Arzneimittel und Therapie

Alkoholabhängigkeit: Antiepileptikum Topiramat hilft beim Entzug

Das Antiepileptikum Topiramat könnte auf Grund seiner Dopamin-hemmenden Wirkung in der Antialkoholismus-Therapie wirkungsvoll sein. Eine Studie verglich die Effektivität von Topiramat und Plazebo bei der Behandlung schwerer Trinker. Dabei erwies sich Topiramat in allen Kriterien als signifikant wirkungsvoller gegenüber Plazebo.

Topiramat ist ein Sulfamat-Fructopyranose-Derivat, das exzitatorische Ionenkanäle blockiert und die alkohol-induzierte Dopamin-Freisetzung über eine Glutamat-Blockade herabsetzt. Dopamin scheint mit einer Alkoholabhängigkeit und den angenehmen Effekten des Alkoholkonsums zusammenzuhängen: es hat Einfluss auf das Suchtverhalten und kann Psychosen auslösen.

Um nachzuweisen, dass Topiramat nicht nur epileptische Anfälle reduzieren kann, sondern auch das Verlangen nach Alkohol bei nicht-abstinenten Trinkern, wurde nun eine randomisierte, doppelblinde, plazebokontrollierte 12-wöchige Studie durchgeführt, in der Topiramat mit Plazebo verglichen wurde.

Mindestens 21 alkoholische Getränke pro Woche

Es nahmen 150 Männer und Frauen zwischen 21 und 65 Jahren an der Studie teil, die mit Hilfe des DSM-IV (Diagnostisches und Statistisches Manual psychischer Störungen) als alkoholabhängig diagnostiziert worden waren. Die Frauen tranken mindestens 21, die Männer mindestens 35 alkoholische Getränke pro Woche. Dabei ist ein alkoholisches Getränk definiert als 0,35 l Bier, 0,15 l Wein oder 0,04 l hochprozentiger Alkohol.

Abstinenz zu Beginn der Studie war kein Kriterium, jedoch wurden die Teilnehmer angehalten, ihren Alkoholkonsum während der Studie so weit wie möglich einzuschränken. Ausgeschlossen wurden Patienten, die eine andere psychische Störung als Alkohol- oder Nikotinsucht, schwerwiegende Entzugserscheinungen, Nierenprobleme hatten oder Medikamente einnahmen, die eine Auswirkung auf den Alkoholkonsum haben könnten. Ebenso ausgeschlossen waren schwangere oder stillende Frauen.

Gründliche Untersuchungen und Befragung

Zu Beginn der Studie wurden die Teilnehmer eingehend untersucht. Es wurden ein Drogen- und ein Schwangerschaftstest und eine psychiatrische Untersuchung durchgeführt. Das Alter, in dem die Teilnehmer mit dem Trinken begonnen hatten, wurde festgestellt, weiterhin die Schwere der Sucht und das Ausmaß des Verlangens nach Alkohol, die Teilnehmer machten Angaben über ihr Trinkverhalten in den letzten 90 Tagen.

Die α-Glutamyl-Transferase-(GT)Konzentration wurde gemessen.

Die Patienten erhielten für 12 Wochen Plazebo oder eine sich steigernden Dosis (bis zu 300 mg am Tag) Topiramat. Beide Gruppen bestanden aus je 75 Teilnehmern. Darüber hinaus wurden sie einmal die Woche kurz verhaltenstherapeutisch behandelt, um die Compliance zu verbessern.

Ebenfalls wöchentlich wurden sie nochmals gründlich untersucht, auch auf Entzugserscheinungen und die Teilnahme an therapeutischen Aktivitäten außerhalb der Studie.

Die Versuchsleitung zählte die in der Packung verbleibenden Tabletten, um festzustellen, ob sie regelmäßig eingenommen wurden. Die Dosis wurde von Woche 1 bis 8 von 25 mg auf 300 mg Topiramat am Tag gesteigert, von Woche 8 bis 12 blieb die Dosis gleich.

Sechs Effizienz-Variablen

Die Teilnehmer machten ständig Angaben über die Mengen von Alkohol, die sie zu sich genommen hatten. Diese Angaben wurden nach sechs Effizienz-Variablen gemessen:

  • alkoholische Getränke pro Tag,
  • alkoholische Getränke pro Tag an dem getrunken wurde,
  • Anteil der Tage, an denen viel Alkohol getrunken wurde,
  • abstinente Tage,
  • die α-GT-Konzentration
  • Angaben der Patienten über ihr Verlangen nach Alkohol (craving).

Topiramat effektiv zur Behandlung der Alkoholabhängigkeit

Am Ende der Studie hatte in beiden Gruppen der Alkoholkonsum nachgelassen, jedoch waren die Ergebnisse in der Topiramat-Gruppe in allen Kategorien signifikant besser als zu Beginn der Studie und als in der Plazebo-Gruppe. Dabei spielte der Zeitpunkt, zu dem die Sucht begonnen hatte, keine Rolle.

Die Anzahl der Tabletten die genommen worden waren, das Ausmaß der Entzugserscheinungen sowie die Anzahl der Teilnehmer, die vorzeitig ausgeschieden waren, waren in beiden Gruppen annähernd gleich. Es traten keine schweren Nebenwirkungen auf. Unter Topiramat wurde zwar häufiger von Benommenheit, psychomotorischer Verlangsamung, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie Gewichtsverlust berichtet, dies führte jedoch nicht zu einem Abbruch der Therapie.

Insgesamt erweist sich Topiramat als wirkungsvoll in der Reduktion des Alkoholkonsums und der Förderung von Abstinenz, wobei sich dieser Effekt im Laufe der Zeit immer stärker verdeutlichte. Topiramat schränkt das Verlangen nach Alkohol ein und hilft so, den Alkoholkonsum auf Dauer erheblich zu vermindern.

Die Ergebnisse dieser Studie sind auch deshalb so interessant, da es heute kaum Medikamente zur effektiven Behandlung der Alkoholabhängigkeit gibt. Allerdings, so betonen die Autoren, sind weitere Untersuchungen nötig, um den genauen Wirkmechanismen und eine feiner abgestimmte Dosierung zu bestimmen.

Literatur

Johnson, A. B.; et al.: Oral topiramate for treatment of alcohol dependence: a randomised controlled trial. Lancet 361, 1677 – 1685 (2003). R. M. Swift: Commentary; Topiramate for the for treatment of alcohol dependence: initiating abstinece. Lancet 361, 1666 – 1667 (2003). sie

Das Antiepileptikum Topiramat könnte in der Antialkoholismus-Therapie wirkungsvoll sein. Eine Studie verglich die Effektivität von Topiramat und Plazebo bei der Behandlung schwerer Trinker. Dabei erwies sich Topiramat in allen Kriterien als signifikant wirkungsvoller gegenüber Plazebo: es schränkt das Verlangen nach Alkohol ein und hilft so, den Alkoholkonsum auf Dauer erheblich zu vermindern. Die Ergebnisse dieser Studie sind auch deshalb interessant, da es heute kaum Medikamente zur effektiven Behandlung der Alkoholabhängigkeit gibt.

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