Versandhandel

Österreichs Apothekerkammer klagt gegen Shop Apotheke

Berlin - 14.12.2018, 09:00 Uhr

Die Österreichische Apothekerkammer klagt gegen die niederländische Shop Apotheke wegen unlauteren Wettbewerbs. (c / Foto: imago)

Die Österreichische Apothekerkammer klagt gegen die niederländische Shop Apotheke wegen unlauteren Wettbewerbs. (c / Foto: imago)


Die aggressive Expansionspolitik der Shop Apotheke sorgt nun auch in Österreich für Ärger. Österreichischen Medienberichten zufolge klagt die Apothekerkammer des Landes gegen den EU-Versender. Aus Sicht der Apotheker ist der Marktauftritt der Shop Apotheke in Österreich irreführend. Auch in Frankreich und Italien sorgten die Verkaufsstrategien der Shop Apotheke schon für Ärger.

Die Apothekerkammer Österreichs hat gegen die niederländische Versandapotheke Shop Apotheke eine Klage wegen unlauteren Wettbewerbs vor dem Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen eingereicht. Die Tageszeitung „Standard“ und die Nachrichtenagentur APA berichten, dass die Klage sogar schon seit März dieses Jahres vorliege, eine Entscheidung des Gerichtes steht demnach aber noch aus.

Wie schon zuvor in anderen europäischen Ländern geht es auch in Österreich um den Marktauftritt der Niederländer: Das Unternehmen präsentiert sich mit der Adresse shop-apotheke.at und gibt auch eine österreichische E-Mail-Adresse für seine Kunden an. Erst aus dem Impressum geht allerdings hervor, dass es sich um ein niederländisches Unternehmen handelt. Dort steht, dass es eine niederländische Aufsichtsbehörde gibt und dass das Unternehmen im niederländischen Apothekenregister eingetragen ist. Auch das EU-Logo für den sicheren Versandhandel ist auf niederländisch.

Kammer: Shop Apotheke wirkt zu österreichisch

Aus Sicht der Kammer kennzeichnet das Unternehmen damit zu wenig, dass hinter dem Internetauftritt keine österreichische Apotheke steckt, berichtete der „Standard“ am gestrigen Donnerstag. Die Klage nach dem Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb bestätigte ein Sprecher der Apothekerkammer auf Anfrage der Nachrichtenagentur APA. Die Shop Apotheke selbst äußerte sich nicht gegenüber den österreichischen Medien.

Da Arzneien sensible Ware seien, sei für viele Kunden die österreichische Herkunft eines Händlers kaufentscheidend, wird ein Jurist der Apothekerkammer im „Standard“-Bericht zitiert. In einer der APA übermittelten Stellungnahme kritisiert die Apothekerkammer außerdem, dass Einkäufe bei der „Shop Apotheke“ nicht der heimischen Wirtschaft zugute kämen – weil es sich eben um ein niederländisches Unternehmen handle.

Auch in Frankreich und Italien aggressives Vorgehen

In Österreich dürfen Apotheken seit etwas mehr als drei Jahren rezeptfreie Medikamente über das Internet verkaufen. Für rezeptpflichtige Präparate bleibt dieser Vertriebsweg versperrt. Auf große Begeisterung war der Vertriebsweg für OTC-Arzneimittel schon von Beginn an nicht gestoßen. Derzeit haben knapp 60 Apotheken im Alpenland eine Versandhandelserlaubnis. Viel lebendiger als der inländische Versandhandel ist allerdings auch in Österreich der grenzüberschreitende Versand. Zur Rose, MyCare, Shop-Apotheke oder die tschechische Versandapotheke Vamida sind in Österreich aktiv und sehr bekannt.

Dass Shop Apotheke mit seiner Expansionspolitik in den einzelnen europäischen Ländern für Ärger sorgt, ist allerdings bestens bekannt. Erst kürzlich wurde bekannt, dass der EU-Versender in Italien auf einer italienischsprachigen Seite italienische Arzneimittel anbietet. Im italienischen Gesetz ist der OTC-Versand strikt reguliert, der Rx-Versand gar nicht erlaubt. Zudem gibt es dort nicht-gesetzliche Vorschriften, die den grenzüberschreitenden Versand quasi unmöglich machen. 

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Und auch in Frankreich ist Shop Apotheke bereits angeeckt. In Frankreich gelten ähnlich strenge Einschränkungen für den Versandhandel wie in Italien. Dort hatte Shop Apotheke aber schon vor einigen Jahren eine Kooperation mit dem Versand-Konzern Zalando geschlossen: In den Paketen an Kunden in Frankreich wurden Flyer mitgeliefert, auf denen Rabatte auf Arzneimittel versprochen wurden, wenn diese auf der französischen Internetseite der niederländischen Versandapotheke bestellt wurden. Zwei Apotheker-Organisationen gingen gegen die Werbung gerichtlich vor – und gewannen: Im vergangenen Jahr verurteilte ein Gericht die Niederländer zu einer Geldstrafe wegen unlauteren Wettbewerbs.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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