Arzneimittel und Therapie

Einmal wöchentlich versus einmal täglich

GLP-1-Rezeptoragonisten Dulaglutid und Liraglutid im Vergleich

In einer Phase-III-Studie wurde der langwirksame Glucagon-like-Peptide-1-(GLP-1)-Rezeptoragonist Dulaglutid mit dem kürzer wirksamen Liraglutid verglichen. In diesem Vergleich wurde die Nicht-Unterlegenheit von Dulaglutid im Hinblick auf die HbA1C-Senkung bestätigt.

Seit 2005 werden Glucagon-like-Peptide-1-(GLP-1)-Rezeptoragonisten zur Therapie des Diabetes mellitus eingesetzt. Sie stimulieren glucoseabhängig die Insulin-Sekretion, senken die Glucagon-Konzentration, verlangsamen die Magenentleerung und vermindern den Appetit. Sie werden angewendet, wenn bei Vorliegen eines Diabetes Typ 2 trotz einer Therapie mit einem oder mehreren oralen Antidiabetika keine ausreichende glykämische Kontrolle erzielt wird. Des Weiteren können sie mit einer Insulin-Therapie kombiniert werden. Die bereits zugelassenen GLP-1-Agonisten Liraglutid (Victoza®) und Exenatid (Byetta®) müssen ein- oder zweimal täglich appliziert werden. Der neueste Vertreter dieser Wirkstoffklasse ist Dulaglutid (Trulicity®), der aufgrund seiner langen Halbwertszeit nur einmal wöchentlich appliziert werden muss. Seine Wirksamkeit wurde im Rahmen des AWARD-Studienprogramms (Assessment of Weekly Administration of LY2189265 in Diabetes) mit mehr als 3300 Teilnehmern untersucht. Die jüngsten Daten liegen für die AWARD-6-Studie vor, in der Dulaglutid und Liraglutid verglichen wurden.

Zulassung für Dulaglutid erteilt

Die Europäische Kommission hat den Glucagon-like-Peptide-1(GLP-1)-Rezeptoragonisten Dulaglutid (Trulicity®) zugelassen. Durch molekulare Modifikationen wird bei dem Wirkstoff ein vorzeitiger Abbau durch die Dipeptidylpeptidase 4 im Blut gehemmt. Ferner wurde er mit einem humanen Immunglobulin-Fragment verknüpft, was eine Ausscheidung über die Nieren verhindert. Die Folge ist eine Halbwertszeit von ungefähr fünf Tagen. Dulaglutid muss daher nur einmal wöchentlich subkutan mit einem gebrauchsfertigen Fertigpen appliziert werden. Dulaglutid ist zugelassen zur Behandlung erwachsener Typ-2-Diabetiker. Möglich ist zum einen eine Monotherapie, wenn durch Diät und Bewegung keine ausreichende glykämische Kontrolle erfolgt und eine Gabe von Metformin kontraindiziert ist. Zum anderen ist mit dem GLP-1-Agonisten eine Kombinationstherapie mit oralen Antidiabetika oder Insulin möglich, wenn trotz antidiabetischer Therapie, Diät und Bewegung keine ausreichend glykämische Kontrolle erzielt wird. Das Nebenwirkungsprofil ist vergleichbar mit dem anderer GLP-1-Rezeptoragonisten. Die Produktinformation enthält einen Warnhinweis, da im Tierversuch Schilddrüsentumoren aufgetreten waren. Es ist jedoch unklar, ob auch beim Menschen Tumoren induziert werden können.

Head-to-Head-Vergleich

In der AWARD-6-Studie, einer randomisierten, multizentrischen, Open-label-Phase-III-Studie, wurden Dulaglutid und Liraglutid direkt miteinander verglichen. Primäres Studienziel war die Nicht-Unterlegenheit von Dulaglutid im Vergleich zu Liraglutid bezogen auf die Senkung des HbA1C-Wertes nach einer 26-wöchigen Therapie. An der Studie nahmen 599 erwachsene Typ-2-Diabetiker teil, die trotz Metformin-Einnahme eine unzureichende glykämische Kontrolle aufwiesen (HbA1C < 7,0%). Die Hälfte von ihnen erhielt zusätzlich zu Metformin einmal wöchentlich 1,5 mg Dulaglutid subkutan, die andere Hälfte Metformin plus einmal täglich 1,8 mg Liraglutid subkutan. 269 Probanden jeder Gruppe beendeten die Studie. Die Auswertung der Daten erfolgte mithilfe einer Intention-to-treat-Analyse. Nach 26 Wochen betrug die Abnahme des HbA1C-Wertes in der Dulaglutid-Gruppe -1,42%, in der Liraglutid-Gruppe -1,36% (der Unterschied zwischen den zwei Gruppen lag bei -0,06%; 95% Konfidenzintervall -0,19 bis 0,07; p < 0,0001). Somit wurde das primäre Studienziel erreicht. Beide Therapien führten zu einem Gewichtsverlust, der unter Liraglutid etwas ausgeprägter war (unter Dulaglutid -2,9 kg, unter Liraglutid -3,61 kg). Art und Umfang unerwünschter Wirkungen waren ähnlich. Am häufigsten traten gastrointestinale Beschwerden auf, so Nausea (20% unter Dulaglutid, 18% unter Liraglutid), Diarrhö (12% in beiden Gruppen), Dyspepsie (8% unter Dulaglutid, 6% unter Liraglutid) und Erbrechen (7% unter Dulaglutid, 8% unter Liraglutid). Des Weiteren traten unter anderem Kopfschmerzen (7% unter Dulaglutid, 8% unter Liraglutid) und Nasopharyngitiden (8% unter Dulaglutid, 7% unter Liraglutid) auf. Die Hypoglykämieraten (Ereignis pro Patient pro Jahr) lagen bei 0,34 unter Dulaglutid und bei 0,52 unter Liraglutid. Schwere Hypoglykämien traten nicht auf. 

Quelle

Dungan K et al. Once-weekly dulaglutide versus once-daily liraglutide in metformin-treated patients with type 2 diabetes (AWARD-6): a randomised, open-label, phase 3, non-inferiority trial. Lancet 2014;384:1349-1357

Scheen A. Which incretin-based therapy for type 2 diabetes? Lancet 2014;384:1325-1327

www.clinicaltrials.gov NCT01624259 (aufgerufen am 13. November 2014)

 

Apothekerin Dr. Petra Jungmayr