Arzneimittel und Therapie

AT1-Rezeptorblocker: Sartane können mehr als Blutdruck senken

Die Angiotensin-II-Rezeptorantagonisten (AT1-Blocker, Sartane) sind als Blutdrucksenker 1995 zum ersten Mal in Deutschland zugelassen worden und gehören zu den fünf Wirkstoffklassen, die von der Deutschen Hochdruckliga als First-line-Therapie bei bestehender Hypertonie empfohlen werden. Über ihre blutdrucksenkenden Eigenschaften hinaus scheinen Sartane einen Zusatznutzen durch ihre organoprotektiven und antiateriosklerotischen Effekte zu haben.

Experimentelle Daten belegen sowohl die Reduktion der Schlaganfallinzidenz, die in der antihypertonischen Wirkung der AT1-Blocker begründet ist, als auch den wirksamen Organ- und Aterioskleroseschutz durch antientzündliche Effekte, Verbesserung der Insulinresistenz und Blockade des sympathischen Nervensystems. Jüngere Studien versuchen die Mechanismen jener nicht hämodynamischen Eigenschaften der Sartane zu erklären.

Antiinflammatorische Wirkung

der AT1-Blocker

Ausgehend von einer endothelialen Dysfunktion bilden sich mit einhergehender erhöhter Permeabilität der Endothelwände Mikroentzündungen an den Gefäßen. Diese führen zu ateriosklerotischen Plaques, verbunden mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko. Als Maß für die Endothelschädigung dient das hochsensitive C-reaktive Protein (hsCRP), das umso höher ist, je mehr Risikofaktoren des metabolischen Syndroms vorliegen. Auch mit steigendem Blutdruck erhöht sich der hsCRP-Spiegel.

Vermittelt wird der inflammatorische Reiz durch Angiotensin II, so dass eine Blockade des Renin-Angiotensin-Systems (RAS) die Progression der Ateriosklerose verzögern kann. Dies zeigten Daten der doppelblinden multizentrischen EUTOPIA-Studie (EUropean Trial on Olmesartan and Pravastatin in Inflammation and Atherosclerosis) für Olmesartan. 199 hypertonischen Patienten mit vaskulären Mikroentzündungen wurden täglich entweder 20 mg Olmesartan oder Plazebo verabreicht, wobei eine Blutdruckeinstellung mit Hydrochlorothiazid erfolgte.

Ab der sechsten Woche erhielten beide Therapiearme zusätzlich 20 mg Pravastatin pro Tag. Nach den ersten sechs Behandlungswochen waren die Werte der Biomarker hsCRP und Tumornekrosefaktor alpha (TNF-α) unter Olmesartan deutlich verringert, während in der Plazebo-Gruppe mit vergleichbarer Blutdrucksenkung die Spiegel der Entzündungsmarker konstant blieben. Auch nach insgesamt zwölf Wochen, unter gleichzeitiger Pravastatintherapie, konnte in der Verum-Gruppe eine weitere Absenkung der Messparameter verzeichnet werden, die des Plazeboarmes blieben unverändert.

ACE-Hemmer versus

AT1-Blocker Die Inhibierung des RAS kann sowohl durch Hemmung des ACE (Angiotensin Converting Enzym) als auch durch Blockade des AT1-Rezeptors erfolgen. Hinsichtlich ihrer kardioprotektiven und ihrer antiinflammatorischen Wirkungen wurden beide Wirkstoffklassen in einer Studie im Tiermodell vergleichend untersucht. Eine Woche vor Induktion eines Myokardinfarktes wurde drei Gruppen von Ratten entweder der selektive AT1-Blocker Olmesartan, der ACE-Hemmer Ramipril oder Plazebo verabreicht und die Therapie auch nach dem Infarkt weitere sechs Wochen fortgesetzt.

Nach dem Infarkt konnten in den Herzen der Tiere der Plazebo-Gruppe starke inflammatorische Reaktionen und eine damit zusammenhängende Verschlechterung der linksventrikulären Funktion nachgewiesen werden. Sowohl die Behandlung mit Olmesartan als auch mit Ramipril resultierten gleichermaßen in einer Verbesserung der Myokardfunktion nach dem Infarkt, wie die myokardialen Parameter verdeutlichten. Beide Gruppen zeigten zudem eine Reduktion der Entzündungsmarker, wobei TNF-α und IL1-β durch Olmesartan stärker geblockt wurden als mit Ramipril.

Diese scheinbare Überlegenheit des Sartans gegenüber dem ACE-Hemmer könnte mit der Wirkung von Angiotensin II an den jeweiligen Rezeptoren erklärt werden. Angiotensin II ruft durch Bindung an den AT1-Rezeptor vasokonstriktorische und proinflammatorische Effekte hervor, während bei Stimulation des AT2-Rezeptors in erster Linie antientzündliche und vasodilatatorische Reaktionen vermittelt werden. Eine selektive AT1-Blockade lässt somit die blutdrucksenkende und antiinflammatorische Wirkung von Angiotensin II am AT2-Rezeptor zu, ohne dessen Bildung durch das Angiotensin Converting Enzym ACE zu verhindern.

Quelle

Priv.-Doz. Dr. med. Klinscher, Berlin; Dr. med. Vonend, Bochum; Prof. Dr. med. Rump, Bochum; Prof. Dr. med. Unger, Berlin: Satellitensymposium "Mehr als nur Blutdrucksenkung – Neue Facetten des Organschutzes durch Sartane", Mannheim, 1. April 2005, veranstaltet von der Berlin-Chemie AG, Berlin. Fliser, D.; Buchholz, K.; Haller, H. for the EUTOPIA investigators (European Trial on Olmesartan and Pravastatin in Inflammation and Atherosclerosis). Anti-inflammatory effects of angiotensin II subtype 1-receptor blockade in hypertensive patients with micro-inflammation. Circulation 110, 1103 –1107 (2004).

Zum Weiterlesen Angiotensin-Rezeptorantagonisten. Eine klinisch-pharmazeutische Bewertung. Med Monatsschr Pharm 2005;28(1):4-16. www.medmopharm.de

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