Maskenausgabe, Corona-Impfstoffe, Google-Deal und Antikörper

Minister unter Druck

Berlin - 29.01.2021, 09:15 Uhr

Gerät zunehmend in Erklärungsnot: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. (Foto: IMAGO / Future Image)

Gerät zunehmend in Erklärungsnot: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. (Foto: IMAGO / Future Image)


Bundesgesundheitsminister Jens Spahn präsentiert sich gern als Macher. Doch derzeit entgleitet ihm merklich die Kontrolle, insbesondere was die Kommunikation zu den Lieferengpässen bei den COVID-19-Impfstoffen betrifft. Umso deutlicher treten nun auch seine anderen Baustellen zutage. Langsam lässt es der Minister an Souveränität vermissen, meint DAZ.online-Redakteurin Christina Müller.

Bisher ist es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) oftmals gelungen, über unpopuläre Entscheidungen dann zu informieren, wenn zu erwarten war, dass sie im allgemeinen Getöse untergehen. Doch derzeit geht diese Taktik nicht auf. Für Spahn läuft es gerade alles andere als rund: Rechtfertigen muss er sich nicht nur für die stockende Auslieferung der COVID-19-Impfstoffe – auch für die etwas zu hemdsärmelige Verordnung zur Masken-Ausgabe in den Apotheken, den Einkauf nicht zugelassener Antikörper-Präparate gegen das Coronavirus und die fragwürdige Kooperation des vom BMG betriebenen Nationalen Gesundheitsportals mit Google hagelt es Kritik. Es scheint, als gerate der Minister angesichts des steigenden öffentlichen und internen Drucks mehr und mehr ins Wanken.

Medial besonders präsent ist derzeit das Dilemma beim Bezug der Impfstoffe gegen COVID-19. Daran ist auch der Koalitionspartner nicht unbeteiligt: Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) und die SPD-geführten Bundesländer hatten dem BMG einen Fragenkatalog vorgelegt, in dem sie ganz genau wissen wollten, weshalb sich die Auslieferung der heiß begehrten Vakzinen derzeit verzögert. Ein ungewöhnlicher Vorgang und geradezu ein Affront der Sozialdemokraten – denn das Dokument liest sich wie eine sogenannte Kleine Anfrage, eigentlich ein Instrument der Opposition. Dass der Regierungspartner Spahn derart Dampf macht und das auch noch vor Publikum, zeugt nicht gerade von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit.

Wem nun der Schwarze Peter für die Lieferverzögerungen gebührt, ist unklar. Andere umstrittene Aktionen gehen allerdings zweifellos auf die Kappe des Ministers: Da wäre zum einen die Kooperation mit Google, die dazu dienen soll, die Inhalte des vom BMG betriebenen Nationalen Gesundheitsportals zu pushen. Damit hat Spahn einen Aufschrei unter den Verlegern provoziert, die sich im Nachteil sehen – und das zu Recht. Denn weshalb sollte eine vom Ministerium beauftragte Agentur mal eben so ein Informationsangebot aus dem Boden stampfen, das in puncto Verlässlichkeit und Qualität jenen privatwirtschaftlichen Anbietern überlegen ist, von denen sich einige seit eh und je am Markt behaupten, die über reichlich Erfahrung verfügen und hochqualifizierte Redakteure beschäftigen?



Christina Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
redaktion@daz.online


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5 Kommentare

Wenn der Druck "beim Lesen" zunimmt... oder setzen und lesen...

von Christian Timme am 30.01.2021 um 7:58 Uhr

Meine Pandemie mit Professor Drosten: Vom Tod der Aufklärung unter Laborbedingungen. Walter van Rossum. Kindle eBooks

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Als "Shaper+" dürfte das Spahn ziemlich egal sein...

von Christian Timme am 30.01.2021 um 0:18 Uhr

Jens ist bereits weit hinter Covid-19 und beschäftigt sich schon mIt den Very Big Pictures ... without Pharmacies...

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Herr Spahn

von Conny am 29.01.2021 um 10:45 Uhr

Welche Rolle würde Herr Spahn wohl bei Der Kleine König Wirsch der Augsburger Puppenkiste übernehmen ? Es geht um 50 Euro . a: Die Ratte b: Zoppo Trump c: Blinder Fährmann d: Die Spinne

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Spahn

von Michael Zeimke am 29.01.2021 um 10:11 Uhr

Der arbeitet sehr korrekt, Doc Morris ,Google, etc.
Meine Autokorrektur wollte gerade korrupt schreiben.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Spahn

von Roland Mückschel am 29.01.2021 um 10:51 Uhr

Herr Zeimke, Ihre Autokorrektur hatte Recht.

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