Corona-Tests in der Apotheke

Zukunftspakt sucht teilnehmende Apotheken

Traunstein - 11.12.2020, 15:15 Uhr

Projekt des Zukunftspakts Apotheke: Nach dreistündiger Schulung sollen auch Apothekenmitarbeiter befähigt sein, Coronatests durchzuführen. (x / Foto: imago images / xcitepress)

Projekt des Zukunftspakts Apotheke: Nach dreistündiger Schulung sollen auch Apothekenmitarbeiter befähigt sein, Coronatests durchzuführen. (x / Foto: imago images / xcitepress)


In der Schweiz sind Corona-Tests in der Apotheke bereits gang und gäbe, doch in Deutschland tut man sich schwer damit. So befürwortet die ABDA zwar, dass Apotheken testen, ist aber der Ansicht, dass hierfür die rechtlichen Voraussetzungen fehlen. Nun macht der Zukunftspakt Apotheke, zu dem unter anderem die Apothekergenossenschaft Noweda gehört, Nägel mit Köpfen und sucht Apotheken, die PCR- und Antigentests anbieten wollen.  

Eine neue Kooperation zwischen dem Zukunftspakt Apotheke und dem COVID-19-Testanbieter EcoCare soll es Vor-Ort-Apotheken in Kürze ermöglichen, PCR- und Antigentests anzubieten und durchzuführen, heißt es in der Infomail der Apothekergenossenschaft Noweda vom gestrigen Donnerstag. Geplant ist eine Testphase, die von den Noweda-Niederlassungen in Essen und Frechen begleitet wird und an der je rund 500 Apotheken teilnehmen können. Weiterhin beteiligen sollen sich 500 Apotheken im Raum Berlin, und zwar Kunden des Großhändlers Pharma Privat, der ebenfalls Partner des Zukunftspakts Apotheke ist. Das Angebot soll sich ausschließlich an symptomfreie Kunden richten, die sich auf eigene Kosten testen lassen möchten.

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Als Voraussetzung für die Durchführung der Tests wird die Teilnahme an einer etwa dreistündigen kostenfreien Schulung und Einweisung von EcoCare genannt. Die Abstriche können zum Beispiel in der Beratungsecke der Apotheke vorgenommen werden, eine Erstausstattung der erforderlichen Schutzkleidung erhalten Apotheken kostenfrei, die Testkits können beim Großhandelspartner bestellt werden, heißt es weiter.

Während das Ergebnis des Schnelltests vom Kunden selbst abgelesen werden kann, werden die Proben für den PCR-Test vom jeweiligen Großhändler zum Labor transportiert. Bezahlung, Auswertung und Kundeninformation erfolgen über EcoCare. Dazu registrieren sich die Verbraucher bei ihre­apotheken.de – kurz ia.de –, wo sie auch einen Termin in einer Apotheke ihrer Wahl buchen können. Die Kunden bezahlen für einen PCR-Test 99 Euro und für einen Schnelltest 49 Euro, die Apotheken erhalten 14 Euro für den PCR-Test und 10 Euro für den Schnelltest.

Rechtsanwalt Douglas: Corona-Test ist apothekenübliche Dienstleistung

Rechtlich abgesichert sieht man sich durch eine Stellungnahme des Apothekenrechtsexperten Dr. Morton Douglas. Darin führt der Rechtsanwalt aus, dass durch die zum 20. November 2020 in Kraft getretene Änderung des § 24 Satz 2 IfSG der Ärztevorbehalt für die Durchführung von patientennahen Schnelltests zur Feststellung des SARS-CoV-2 Virus aufgehoben wurde. Dies bedeute, „dass jeder, der berechtigterweise entsprechende Tests erhält und über eine entsprechende Schulung zur Durchführung der Testung verfügt, diese durchführen kann“. Die Apotheken sind, heißt es weiter, nach § 3 Abs. 4 Nr. 2 der Medizinprodukte-Abgabeverordnung berechtigt, entsprechende Tests zu erhalten.

Abstrich ist keine Heilkunde

Ausführlich legt Douglas dar, dass es sich bei einem Abstrich, der dazu diene, Material zu sammeln, das dann verwendet wird, um einen SARS-CoV-2-PCR- oder SARS-CoV-2-PoC-Test durchzuführen, nicht um Ausübung der Heilkunde im Sinne von § 1 Abs. 2 Heilpraktikergesetz handle. „Die Tätigkeit als solche, nämlich die Vornahme eines Abstrichs, ist in einer generalisierenden und typisierenden Betrachtungsweise nicht geeignet, gesundheitliche Schäden zu verursachen. Vielmehr kann diese Tätigkeit auch durch Dritte ausgeübt werden, wie gerade die Änderung des § 24 Satz 2 IfSG zeigt“, heißt es wörtlich.

Werde der Abstrich in der Apotheke durchgeführt, stehe dies im Einklang mit § 1 a Abs. 11 Apothekenbetriebsordnung, meint der Anwalt. Es handle sich um eine apothekenübliche Dienstleistung. „Denn insoweit gehört zu den Dienstleistungen auch die Durchführung von einfachen Gesundheitstests. Einfache Gesundheitstests sind dann aber entsprechend auch die Durchführung von entsprechenden Abstrichen, unabhängig davon, ob der Test formal durch die Apotheke oder einen Dritten angeboten wird“, schreibt Douglas weiter.

Keine Menschen mit Symptomen testen

Abschließend weist Douglas darauf hin, es sei  sicherzustellen, „dass durch die Verwendung von einer entsprechenden persönlichen Schutzausrüstung die Mitarbeiter nicht gefährdet werden“. Hierzu gehöre auch, dass Patienten, die offensichtlich bereits an Symptomen leiden, nicht getestet, sondern stattdessen in eine ärztliche Einrichtung geschickt werden.

Ob der Zukunftspakt sein Projekt tatsächlich unbehelligt durchführen kann, bleibt nun abzuwarten. 



Dr. Christine Ahlheim (cha), Chefredakteurin AZ
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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2 Kommentare

Corona-Schnelltest

von Martin Straulino am 19.12.2020 um 16:56 Uhr

Sorry - aber für 10 Euro mache ich keinen Schnelltest, für den der Kunde 49.-€ bezahlt und den Löwenanteil eine externe Firma verdient, während ich die Arbeit mache und mich dem Risiko aussetze.
Auf eigene Rechnung würde mir der Schnelltest ca. 10.-€ kosten - zzgl. Masken etc. ca. 15.-€ - dann bleiben mir 34.-€.

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Corona Test

von Renate Plaumann am 12.12.2020 um 8:11 Uhr

Schade - mal wieder bin ich nicht in der Testregion und kann mich an der Testphase beteiligen.

Wie schon bei der Grippeimpfung (bei uns in Bayern ausschließlich Oberpfalz) geht die Testphase der Coronatests in Apotheken nur in bestimmten Bereichen der Republik - Pech für den, der wo anders wohnt!

Warum (verdammt nochmal) bekommt der Verband nicht den Hintern hoch und organisiert diese Tests für alle, die Gutes tun wollen?

Die Gnade des Wohnortes kann und darf doch nicht über Engagement entscheiden!!!!!!

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