Arzneimittel und Therapie

Typ-2-Diabetes: Innovative Therapieoptionen sind in der Entwicklung

In Zukunft könnten sich die Behandlungschancen beim Typ-2-Diabetes deutlich bessern. Denn es gibt verschiedene neue, erfolgversprechende Antidiabetika, deren Entwicklung schon konkret fortgeschritten ist, wie bei einem Vorsymposium des Unternehmens Lilly beim Deutschen Diabetes Kongress in Bremen deutlich wurde.

Neue Therapieansätze beim Typ-2-Diabetes zielen darauf ab, die glykämische Kontrolle zu verbessern und/oder Folgeschäden der diabetischen Stoffwechsellage besser vorzubeugen als dies mit den bisher verfügbaren Optionen möglich ist.

Einen Ansatz dieses Ziel zu realisieren, bietet ein Peptid, das ursprünglich aus dem Speichel einer Echsenart in der Wüste Arizonas entwickelt wurde. Das Peptid heißt Exentin-4 und die Unternehmen Lilly und Amylin haben in Kooperation den Wirkstoff Exenatide entwickelt, der dem Exentin-4 entspricht und den ersten Studien zufolge die Insulinsekretion blutzuckerabhängig reguliert.

Bei dem synthetisch hergestellte Exenatide handelt es sich um einen Wirkstoff, der an den Rezeptor des Glucagon-like-Peptid-1 (GLP-1) bindet und über diese Bindung eine dem GLP-1 analoge Wirkung vermittelt.

Exenatide – glykämische Kontrolle ohne Hypoglykämiegefahr

Das Hormon GLP-1 wird nach der Nahrungsaufnahme im Darm gebildet und steuert die Insulinausschüttung. Exenatide verstärkt offenbar das GLP-1-Signal, welches durch Glucose stimuliert wird. Ist kein Glucose-Stimulus vorhanden, so bleibt auch die Bindung an den Rezeptor ohne Konsequenzen, es kommt folglich, anders als bei anderen Antidiabetika, nicht zu einer glucoseunabhängigen Blutzuckersenkung und damit nicht zur Gefahr von Hypoglykämien.

Gewichtsreduktion als positiver Nebeneffekt

Besonders interessant dabei ist, dass Exenatide nicht nur den Blutzuckerspiegel senkt, sondern auch andere GLP-1-Wirkungen vermittelt. Der Wirkstoff verzögert die Magenentleerung, hemmt den Appetit und sorgt somit für eine reduzierte Nahrungsaufnahme, ein Nebeneffekt, der bei der Therapie der meist übergewichtigen Diabetiker durchaus erwünscht ist.

Es kommt außerdem zu einer Hemmung der Apoptose von Betazellen im Pankreas und damit zu deren Zunahme. Da die Erkrankung ansonsten durch eine zunehmend nachlassende Betazellfunktion charakterisiert ist, könnte sich mit dem neuen Wirkstoff eventuell erstmals auch die Chance ergeben, direkt in die Progression des Diabetes einzugreifen und diese aufzuhalten.

Bisher muss Exenatide allerdings intravenös appliziert werden, doch wird auch an der Entwicklung anderer Darreichungsformen gearbeitet. In den ersten Phase-II-Prüfungen hat sich gezeigt, dass die Substanz den postprandialen Blutzucker sowie den Nüchternblutzuckers senkt und auch das HbA1c als Ausdruck der langfristigen Stoffwechselkontrolle bessert.

Als Nebeneffekt wurde wie erwartet eine deutliche Gewichtsreduktion der Probanden registriert. Ob sich die günstigen Ergebnisse bestätigen, wird nunmehr in Phase-II-Studien überprüft.

Proteinkinase C-beta-Hemmer gegen mikrovaskuläre Komplikationen

Eine völlig andere Zielsetzung wird bei der Entwicklung eines Hemmstoffs der Proteinkinase C-beta (PKC-beta) verfolgt. Es handelt sich hierbei um ein Schlüsselenzym bei der zellulären Signaltransduktion, das offenbar entscheidend die Entwicklung mikrovaskulärer Komplikationen beim Diabetes voran treibt.

Mit der Substanz Ruboxistaurin ist ein spezifischer Inhibitor der PKC-beta verfügbar, der tierexperimentell vielversprechende Befunde lieferte. Er führt bei diabetischen Ratten zu einer Besserung der Nervenleitgeschwindigkeit und es gibt aus den Tierversuchen Hinweise darauf, dass sich mit diesem Wirkstoff wahrscheinlich den mikrovaskulären Komplikationen des Diabetes mellitus insgesamt vorbeugen lässt.

Erste Phase-II-Studien beim Menschen scheinen dies für die Neuropathie zu bestätigen. So wurde bereits gezeigt, dass sich Symptome einer Neuropathie unter Ruboxistaurin bessern. Dies wird nun in weiteren Untersuchungen überprüft und es laufen ferner Studien mit der Fragestellung, ob durch den Wirkstoff auch einer Retinopathie bei Diabetikern aktiv entgegen gewirkt werden kann.

Quelle

Dr. Michael Trautmann, Hamburg; Prof. Dr. Dan Ziegler, Düsseldorf; Dr. Christof Kazda, Bad Homburg: Vorsymposium "Diabetes und mehr … Interdisziplinäre Betrachtung der diabetologischen Folgeerkrankungen und deren Behandlung heute und morgen", Bremen, 28. Mai 2003, im Rahmen der 38. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft, veranstaltet von der Deutschland GmbH, Bad Homburg.

In Zukunft könnten sich die Behandlungschancen beim Typ-2-Diabetes deutlich bessern. Neue Therapieansätze beim Typ-2-Diabetes zielen darauf ab, die glykämische Kontrolle zu verbessern und Folgeschäden besser vorzubeugen als bisher. Das synthetisch hergestellte Exenatide ist ein Wirkstoff, der an den Rezeptor des Glucagon-like-Peptid-1 (GLP-1) bindet und über diese Bindung eine dem GLP-1 analoge Wirkung vermittelt. Ruboxistaurin ist ein Hemm-stoff der Proteinkinase C-beta, dem Schlüsselenzym der zellulären Signaltransduktion, das offenbar entscheidend die Entwicklung mikrovaskulärer Komplikationen beim Diabetes voran treibt.

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