Embryotox-Serie (1)

Rät Embryotox zum Schwangerschaftsabbruch?

Stuttgart / Berlin - 23.10.2018, 17:45 Uhr

Die Angst vor Teratogenität versammelt sich laut Professor Schaefer, Leiter von Embryotox, hinter Psychopharmaka. Embryonaltoxikologisch sind diese aber nicht am gefährlichsten. (m / Foto: llhedgehogll / stock.adobe.com)

Die Angst vor Teratogenität versammelt sich laut Professor Schaefer, Leiter von Embryotox, hinter Psychopharmaka. Embryonaltoxikologisch sind diese aber nicht am gefährlichsten. (m / Foto: llhedgehogll / stock.adobe.com)


DAZ.online stellt Embryotox, das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin, in einer kleinen Serie vor. Zu Besuch in Berlin hat DAZ.online Professor Christof Schaefer, dem Leiter von Embryotox, einige Fragen gestellt: Wer finanziert Embryotox und auf welchen Daten fußen die Empfehlungen von Embryotox überhaupt? Welche Arzneimittel sind in der Schwangerschaft am gefährlichsten? Und rät Embryotox im Fall der Fälle auch zu einem Schwangerschaftsabbruch? 

Zu den schwierigsten Patienten in Apotheken zählen auch Schwangere. Schwierig deswegen, weil offiziell nur wenige Arzneimittel für Schwangere zugelassen sind. Zudem agieren schwangere Frauen von vornherein und verständlicherweise meist übervorsichtig und kritisch. Letzlich möchte auch der Apotheker meist ungern die Verantwortung für potenzielle Schädigungen des noch ungeborenen Kindes tragen. Eine Bredouille, denn die Schwangere hat Beschwerden und benötigt Hilfe. Was tun? Helfen könnte www.embryotox.de! Denn bei Fragen rund um eine möglichst sichere Arzneimitteltherapie in der Schwangerschaft ist Embryotox, Pharmakovigilanz - und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin in Berlin, national wie auch international, eine der kompetentesten Anlaufstellen.

DAZ.online hat den Leiter des Institutes, Professor Christof Schaefer, besucht und mit ihm gesprochen: Zu welchen Arzneimitteln kommen die meisten Fragen, wer finanziert den kostenlosen Service von Embryotox? Und sollte die Pharmaindustrie nicht selbst zu ihren Arzneimitteln in der Schwangerschaft beraten? Schaefer wünscht sich, dass der Fokus auf die Arzneimittelsicherheit in der Schwangerschaft deutlich verstärkt wird – und, dass die Hersteller freigenommen werden von der Datenerhebung zur Arzneimitteltherapiesicherheit in der Schwangerschaft.

Wie aus zwei Personen das Embryotox von heute wurde

2018 ist für Embryotox ein Jahr zum Feiern, denn Embryotox ging vor nun mehr 30 Jahren an den Start. Damals übernahm Deutschland nicht gerade eine Pionierfunktion hinsichtlich der Arzneimitteltherapiesicherheit in der Schwangerschaft. Tatsächlich hatten bei der Gründung von Embryotox im Mai 1988 Länder wie Italien, die Niederlande, aber auch Spanien und Frankreich derartige Institutionen bereits etabliert. Nach Ansicht Schaefers ein damals längst überfälliger Schritt der Berliner Senatsgesundheitsverwaltung – den Initiatoren hinter Embryotox –, hier endlich nachzuziehen und auch in der Bundesrepublik eine Beratungsstelle zur sicheren Anwendung von Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit zu gründen.

Ursprünglich war Embryotox als reiner Beratungspunkt geplant, sodass auch das Personal an jenem ersten Arbeitstag im Mai 1988 noch recht überschaubar war: Gerade einmal zwei Personen sollten sich der Pharmakovigilanz bei Schwangeren widmen. Professor Christof Schaefer ist einer dieser beiden „Urgesteine“ – so bezeichnet er sich selbst. Ihm fiel als Facharzt für Kinderheilkunde die Aufgabe zu, Embryotox Ende der 80er Jahre aufzubauen – was ihm offensichtlich mehr als geglückt ist. Heute, 30 Jahre später, arbeiten dort 30 Mitarbeiter, darunter auch zwei Apothekerinnen. Man berät nicht nur Fachkreise, sondern auch Laien kompetent zur Arzneimittelanwendung in der Schwangerschaft. Schaefer schaffte nicht nur den immensen Personalsprung im Laufe der letzten 30 Jahre. 

Wer beraten will, muss auch forschen

Die ursprüngliche Idee einer ausschließlich embryonaltoxikologischen Beratungsstelle stellte sich rasch als zu kurz gedacht heraus: „Es war relativ schnell klar, dass wir auch die Forschung bei der Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit voranbringen müssen“, meint Schaefer, denn mit der Verbreitung vorhandener Information füllt man nun einmal nicht die bestehenden Wissenslücken im Bereich der Arzneimitteltherapie bei Schwangeren. Und, dass zur sicheren Anwendung von Arzneimitteln in der Schwangerschaft die Datenlage nicht gerade üppig ist, weiß jeder, der bereits einmal eine schwangere Kundin in der Apotheke versorgt hat und versucht hat, aus dem Beipackzettel des gewünschten Arzneimittels hilfreiche Informationen für die Schwangere zu ziehen. Und so etablierte der Embryotox-Leiter neben der embryonaltoxikologischen Beratung einen Forschungsmittelpunkt.

Heute sind die Gelder für Beratung und Forschung strikt getrennt – allerdings lassen sich diese beiden Bereiche unter Embryotox-Real-Life-Bedingungen wohl dennoch nicht peinlichst genau entzahnen: „Wir können nur adäquat beraten, wenn wir gleichzeitig forschen“, erklärt der Embryotox-Leiter hierzu. Allerdings könne man auch nur forschen, wenn man neue Daten erhebe – und diese erhält Embryotox durch die Beratung von Schwangeren.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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