mit jeder Mahlzeit zugeführt.

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