Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

03.02.2019, 08:00 Uhr

Bei Securpharm klemmt's – war zu erwarten. Wie sollen wir Apothekers damit umgehen? Eine Rückenstärkung der ABDA wäre nett. (Foto: And Dalferth)

Bei Securpharm klemmt's – war zu erwarten. Wie sollen wir Apothekers damit umgehen? Eine Rückenstärkung der ABDA wäre nett. (Foto: And Dalferth)


30. Januar 2019

Er ist auf den Weg gebracht, der Gesetzentwurf für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV). Uns Apothekers interessierten daran gleich mehrere Punkte: neue Regelungen für Importe, fürs E-Rezept und Fernverordnungen. Zum Aus für die derzeitige Zwangsimportförderung hat’s leider nicht gereicht, wir müssen weiterhin mit dem Importgeschäft und den bürokratischen Regelungen hierfür leben. Verändert werden sollen lediglich die Preisabstandsregelungen, wann Importe abgegeben werden müssen. Spahn nennt das einen „klugen Kompromiss“, da „die  Margen auch an die Versichertengemeinschaft“ gegeben würden. Welche Margen? Die Einsparungen bei den Importen für die Kassen sind verglichen mit anderen Regelungen marginal. Der Aufwand dagegen vergleichsweise hoch. Importförderung ist ein Relikt aus alten Zeiten, Herr Spahn. Mein liebes Tagebuch, vielleicht klappt die Abschaffung beim nächsten Anlauf – mit dem nächsten Gesundheitsminister. Weitere vorgesehene Neuregelungen: Sieben Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes (geplant ist dies Mitte des Jahres) sollen die Regelungen fürs E-Rezept fertig sein, der Übergang vom Papierrezept zur elektronischen Verordnung muss dann laufen. Mein liebes Tagebuch, da steht uns was bevor: Das ist digitale Revolution live! Da verändern sich alle Prozesse. Man muss ehrlicherweise sagen: Wir stehen da in Deutschland nicht unbedingt an der Spitze der Entwicklung. Dass noch heute ein Rezept von seiner digitalen Entstehung im Arzt-PC über den Ausdruck zur Papierform wird, um dann letztendlich im Rechenzentrum wieder digitalisiert zu werden, ist ein Anachronismus. Andererseits hatten wir verständlicherweise kein großes Interesse daran angesichts der Gefahren einer digitalen Verordnung – sie lässt sich einfacher an Versender verschicken als die Papierversion. Jetzt lässt sich das alles nicht mehr aufhalten. Mein liebes Tagebuch, die ABDA muss jetzt alles daran setzen, die Fäden in der Hand zu behalten und bei den Bedingungen fürs E-Rezept mitreden. Mit dem GSAV soll im Übrigen auch die bisher geltende Vorschrift gestrichen werden, dass Rezepte von ausschließlichen Fernbehandlungen nicht beliefert werden dürfen. Umso mehr muss definitiv geregelt werden, dass der Patient hier Herr seines Rezepts bleibt und Arztpraxen die Rezepte nicht an Versender übermitteln dürfen. Da lauern noch Gefahren! 


Eigentlich nichts Überraschendes: Zwei Wochen vor dem Securpharm-Start soll’s Probleme geben. Mein liebes Tagebuch, es wäre ein Wunder, wenn es anders gekommen wäre. Und wo liegen diese Probleme? Es soll Pharmaunternehmen geben, die noch nicht für den Start von Securpharm bereit sind. Ja so was, Securpharm kam ja auch so plötzlich, gell? Und dann gibt es Sorgen von Apothekern: Die Unsicherheit wächst, ob man Packungen abgeben darf, die keinen Data-Matrix-Code tragen. Keine Sorge, man darf! Denn Arzneimittel, die vor dem 9. Februar 2019 in Verkehr gebracht wurden und deren Verfalldatum noch nicht abgelaufen sind, dürfen in der Apotheke trotzdem abgegeben werden – auch ohne Securpharm-Scan. Außerdem, es wird nicht ausbleiben, dass in der Übergangsphase mal was durchrutscht – alles nicht so schlimm. Mal ehrlich, mein liebes Tagebuch, möchten wir wissen, wie die Fälschungsrichtlinie ab 9. Februar in so manch anderem europäischen Land umgesetzt wird? Z. B. im Brexit-Land? Oder in Spanien oder in Portugal? Möchten wir nicht. 



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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11 Kommentare

Problem Apotheke ... die „digitale Barrierefreiheit“ ...

von Christian Timme am 06.02.2019 um 3:15 Uhr

Fingerabdrücke, Blitzer, Captchas, Flughafenkontrollen, Gesichtserkennung ... SecurPharm ... SecurPrescription ... SecurPatient .. und SecurVersand ?

