Arzneimittel und Therapie

MMR: Zweifach impfen hält besser

Die Gefahr, die von "harmlosen" Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps und Röteln ausgeht, wird vielfach unterschätzt.

Dabei führen Masern noch heute die Rangliste der tödlichen Kinderkrankheiten, die durch Impfung vermeidbar wären, an. In Deutschland kommen laut Schätzungen auf jährlich etwa 100000 Masernerkrankungen 50 bis 200 Masernenzephalitiden mit bis zu 20% letalem Ausgang. Etwa alle sechs bis acht Jahre treten Masern in Deutschland zudem endemisch auf. So erkrankten z. B. allein im ersten Halbjahr 1996 ca. 80000 Menschen an Masern.
Bei Mumpsinfektionen besteht - wie auch bei den Masern - die Gefahr, daß sich die Erreger im ZNS manifestieren und eine Meningitis oder Enzephalitis auslösen. Während durch Mumps verursachte Enzephalitiden nur vereinzelt vorkommen, tritt eine Meningitis bei etwa 10% der an Mumps erkrankten Personen auf, nicht selten mit der Folge von Schwerhörigkeit oder sogar Taubheit. Besonders hart kann sich eine Mumpsinfektion bei Männern auswirken. Rund ein Viertel der postpubertär Betroffenen entwickeln ein doppelseitige Hodenentzündung (Mumps-Orchitis), die zur Sterilität führen kann.
Im Fall der Röteln geht man davon aus, daß in Deutschland jährlich noch bis zu 100 Frauen in den ersten Schwangerschaftswochen an Röteln erkranken, die zu Schwangerschaftsabbrüchen oder sogar zu Embryopathien führen.

Die Zahlen und die Risiken der durch Masern-, Mumps- und Rötelninfektionen verursachten Komplikationen verdeutlichen die Brisanz des Themas. Ursache für die bedenkliche Situation ist die geringe Durchimpfungsrate in Deutschland. Vor allem die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlene Zweitimpfung ab dem vollendeten 5. Lebensjahr wird häufig nicht wahrgenommen. Geimpft wird heute in den meisten Fällen mit einem Dreifachimpfstoff, der sich gegen Masern, Mumps und Röteln gleichzeitig richtet. Bei 5 bis 7% der Impflinge tritt jedoch nach der ersten Impfung keine oder nur eine sehr schwache Immunantwort gegen mindestens eine der drei Viruskomponenten des Impfstoffs auf. Diese primären "Impfversager" lassen sich erst durch die Wiederholungsimpfung erfassen. Sekundäres Impfversagen tritt nur noch in weniger als 2% der Fälle auf und wird meist durch eine schwache oder verminderte Immunität bedingt, die bei einem "hohen" Infektionsdruck durchbrochen wird.
Die WHO, die sich zum Ziel gesetzt hat, Masern, Mumps und Röteln bis zum Jahr 2000 europaweit auszurotten fordert daher auch von Deutschland eine Durchimpfungsrate von 95% bei den 2jährigen, etablierte Meldesysteme für Impfungen und Erkrankungen sowie serologische Surveillance-Untersuchungen.




1 Kommentar

Sekundäres Impfversagen

von M. Herrmann am 14.11.2019 um 17:24 Uhr

Ein sekundäres Impfversagen selbst bei "nur" ein bis zwei von hundert Geimpften erscheint mir durchaus bedenklich hoch, da man doch davon ausgehen kann, dass der Großteil der restlichen 99% der Geimpften mit den Erregern zu keinem Zeitpunkt direkt konfrontiert wurde...

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