Embryotox-Serie (2)

Embryotox berät kostenlos – aber wer finanziert Embryotox?

Stuttgart / Berlin - 24.10.2018, 17:45 Uhr

Sollte nicht die Pharmaindustrie für Daten zur Arzneimittelsicherheit in der Schwangerschaft sorgen? (m / Foto: Zffoto/ stock.adobe.com)

Sollte nicht die Pharmaindustrie für Daten zur Arzneimittelsicherheit in der Schwangerschaft sorgen? (m / Foto: Zffoto/ stock.adobe.com)


„Wissen sollte nicht hinter Barrieren versteckt werden“, sagt Professor Christof Schaefer. Er leitet Embryotox, das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin in Berlin. Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern leistet er jährlich 14.000 Beratungen rund um die Schwangerschaft, kostenfrei. Sollte das nicht eigentlich Aufgabe der Pharmaindustrie sein? Schaefer lehnt das vehement ab. Warum?

Die Beratung zur Arzneimittelanwendung in der Schwangerschaft ist kostenfrei. Embryotox betont diesen Service auf seiner Homepage explizit. Somit rattert bei Telefongesprächen kein Münzenzähler im Hintergrund, und weder Patientinnen noch Ärzten entstehen Kosten. Schaefer hält dieses System für den richtigen Weg, selbst wenn andere Länder hinsichtlich der Gebührenerhebung teilweise wohl weniger altruistisch agieren: „Als vor etlichen Jahren eine Kostenpflichtigkeit eingeführt werden sollte, habe ich mich für den Erhalt einer kostenfreien Beratung eingesetzt, und ich halte das so auch für richtig“, erklärt Schaefer.

Keinem sollen wegen Geldmangels Informationen vorenthalten werden, und gerade der bewusste Verzicht auf Gebühren soll die Schwelle für Informationsbedürftige niedrig halten. „Wissen sollte nicht hinter Barrieren versteckt werden“, findet Schaefer. Dennoch stellt sich hier natürlich die berechtigte Frage: Wer finanziert die forschenden und beratenden Dienstleistungen von Embryotox?

„Kein Cent aus der Pharmaindustrie“

Embryotox wird ausschließlich durch öffentliche Gelder finanziert. Der Etat teilt sich grob in zwei Bereiche: Beratung – hierfür sind die Länder zuständig – und Forschung, was Sache des Bundes ist. Die Embryotox-Beratung stemmt finanziell einzig und allein das Land Berlin, und zwar für alle Bundesländer. Die jahrelang zurückliegende Überlegung, die Kosten gerecht auf alle 16 Bundesländer umzulegen, ist gescheitert. Seither zeigt sich Berlin jedoch generös und sichert die enorm wichtige und sinnvolle Beratungsleistung von Embryotox bundesweit.

Die zweite Hälfte des Etats nutzt Embryotox für Forschungsprojekte im Bereich Pharmakovigilanz in Schwangerschaft und Stillzeit. Die Forschungsgelder stellt – im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) – das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Einblicke in die Arbeit des Beratungsinstituts

Die Experten von Embryotox

Interview mit Prof. Dr Christof Schäfer zum Einsatz von Antidepressiva in der Schwangerschaft

„Bewährte Therapien fortsetzen“

Viele Schwangere setzen Antidepressiva ab und können damit sich und ihr Kind gefährden

Keine Therapie ist auch keine Lösung

Chancen und Herausforderungen am Beispiel des Medikationsmanagements

Digitalisierung trifft auf Dienstleistungen

0 Kommentare

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.