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mehr Aufwand, mehr Geld

von Kleiner Apotheker am 04.02.2019 um 11:16 Uhr

unser Software-Anbieter hat wegen des Securpharm Mehraufwands übrigens die monatliche Gebühr erhöht. Nur bei uns gibt es mehr Aufwand zum Null-Tarif.

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Securpharm

von Küper am 03.02.2019 um 23:33 Uhr

Mich wundert es, dass bis jetzt keiner meiner Kolleginnen und Kollegen irgend einen Ton des Unmuts gegen die uns aufgezwungene Einführung des Securpharm Systems ( und auch die Kosten, Mehrarbeit, den Ärger etc..) verlauten lässt. Wer kann mich überhaupt zwingen eine schnelle
und konstant störungsfreie Internetverbindung zu haben ? Es ist schade, dass die Vertreter unserer Standesorganisationen diesen Granatenkot am 09.02.2019 nicht selbst in der Praxis erleben dürfen, ich würde es mir sehnlichst wünschen. C.Küper

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Fehlermeldung SecurPharm

von Felix Maertin am 03.02.2019 um 21:36 Uhr

Lieber Herr Ditzel,
zum Thema SecurPharm scheinen Sie, ausnahmsweise, schlecht recherchiert zu haben. Bei einer negativen Verifizierung muss der Apotheker die Packung zur Seite legen und warten. Keine Meldung irgendwohin. Meldungen müssen erst gemacht werden, wenn nach 7 Tagen die Packung immer noch nicht verifizierbar ist oder ein offensichtlicher Fälschungsverdacht vorliegt.
Der Aufwand ist in diesen Fällen überschaubar.

Ich sehe das (noch) gelassen, morgen starten wir auch. Gerne lasse ich mich eines besseren belehren...

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securpharm

von Christian Giese am 03.02.2019 um 11:21 Uhr

Securpharm, eine einzige REFA - Sünde!

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Zu allem Überfluss...

von gabriela aures am 03.02.2019 um 10:29 Uhr

..steht ja demnächst noch der Umzug an, oder ?
War/ist der nicht für Mai 2019 geplant und schließlich wurde man in der Kommandozentrale nicht müde, den zeitlich perfekten Baufortschritt zu loben.

Da muß jetzt halt alles andere mal zurückgestellt werden.

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Schmdt, Pressesprecher und Abda

von conny am 03.02.2019 um 9:43 Uhr

Auf dem Apothekertag wurde Schmidt bejubelt.. Es war gruselig. Es ist nicht allein die Abda die blind ist.

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Der Wert des Apothekers in seiner Apotheke ...

von Gunnar Müller, Detmold am 03.02.2019 um 9:35 Uhr

„...Weitgehend zerstört.
....So ist das mit der Politik.
....Jetzt lässt sich das alles nicht mehr aufhalten.
....Was sagt die ABDA dazu?
....Möchten wir wissen?
....Dann Gute Nacht!
....Da muss man sich was einfallen lassen, um einen attraktiven Arbeitsplatz zu bieten ...“

Wann kommen die Antworten auf die vielen Veränderungen in den letzten 15 Jahren?
Wann kommt die Strukturreform?
Wann endlich reagieren all die Unterstützer...?
Inhaltlich! Personell! Strukturell!
Denn „DIESE“ ABDA braucht kein Mensch!

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Das Schweigen um die Vor-Ort- Apotheken

von Ulrich Ströh am 03.02.2019 um 9:01 Uhr

Wir brauchen die Vor-Ort -Apotheken...

Da muß die NOWEDA den Job übernehmen,den eigentlich die ABDA-Öffentlichkeitsarbeit erfüllen muss.Und macht es vorbildlich !

Jetzt rächt sich das jahrelange Schweigen in Sachen Öffentlichkeitsarbeit aus Berlin.
Merkt das eigentlich keiner?

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SecurPharm

von Karl Friedrich Müller am 03.02.2019 um 8:29 Uhr

Das Ding mit SecurPharm ist so wie die Ehe: Man teilt sich Probleme, die man ohne sie nicht hätte.
Da es praktisch keine Fälschungen gibt, werden wir uns also mit Fehlermeldungen zu beschäftigen haben. Mit viel Aufwand. Dafür ohne Vergütung.
Geht gar nicht.
Wieviel Bürokratie müssen wir noch erledigt haben, bevor ein Kunde bedient ist und endlich beraten werden kann?
Oder sind wir alle vorher bedient?
Wer bezahlt das Personal?
Will keine hören. Aber so geht es nicht weiter. Es ist nicht alles in den paar Euro pro Packung eingepreist.
Mehr Grundleistungen muss heißen mehr Aufschlag. Für alle. Und nicht mit Sonderleistungen, die unter Wert verkauft werden sollen.

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AW: Völlig richtig!

von Gunnar Müller, Detmold am 03.02.2019 um 9:29 Uhr

Könnte man gut in unseren „Plan C“ einbauen ...!

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