Arzneimittel und Therapie

Grippale Infekte: Ist Echinacea angustifolia wirkungslos?

Zur Vorbeugung und Therapie grippaler Infekte und Schnupfen werden häufig Zubereitungen aus Echinacea eingenommen. Lässt sich deren Wirksamkeit auch klinisch nachweisen? Untersuchungen mit verschiedenen Wurzelextrakten erbrachten keinen Beweis, dass Echinacea angustifolia eine Rhinovirus-Infektion verhindern oder deren klinischen Verlauf abschwächen kann.

Studien zur Wirksamkeit von Echinacea haben zu unterschiedlichen Ergebnissen geführt. Dies kann mehrere Ursachen haben: Zum einen das Studiendesign, aber auch die eingesetzte Ausgangsdroge (welche Pflanzenteile und welche Stammpflanze wurden verwendet?), die Art der Extraktion und die Auswahl des Extraktionsmittels sowie Art und Gehalt der Inhaltsstoffe, die wiederum von geographischen und jahreszeitlichen Gegebenheiten abhängen (Tab. 1). Um die Wirksamkeit einer Echinacea-Zubereitung in einer Studie genauer beurteilen zu können, müssen folgende Forderungen erfüllt sein: Neben einem klaren Studiendesign müssen chemisch definierte Zubereitungen vorliegen, die Therapie muss frühzeitig beginnen und Krankheit und Symptome, gegen welche Echinacea helfen soll, müssen klar aufgezeigt sein. Diesen Forderungen kam eine vom NCCAM (National Center for Complementary and Alternative Medicine) unterstützte US-Studie nach.

Studie mit 437 Probanden

Für die Studie wurden 437 freiwillige, gesunde Probanden ausgewählt und randomisiert einer von sieben Behandlungsgruppen zugeordnet. Neben einem Plazebo wurden drei verschiedene Extrakte aus der Wurzel von Echinacea angustifolia eingesetzt: Ein CO2-Extrakt, ein 20%iger ethanolischer Extrakt und ein 60%iger ethanolischer Extrakt. Diese Extrakte enthielten Alkamide, Polysaccharide und Kaffeesäurederivate in unterschiedlicher Konzentration und wurden dreimal täglich in Dosen von 1,5 ml gegeben, was einem Äquivalent von 300 mg Sonnenhutwurzel entspricht. Um sowohl präventive als auch therapeutische Wirkungen des Phytotherapeutikums zu testen, wurde die Studie in zwei Phasen aufgeteilt: In eine Präventionsphase (Tag -7 bis Tag 0) und in eine Therapiephase (Tag 0 bis Tag 5). Am Tag 0 wurden die Studienteilnehmer mit dem Rhinovirus Typ 39 infiziert.

Folgende Therapien waren möglich:

  • ethanolischer 60%iger Extrakt während der Prophylaxephase und ethanolischer 60%iger Extrakt während der Therapiephase,
  • ethanolischer 20%iger Extrakt während der Prophylaxephase und ethanolischer 20%iger Extrakt während der Therapiephase,
  • CO2-Auszug in der Prophylaxezeit und CO2-Auszug in der Therapiephase,
  • Placebo während der Prophylaxe und 60%iger ethanolischer Auszug während der Therapiephase,
  • Placebo während der Prophylaxe und 20%iger ethanolischer Auszug während der Therapiephase,
  • Placebo während der Prophylaxe und CO2- Auszug während der Therapiephase,
  • Placebo während Präventions- und Therapiephase.

Primäre Studienendpunkte waren die Infektionsanfälligkeit nach der Präventionsphase und die klinische Symptomatik (ermittelt über einen Symptom-Score) während der anschließenden fünftägigen Behandlungsphase. Ferner wurden das Volumen des abgesonderten Nasensekrets sowie die Konzentrationen von Interleukin-8 und polymorphkerniger Leukozyten (beide als Entzündungsparameter) im Nasensekret ermittelt.

Keine nachweisbaren Effekte

Die statistische Auswertung der gesammelten Daten ergab keine signifikanten Unterschiede zwischen den einzelnen Behandlungsgruppen. Mit den eingesetzten Extrakten von Echinacea angustifolia konnten also keine positiven Effekte auf die Rhinovirus-Infektion und deren klinische Symptome festgestellt werden (s. Tab. 2). Auch die Entzündungsparameter und das Volumen des Nasensekrets wurden durch die Echinacingaben nicht beeinflusst.

Sind weitere Studien sinnvoll?

In dieser Studie konnte keine Wirksamkeit von drei verschiedenen Extrakten aus der Wurzel von Echinacea angustifolia bei Infektionen mit einem Rhinovirus Typ 39 festgestellt werden. Sind diese Ergebnisse nun auf weitere Echinacea-Arten (E. pallida und E. purpurea) übertragbar? Ist bei der Verwendung anderer Pflanzenteile und bei anderen Extraktionsmethoden mit anderen Ergebnissen zu rechnen? Oder zeigt der Extrakt nur beim Rhinovirus Typ 39 keine Wirkung, hingegen aber bei anderen Krankheitserregern? Mit solchen Fragen ist zu rechnen, da diese Studie auch unter merkantilen und weltanschaulichen Aspekten betrachtet werden wird.

Hersteller und Vertreiber von Echinacea-Zubereitungen werden auf zahlreiche positive Studien, Anhänger der Naturheilkunde auf langjährige Traditionen und empirische Erfolge und Schulmediziner auf die vorliegende, vom Studiendesign und von der statistischen Aussagekraft her nicht anfechtbare Studie, verweisen.

Echinacea in immunstimulierenden Fertigarzneimitteln

Flüssig- bzw. Trockenextrakte oder Presssäfte aus den Drogen der verschiedenen Sonnenhut-Arten werden oral in Fertigarzneimitteln zur Prophylaxe und zur unterstützenden Behandlung rezidivierender Infekte der Atemwege und ableitenden Harnwege eingesetzt. Besonders gut untersucht sind die Inhaltsstoffe des Pupursonnenhutkrautes Echinacea purpurea.

In der Wurzeldroge und den anderen Echinacea-Arten wurden ähnliche Inhaltsstoffe nachgewiesen. Allerdings kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt weder die Frage nach der wesentlichen Wirkstoffkomponente noch die Frage nach dem Wirkmechanismus im wissenschaftlichen Konsens beantwortet werden. In den marktführenden Präparaten sind Presssäfte aus E. purpurea enthalten. Hierfür liegen neuere klinische Prüfungen mit zum Teil unterschiedlichen Ergebnissen für unterschiedliche Extrakte vor. Auszüge aus den Wurzeln von E. angustifolia sind praktisch nur noch in homöopathischen Arzneimitteln enthalten. Viele Auszüge wurden auf E. pallida umgestellt.

Quelle: Wichtl, M.: Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart, 4. Auflage (2002).

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