Prisma

Multiple Sklerose: Vorurteile erschweren die Therapie

Während MS-Patienten in der Regel sehr gut über ihre Krankheit informiert sind, hat die breite Öffentlichkeit nur sehr unklare Vorstellungen von der Multiplen Sklerose.

Das ist das Ergebnis einer aktuellen Infratest-Befragung von 110 Patienten. MS-Patienten nutzen verschiedene Quellen, um mehr über ihre Erkrankung zu erfahren. Im Mittelpunkt steht, vor allem kurz nach der Diagnose, der behandelnde Arzt. Im Laufe der Therapie und mit fortschreitender Erkrankung verliert der Arzt als Informationsquelle relativ an Bedeutung. In dieser Phase informieren Patienten sich verstärkt über die öffentlichen Medien und bei Selbsthilfeorganisationen wie der Deutschen Multiplen Sklerose Gesellschaft (DMSG). Praktisch alle Patienten erleben die MS als eine Krankheit, die massiv in fast alle Bereiche des Lebens eingreift. Einschneidende Veränderungen sind teilweise eine direkte Folge ihrer körperlichen Behinderung. Darüber hinaus werden Probleme in der Familie und im sozialen Umfeld als besonders belastend geschildert. Immer wieder berichten Patienten von diskriminierenden Erfahrungen im Bekanntenkreis, die auf Vorurteile oder mangelnde Information zurückzuführen sind. Zum Beispiel wird aus der neurologischen Genese der MS auf eine Art "Geisteskrankheit" geschlossen oder MS als "Muskelschwund" interpretiert. Manche Sensationsberichte der Laienpresse disqualifizieren MS-Kranke pauschal als "sozial nutzlose Vollinvaliden". Für die Betroffenen ist die Reaktion des Umfeldes weit mehr als ein Imageproblem. Beispielsweise führen falsche Vorstellungen über die Leistungsfähigkeit von MS-Kranken zur frühzeitigen Kündigung von Arbeitsverhältnissen. Mit dem Einverständnis des Arbeitgebers und therapeutischer Unterstützung können schubweise-remittierende Patienten jedoch oft jahrelang berufstätig bleiben. Darüber hinaus können Negativszenarien die Compliance des Patienten untergraben, auch wenn eine Therapie medizinisch erfolgreich verläuft. Wenn Freunde und Bekannte die Unheilbarkeit der Krankheit in den Vordergrund stellen, verlieren gerade junge Patienten leichter die nötige Geduld und Ausdauer, ihre Injektionen regelmäßig durchzuführen.

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