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"Apotheker sind wichtig!" (Prof. Christian Barnard im DAZ-Interview)

München (lub). Er sieht immer noch blendend aus mit seinen 78 Jahren. Nur die "heilenden" Hände wirken ein bisschen steifer als früher, als er der berühmteste Arzt der Erde war: Christiaan Barnard. Der weltbekannte Herzchirurg gab der "Deutschen Apotheker Zeitung" in München ein Exklusiv-Interview und sprach dabei u. a. über Apotheker, Viagra und seine Tipps für einen erholsamen Urlaub.

Eigentlich führt Barnard sein neues Buch zum Thema Fitness und Gesundheit nach Deutschland: "50 Wege zu einem gesunden Herz" will der Herzspezialist darin aufzeigen. Essen Sie nach Herzenslust, rät Barnard darin, leben Sie ohne Stress, machen Sie Sex! Manches klingt ein bisschen merkwürdig, anderes ist eigentlich selbstverständlich, leicht zu lesen ist es allemal. "Darauf habe ich Wert gelegt", erzählt der frisch und aufgeräumt wirkende Buchautor in seiner noblen Hotelsuite, "ich wollte ein Buch über medizinische Sachverhalte schreiben, das aber auch eine Bauersfrau versteht." Doch Barnard bleibt nicht lange an seinem Buch hängen. Er ist an allen aktuellen Entwicklungen interessiert und gibt ohne Umschweife auch seine Meinung zum Thema Arzneimittel und Apotheke zum Besten: "Ich bin der Meinung, dass verschreibungspflichtige Medikamente nur über die Apotheken vertrieben werden sollten", stärkt der Südafrikaner der deutschen Pharmazie den Rücken, "Apotheker können gut beraten, sie sind wichtig für die Versorgung!"

Viagra besser als Stress

Dem Arzneimittelvertrieb via Internet erteilt Professor Barnard eine entschiedene Abfuhr: "Das ist nicht der korrekte Weg!", meint er, "solche Medikamente sollten nur auf Rezept abgegeben werden - in der Apotheke." Ausnahmen könnte man bei Präparaten wie Aspirin o. ä. machen. Selbst bei so genannten Naturheilmitteln hat der Herzpionier seine Zweifel: "Die haben oft keinerlei wissenschaftlichen Wirkungsnachweis - die gehören auch nicht ins Internet!" Interessanterweise plädiert Barnard für die Einnahme von Viagra: "Impotenz ist eine Krankheit, die riesigen Stress macht. Und Stress ist nicht gut fürs Herz. Also - warum nichts einnehmen gegen diesen Stressauslöser? Ist doch kein Problem!"

Beckenbauer - ein richtig netter Kerl

Christiaan Barnard plaudert zwanglos und locker, er lacht viel - auch über sich: "Früher gab's ja kein Viagra - ich hab's gottseidank nie gebraucht!" Er hält sich fit mit Ausflügen auf seiner riesigen Farm in Südafrika, zuhause tritt er in einem Zimmerfahrrad in die Pedale - langweilig wird's dem Herzoperateur dabei offenbar nie: "Ich denke dann immer an all meine Frauen", grinst der charmante und früher beinahe berüchtigte "Womanizer", der heute immer noch als vielgefragter Vortragsredner durch die Welt zieht. Dabei hat er auch Fußball-"Kaiser" Franz Beckenbauer getroffen: "Ich mach mir ja nix aus Fußball", lacht der Südafrikaner und Rugby-Fan, "aber Beckenbauer hat mich beeindruckt - er ist ein richtig netter Kerl, ein großartiger Mensch. Er macht den Leuten viel Freude, so wie ich. Nur in punkto Frauen, da liegt er klar hinter mir!"

Für Bayern und Griechenland

Barnard hat mehrere erwachsene Kinder und die dreijährige Lara. Mit der verbringt er liebend gern seinen Urlaub - meistens auf der Farm, besonders gern aber auch auf griechischen Inseln: "Kos zum Beispiel gefällt uns sehr gut, die Hippokrates-Denkmäler dort, toll! Noch schöner sind die Inseln im Ionischen Meer, Kefallonia etwa oder Ithaka. Da bläst der Wind nicht so wie in der Ägäis. Und München, da komme ich immer wieder gern hin", schwärmt der Professor, "die Bayern sind einfach anders als die übrigen Deutschen - vor allem, als die hektischen Business-Leute in Frankfurt - das ist ganz schlecht fürs Herz!" Barnards Tipp für einen gelungenen Urlaub: Immer zwei Tage zwischen Job und Urlaub legen - das erspart Stress!

Nickerchen im Büro

Im Alltag empfiehlt er "30 Minuten Nickerchen im Büro", ab und zu mal laut und deutlich seine Meinung äußern, ruhig das Getue um das Cholesterin in der Nahrung vernachlässigen und so oft wie möglich das Handy ausschalten: "Am besten stellen Sie Ihr Telefon möglichst weit weg von Ihrem Schreibtisch - da müssen Sie also jedes Mal aufstehen und zum Telefon gehen - Bewegung ist enorm wichtig fürs Herz!" Und schließlich empfiehlt der Frauenfreund regelmäßigen Sex, um möglichen Herzproblemen entgegen zu wirken: "Zwei bis dreimal pro Woche, das ist gut! Bringt Spaß und erhöht obendrein auch noch die Zahl der Antikörper im Blut - Sex schützt also auch vor Grippe!" Wenn man den 78-Jährigen so vor sich sieht, dann scheint zumindest er sich mit Erfolg an seine Ratschläge zu halten ...

Prof. Christiaan Barnard: "50 Wege zu einem gesunden Herz", erschienen im ECON-Verlag München, Preis: 16,90 DM. Zu beziehen über die Buchhandlung des Deutschen Apotheker Verlags, Postfach 10 10 61, 70009 Stuttgart, Tel. (07 11) 25 82-342, Fax (07 11) 25 82-290, http://www.Deutscher-Apotheker-Verlag.de)

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