Aus Kammern und Verbänden

LAK Hessen: Apotheker im Gespräch mit der Industrie

Über die ersten Erfahrungen mit dem GMG informierte die hessische LAK-Präsidentin Dr. Gabriele Bojunga kürzlich die gesundheitspolitischen Referenten der Pharmafirmen Merck und Boehringer Ingelheim. Dabei überbrachte sie auch Wünsche der Apotheker an die Industrie.

Apotheken beraten noch intensiver

Der Apotheker spürt in seiner Offizin quasi an vorderster Front die Reaktionen und Verunsicherung des Patienten durch das GMG. Der Apotheker berät nicht nur in pharmazeutischen Fragen, sondern gibt auch Tipps bei der Zuzahlung zu Medikamenten und der Beantragung von Befreiungen.

Er berät nun noch intensiver bei den nicht-verschreibungspflichtigen Arzneimitteln; zum Glück hat hier die vom Gemeinsamen Bundesausschuss erstellte Ausnahmeliste mittlerweile Klarheit für Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen geschaffen.

Bei der neuen Versorgungsform "Hausapotheke" machen in Hessen bereits ca. 650 der gut 1600 Apotheken mit. Das gemeinsam mit der Barmer Ersatzkasse durchgeführte Projekt stärkt die Prävention und ermöglicht eine noch intensivere Betreuung vor allem chronisch kranker Patienten.

Zur Einführung des Versandhandels mit Arzneimitteln berichtete Bojunga, dass zum Jahresbeginn in Hessen im Vergleich zu anderen Bundesländern die meisten Versandhandelsgenehmigungen beantragt wurden. Man sehe, dass die Apotheker die Reformen annehmen und ausgestalten.

Bei der Produktsicherheit ist die Industrie gefordert

Einen großen Platz in der Diskussion nahm das Thema "Arzneimittelfälschungen" ein. Bojunga ging auf die Vertriebskanäle im Grau- und Schwarzmarkt, die 12. AMG-Novelle sowie die erforderlichen fälschungssicheren Verpackungen ein. Mit der EU-Erweiterung werden sich die Einfallstore für Arzneimittelfälschungen abermals vergrößern. Zudem birgt der Bezug von Lifestyle-Medikamenten über das Internet erhebliche Gesundheitsgefahren.

Auf dem Markt existieren bereits Lösungen mit ausgereiften Techniken, die Arzneimittelfälschungen unmöglich machen bzw. erheblich erschweren. Gleichermaßen würde eine lückenlose Vertriebskette den Grauen Markt austrocknen. Diese Forderung hat in den letzten Wochen auch die amerikanische Food and Drug Administration (FDA) erhoben. Die Staatengemeinschaft muss nun bei den Sicherheitsstandards die Rahmenbedingungen schaffen.

Die pharmazeutischen Firmen zögern immer noch, Techniken zum Schutz ihrer Produkte und der Gesundheit des Verbrauchers einzusetzen, obwohl sie hier in der Pflicht sind. Entsprechende Investitionen der Industrie wären ein Meilenstein zur Förderung der Arzneimittelsicherheit. Dies wäre auch im Sinne der Apotheker, die ihren Patienten die Abgabe einwandfreier Arzneimittel garantieren.

Änderung der Dienstbereitschaftsrichtlinie

Am 14. April 2004 trafen sich Bojunga, Vize-Präsidentin Dr. Silva Daus sowie LAK-Geschäftsführer Ulrich Laut zu einem Gespräch mit der hessischen Sozialministerin Silke Lautenschläger, um aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen zu erörtern. Ein Gesprächspunkt war die geplante Änderung der Dienstbereitschaftsrichtlinie der öffentlichen Apotheken. Ziel der Änderung sei es, den Service für die Bevölkerung im Not- und Nachtdienst zu erhöhen und zugleich die Belastung für Inhaber und Personal öffentlicher Apotheken zu reduzieren.

Hier werde das Ministerium prüfen, ob die Entfernungen, die der Bürger zwischen benachbarten Orten oder Ortsteilen im Sinne des Ladenschlussgesetzes im Notdienst zurücklegen muss, vergrößert werden können. Ein entsprechender Vorschlag liegt dem Ministerium vor. Dies würde für die Kammer bedeuten, dass sie den Notdienst für ganz Hessen neu strukturieren kann.

Des weiteren stellte Bojunga der Ministerin das hessische Projekt der Förderung von Pharmaziepraktikanten im Krankenhaus vor. Krankenhäuser, die eine zusätzliche Pharmaziepraktikantenstelle schaffen, erhalten dafür Fördermittel von der Kammer.

Die Nachfrage seitens der angehenden Pharmazeuten, auch den Bereich der Krankenhauspharmazie kennen zu lernen, sei groß, oft gebe es aber zu wenig entsprechende Stellen. Das Projekt läuft seit fast zwei Jahren sehr erfolgreich. Bei den Kammern in anderen Bundesländern gebe es mittlerweile auch Überlegungen, finanzielle Mittel für diesen Bereich der Nachwuchsförderung bereitzustellen.

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