Kostenerstattung

Minister Lucha und Ärzte-Verband kämpfen für Homöopathie-Erstattung

Berlin - 15.07.2019, 11:15 Uhr

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) will die Kostenerstattung für Homöopathie erhalten und sogar ausbauen. (m / Foto: imago images / Objektiv)

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) will die Kostenerstattung für Homöopathie erhalten und sogar ausbauen. (m / Foto: imago images / Objektiv)


Homöopathische Ärzte: KBV agiert widersprüchlich

Unterstützung erhält Lucha von der Vorsitzenden des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), Dr. Michaela Geiger:


Ein Verbot der Erstattung homöopathischer Leistungen wäre ein Schritt hin zu einer ‚Monokultur‘ in der Medizin. Wir benötigen aufgrund der medizinischen Herausforderungen in Deutschland (chronisch Kranke, multimorbide Patienten, Antibiotikaresistenzen etc.) dagegen eine pluralistische Medizin. Wir wünschen uns eine Versorgung nach dem Vorbild des Schweizer Modells. Hier werden Leistungen der Homöopathie, Naturheilkunde und weiterer Therapiemethoden seit 2017 von der Grundversicherung voll erstattet. In diesem Zusammenhang wurde die Wirksamkeit, Wirtschaftlichkeit und Zweckmäßigkeit mithilfe eines Health Technology Assessments (HTA) geprüft. In Frankreich gab es dagegen keine wissenschaftliche Prüfung der Homöopathie durch ein HTA.“

Dr. Michaela Geiger (DZVhÄ)


Geiger: KBV schließt selbst Homöopathie-Verträge ab

Geiger weist auf eine aktuelle (April 2019) und für Deutschland repräsentative Befragung hin: Darin gaben 79 Prozent der Befragten an, dass sie das Schweizer Modell inklusive der Homöopathie für Deutschland befürworten. 11 Prozent begrüßen es nicht. 10 Prozent trauten sich kein Urteil zu. Das Meinungsforschungsinstitut forsa hatte diese Umfrage für den DZVhÄ durchgeführt.

Geiger weist auch darauf hin, dass die Äußerungen von KBV-Chef Gassen aus ihrer Sicht widersprüchlich sind: „Zwar spricht sich Herr Gassen gelegentlich gegen die Homöopathie aus. Dennoch schließen KVn selbst Homöopathie-Verträge (Selektivverträge) mit Krankenkassen ab.“ Außerdem habe sich der Deutsche Ärztetag im letzten Jahr explizit für die ärztliche Homöopathie ausgesprochen. Sie ist in der Weiterbildung für Ärzte (MWBO) bestätigt worden. Die Anforderungen für das Führen einer „Zusatzbezeichnung Homöopathie“ seien in diesem Kontext sogar erhöht worden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) wollte sich auf Nachfrage von DAZ.online in der BMG-Pressestelle nicht zu dem Thema äußern.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Ärztekammer beschließen WEitrbildungsordnung

Bremen und Sachsen-Anhalt streichen Homöopathie-Weiterbildung

Debatte über Satzungsleistungen

KBV: Kassen sollten keine Homöopathie erstatten

Minister Lucha setzt sich für Homöopathie-Erstattung ein

Breites Therapieangebot ist wichtig

Wird es in Frankreich keine Erstattung mehr geben?

Streit um die Homöopathie

Empfehlung der Obersten Gesundheitsbehörde

Daumen runter für die Erstattung von Homöopathika in Frankreich

Kassenärzte legen Forderungen zur Bundestagswahl vor

KBV gegen Homöopathie auf Kassenkosten

4 Kommentare

Naturheilkunde ist nicht Homöopathie

von Michael Butscher am 18.07.2019 um 5:13 Uhr

Ist schon seltsam, wie der Minister mehrmals die Naturheilkunde mit erwähnt.

Bei dieser gibt es durchaus Studien oder zumindest plausible Erklärungen für einen Wirkmechanismus. Nichts davon trifft auf Homöopathie zu.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Also bitte!

von Stefan Haydn am 16.07.2019 um 17:40 Uhr

Liebe Kritiker ihr könnt das doch nicht ernst meinen? Wenn er gegen Homöopathie wäre, würde er doch seine ureigenste kerngrüne Wählerschaft vor den Kopf stoßen!

Das geht nun wirklich nicht!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Homöopathie-Evidenz

von Josef H. am 16.07.2019 um 10:32 Uhr

Endlich wieder vernünftige Stimmen im von Trollen und Skeptikern(weltweit) forcierten Kampf gegen Globuli.

Wenn nur mehr Medien sich die nüchternen Fakten ansehen und nicht auf immer wiederholte Plattitüden hereinfallen würden.

Zur Erinnerung:
2017 wurden laut Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) 10,6 Mio. € mit rezeptierten Homöopathika zu Lasten der GKV umgesetzt. [6] Dies entspricht 0,03 % der medikamentenassoziierten Gesamtausgaben.

Seriöse Quellen gibt es glücklicherweise noch bei der Carstens-Stifttung:

https://www.naturundmedizin.de/faktencheck.html

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

BW hat auch einen Kulturschamanen

von ratatosk am 15.07.2019 um 18:28 Uhr

Hier sieht man wie weit wir Frankreich hinterherhinken. Dort klare Verhältnisse für belegte Therapie, hier jeder esotherische Ansatz heilig. Man kann auch hier den Denkrahmen der Grünen erkennen, leider setzt sich so was auch in der Energiewende, etc fort. Wenn wir in D mal aufwachen, wird es wohl zu spät sein.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.