DAZ Feuilleton

Ausstellung: Pflanzen der Bibel

Kaum ein anderes Buch der weltweiten Kultur- und Religionsgeschichte bietet einen so großen Schatz an Pflanzenzitaten wie die Bibel. Über 110 Arten werden im Alten und Neuen Testament genannt. Viele berühmte und weniger bekannte "Bibelpflanzen" sind in einer Ausstellung des Deutschen Medizinhistorischen Museums Ingolstadt bis zum 9. September in Natura und in Kunst- und Bildwerken zu studieren.

Weihrauch und Myrrhe wurden dem Jesuskind von den drei Weisen aus dem Morgenlande geschenkt, ein Apfel wurde Adam und Eva im Paradies zum Verhängnis, und Gott erschien Moses in einem brennenden Dornbusch. Pflanzen der Bibel führen uns weit in die Vergangenheit zurück, zu den Hochkulturen Vorderasiens, den Pharaonen Ägyptens, dem Volk der Juden bis zu Adam und Eva, aber auch zu den Anfängen des Christentums. Viele Wissenschaftsrichtungen beschäftigen sich mit ihnen. Ihre genaue Identifizierung gestaltet sich oft schwer, und nicht in allen Fällen sind sich Sprachwissenschaftler und Botaniker einig. So treten in den verschiedenen Bibelübersetzungen und in der botanischen Literatur auch voneinander abweichende Pflanzenbezeichnungen auf.

Mehr als Pflanzen

Basierend auf einer Ausstellung des Botanischen Gartens der Universität Tübingen aus dem "Jahr der Bibel" 2003 wurde heuer im Medizinhistorischen Museum Ingolstadt eine Ausstellung konzipiert, die in idealer Weise die Museumsräume mit dem Anatomiegarten hinter dem Museum verbindet. Durch Exponate des Museums und Leihgaben aus den Diözesanmuseen in Freising und Eichstätt sowie aus dem Besitz von Pfarreien wurde der ursprünglich botanische Schwerpunkt der Ausstellung in kultur-, religions- und medizingeschichtlicher Hinsicht erweitert. So ergaben sich für die Ausstellung drei Schwerpunkte:

  • "Garten Eden",
  • Bibelpflanzen in Kunst und Brauchtum,
  • Heilsbotschaft und Heilkunst.

"Garten Eden"

Im Anatomiegarten, dem Arzneipflanzengarten des Museums, werden etwa 60 Bibelpflanzen gezeigt, die teilweise fester Bestandteil der Anlage sind, sonst aber speziell für diese Ausstellung kultiviert oder aus den botanischen Gärten von München und Gießen ausgeliehen wurden. Höchst informative Schautafeln geben Auskunft über ihre botanischen Besonderheiten und ihre einstige wie heutige wirtschaftliche, kulturelle und kultische Bedeutung. Und immer wird dazu auch die Bibel zitiert.

Bibelpflanzen in Kunst und Brauchtum

Palme, Ölbaum, Rose, Lilie, Weizen, Senf und Weinstock tauchen in vielen Gleichnissen des Neuen Testaments auf und nehmen mit ihrem tiefen Symbolgehalt einen besonderen Stellenwert in der christlichen Liturgie und Ikonographie ein. Dementsprechend spielen sie in der religiösen Kunst und im religiösen Brauchtum eine bedeutende Rolle. Die christologisch-theologischen Aspekte der bekanntesten Bibelpflanzen werden an Hand von Bildern und sakralen wie profanen Gegenständen dokumentiert.

Heilsbotschaft und Heilkunst

Gemäß der speziellen Ausrichtung des Museums wurde in der dritten Abteilung "Naturalia" das Augenmerk auf die medizinische und pharmazeutische Relevanz einzelner Bibelpflanzen gelenkt. Weihrauch und Myrrhe, Johannisbrot und Granatapfel haben wie das Manna ihren festen Platz in der Volks- und Phytomedizin. Auch die "kostbaren Öle" des Hohenliedes verloren bis heute nicht ihre Bedeutung für die Parfümerie. Einige dieser biblischen Wohlgerüche wie Rosen-, Lilien- und Nardenöl oder der Duft der Libanonzeder können sogar an "Duftspritzen" erschnuppert werden. Die eindrücklich dokumentierten Beispiele lassen die Beziehungen zwischen der biblischen Heilsbotschaft und der Heilkunst deutlich werden.

Der Hauptteil des Begleithefts zur Ausstellung erzählt anschaulich die Kulturgeschichte der biblischen Pflanzen von A bis Z, vom Apfel – seine Identität mit dem Baum der Erkenntnis ist jedoch unwahrscheinlich – bis zum Zitronellgras, dem "Gewürzrohr" der Bibel, das von Moses als unumgänglicher Bestandteil des heiligen Salböls genannt wird (Exodus 30,23), uns aber eher als Küchenkraut für asiatische Gerichte bekannt ist. Auch die kunst- und medizinhistorischen Teile der Ausstellungsteile sind bestens in Wort und Bild dokumentiert.

Ausstellung Deutsches Medizinhistorisches Museum, Anatomiestraße 18 – 20, 85049 Ingolstadt, Tel. (08 41) 3 05 18 60, www.ingolstadt.de deutschesmedizinhistorischesmuseum Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 12.00 Uhr und 14.00 bis 17.00 Uhr Die Ausstellung läuft bis 11. September 2005 (evtl. Verlängerung bis 18. September 2005). Begleitheft zur Ausstellung von Klaus Dobat, Christa Habrich und Michael Kowalski: 7,80 Euro.

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