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Fixzuschlag auch für den Pharmagroßhandel?

BERLIN (ks/tmb). Der Bundesverband des pharmazeutischen Großhandels (Phagro) wirbt bereits seit Längerem für eine Umstellung der Großhandelsvergütung. Er fordert ein der Apotheken-Honorierung ähnliches Kombimodell aus fixem und prozentualem Zuschlag. Nun fühlt das Bundeswirtschaftsministerium bei den Marktbeteiligten nach, wie ein solches Modell ankommen würde.

Die beständigen Mühen des Phagro, in der Politik Gehör zu finden, haben offenbar einen gewissen Erfolg erzielen können: Kurz vor Ostern hat Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) ein Schreiben an Pharmaverbände, Krankenkassen sowie die Landeswirtschaftsministerien verschickt, in dem er das vom Phagro vorgeschlagene Kombi-Modell zur Diskussion stellt. Danach soll für jede vom Großhandel an die Apotheken verkaufte Packung eines rezeptpflichtigen Medikaments ein Fixzuschlag von 93 Cent sowie ein variabler prozentualer Zuschlag von bis zu drei Prozent auf den Abgabepreis gezahlt werden. Bis zum 18. April sollen sie zu dem Vorschlag Stellung nehmen.

Bewährtes Vertriebs­system in Gefahr

Mit einer solchen Änderung würde für den Großhandel eine ähnliche Honorierungsstruktur mit Fixzuschlag und geringfügigem prozentualem Aufschlag eingeführt, wie sie bereits seit 2004 für die Apotheken gilt. Hintergrund sind die Befürchtungen des Großhandelsverbands Phagro, der 16 höchst unterschiedlich aufgestellte Großhändler vertritt, angesichts der zunehmenden Direktlieferungen insbesondere teurer Arzneimittel von den Herstellern an die Apotheken. Durch diese Strategie einiger großer Hersteller – mittlerweile werden 17 Prozent der an Apotheken abgegebenen Arzneimittel direkt vertrieben – gehen den Großhändlern viele lukrative Umsätze mit hochpreisigen patentgeschützten Arzneimitteln verloren, während beim aufwändigen Geschäft mit vielen niedrigpreisigen Generika nur minimale Aufschläge erzielt werden.

Im niedrigpreisigen Segment sind die Grossisten weiterhin gefragt, doch hier sind die Aufschläge nur minimal. Zudem weht ein harscher Wind des Wettbewerbs im Markt, da nach § 7 Heilmittelwerbegesetz nur noch Rabatte im Rahmen der Großhandelsspanne gewährt werden dürfen. Doch viele Grossisten können es sich schlicht nicht erlauben, diese Spanne zu verschenken. Phagro-Chef Thomas Trümper sieht aufgrund dieser Entwicklung das ganze deutsche Vertriebssystem auf dem Spiel. Der Fixzuschlag von 93 Cent würde nach Berechnungen seines Verbandes die Erlöse des Großhandels auf dem heutigen Niveau sichern.

Gespräche mit Apothekern

Indessen sucht auch der Phagro selbst weiterhin das Gespräch mit seinen Marktpartnern. So wird am 1. April auch ein Gespräch mit dem Deutschen Apothekerverband stattfinden. Noch will man sich beim DAV nicht genauer zu dem Modell äußern. Man will es sich zunächst erläutern lassen, erklärte ein Sprecher der DAZ. Die Apotheker seien sich jedoch bewusst, dass ein vollsortierter Pharmagroßhandel wesentlich sei, um eine stabile Arzneimittelversorgung in Deutschland sicherzustellen.

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