DAZ-Podcast

Hochpreiser – nur noch im Direktbezug?

Münchingen - 02.01.2023, 12:30 Uhr

Dr. Christian Fehske und Peter Ditzel. (Fotos: privat)

Dr. Christian Fehske und Peter Ditzel. (Fotos: privat)


Neben den „normalen“ Lieferengpässen, die derzeit in den Medien die Runde machen, gibt es auch noch „hausgemachte“ Lieferengpässe: Es ist der von der Pharmaindustrie erzwungene Direktbezug von hochpreisigen Arzneimitteln, der aufgrund der Bestell- und Lieferwege zur verzögerten Belieferung führt. Im Podcast spreche ich darüber mit Apotheker Christian Fehske aus Hagen. Er erklärt, warum der Direktbezug ein meldepflichtiger Fall für die Arzneimittelkommission sein kann.

Immer mehr Pharma-Hersteller gehen dazu über, ihre hochpreisigen Arzneimittel nicht mehr über den vollsortierten pharmazeutischen Großhandel zu liefern, sondern nur noch im Direktgeschäft, zum Teil auch exklusiv im Rahmen eigener Großhandelserlaubnisse oder über exklusive Vertriebspartnerschaften. Der pharmazeutische Großhandel baut sogar selbst Parallelstrukturen zum eigenen Großhandelsgeschäft auf und betreibt Logistikunternehmen, die sich auf den Vertrieb hochpreisiger Pharmazie-Erzeugnisse spezialisiert haben.

Für Apotheker Dr. Christian Fehske läuft hier etwas gewaltig in die falsche Richtung, denn das Direktgeschäft mit hochpreisigen Arzneimitteln, der ausschließliche Bezug von Hochpreisern direkt vom Hersteller oder Spezialversender, verursacht für die Apotheke einen hohen Bestellaufwand: mehr Arbeitszeit verbunden mit Kosten. Hinzu kommt, dass die Arzneimittel nicht am selben Tag verfügbar sind wie bei normalen Lieferungen durch den vollsortierten Großhandel, sondern immer nur mit einer Verzögerung aufgrund des vergleichsweise langsamen Direktvertriebswegs. Die Apotheke kann ihre Patientinnen und Patienten aufgrund der verzögerten Logistik nicht mehr mit den erforderlichen Arzneimitteln am selben Tag versorgen. Es kann zu Therapieunterbrechungen kommen, die sich für die Therapie nachteilig auswirken können.

Wie Fehske im Gespräch erklärt, sind Fälle, in denen es aufgrund des langsamen Direktvertriebswegs nicht gelingt, Patienten rechtzeitig mit solchen Arzneimitteln zu versorgen, als meldepflichtige Arzneimittelrisiken einzustufen; dies habe auch der Leiter der Arzneimittelkommission (AMK) auf dem Westfälisch-Lippischen Apothekertag vor einer Weile bestätigt. Man sollte, so der Appell Fehskes, diese Fälle der AMK melden.

Außerdem stellt sich für Fehske bei dem durch die Hersteller erzwungenen Direktbezug auch ein juristisches Problem. Das Arzneimittelgesetz sagt nämlich in seinem § 52 b, Bereitstellung von Arzneimitteln: „Pharmazeutische Unternehmer müssen im Rahmen ihrer Verantwortlichkeit eine bedarfsgerechte und kontinuierliche Belieferung vollversorgender Arzneimittelgroßhandlungen gewährleisten.“ Dadurch, dass Hersteller die Apotheken zum Direktbezug zwingen, wird gegen diesen Paragraphen verstoßen.

Welches negative Potenzial im Direktbezug außerdem steckt und was nun geschehen sollte, hören Sie in meinem Podcast-Gespräch mit Dr. Christian Fehske.


Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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6 Kommentare

AW: Direktbezug von Hochpreisern

von Norbert Veicht am 09.01.2023 um 15:16 Uhr

Ich kann in den AGB keine Einschränkung der 50€ Versandkostenpauschale erkennen. Außerdem erfolgt der Versand stets auf Gefahr des Kunden. Das heißt dann wohl, dass ich die Ware auch dann annehmen und bezahlen muss, wenn sie beim Transport zu Bruch gegangen ist. Kann sich das ein Experte mal anschauen und gegebenenfalls dagegen vorgehen?

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Direktbezug von Hochpreisern

von Friedrich Böckle am 07.01.2023 um 16:46 Uhr

Ein weiterer Nachteil für die Apotheke beim Nicht-Bezug dieser Hochpreiser über den normalen GH ist die Bezahlung.
Valuta beim GH wäre bis zur nächsten Rezeptabrechnung.
Bei Virion Bezahlung rein netto innerhalb von 10 Tagen !
Rezept bei mir Anfang Januar eingelöst. Rechnung über
runde 19000 € darf ich jetzt nächste Woche überweisen !

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Direktbezug von Hochpreisern

von Friedrich Böckle am 02.01.2023 um 20:16 Uhr

... und eine dieser Vertriebsfirmen ( Virion)verlangt jetzt ab 15.2. bei Bestellungen unterhalb 3000 € eine Versandgebühr
von 50 € !!!

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AW: Direktbezug von Hochpreisern

von A. Uhlig am 03.01.2023 um 8:33 Uhr

Genau an diese Firma habe ich auch als 1. gedacht und werden den Vorschlag von Herrn Fehske aufnehmen und direkt eine AMK Meldung mit hinterher faxen.

AW: Direktbezug von Hochpreisern

von Christian Fehske am 03.01.2023 um 11:19 Uhr

...habe ich auch mit Erstaunen zur Kenntnis genommen und würde mich dafür interessieren, ob das mit §2 der AmPreisV vereinbar sein mag?

AW: Direktbezug von Hochpreisern

von Christian Becker am 07.01.2023 um 11:19 Uhr

Die 50€ sind aber nur für andere GH fällig, die bei Virion bestellen.
Für Apotheken sind diese 50€ nicht relevant.

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