DAZ-Tipp aus der Redaktion

Arzneimittelstudien für die Notfallmedizin?

Stuttgart - 06.07.2017, 17:00 Uhr

Notärzte handeln gemäß ihrer Ausbildung und Erfahrung. Studien sind schwierig durchzuführen. (Foto: benjaminnolte / Fotolia) 

Notärzte handeln gemäß ihrer Ausbildung und Erfahrung. Studien sind schwierig durchzuführen. (Foto: benjaminnolte / Fotolia) 


Ein Schlaganfall zu Hause oder ein Unfall auf der Straße – der alarmierte Notarzt ist der erste professionelle Helfer und muss den Patienten vor der Ankunft in einer Klinik möglichst gut versorgen, auch mit Arzneimitteln. Notärzte handeln gemäß ihrer Ausbildung und Erfahrung. Reicht das heute noch aus?

Der Hintergrundbeitrag in der aktuellen DAZ 27 erörtert die Frage, wie Arzneimittelstudien speziell für die Notfallmedizin durchgeführt werden müssten, damit sie einerseits zu konkreten Ergebnissen führen, ohne andererseits die teilnehmenden Notfallpatienten zu schädigen. Ein großes ethisches Problem besteht darin, dass die Patienten in ihrer Notfallsituation meistens nicht in der Lage sind, ihr Einverständnis zur Teilnahme an einer solchen Studie zu geben, sodass jemand anders für sie die Entscheidung treffen müsste. Dass solche Studien aber prinzipiell sinnvoll sein können, zeigt das Beispiel einer vergleichenden Untersuchung zum Einsatz von Adrenalin bzw. Vasopressin bei Patienten mit Herzstillstand, die 2004 publiziert wurde. Seit rund 100 Jahren ist Adrenalin bei dieser Indikation das Mittel der Wahl. Doch die Studie zeigte, dass viele der mit Vasopressin behandelten Patienten bessere Überlebenschancen hatten. Vasopressin hat nämlich den Vorteil, dass es spezifisch die peripheren Gefäße verengt und den Sauerstoffbedarf nicht erhöht.

Ein anderes Beispiel sind akute allergische Reaktionen. Hier setzen Notärzte in der Regel H1-Antihistaminika der ersten Generation ein. H2-Antihistaminika wie Ranitidin oder Cimetidin könnten wirkungsvoller sein, doch Studien, die diese Hypothese eindeutig belegen, gibt es noch nicht. 

Magnesium gegen Krämpfe

Lange Zeit haben Betroffene Chinin zur Vorbeugung nächtlicher Wadenkrämpfe eingesetzt. Da Chinin jedoch eine Thrombozytopenie verursachen kann, ist es seit 2015 verschreibungspflichtig und steht für die Selbstmedikation nicht mehr zur Verfügung. Als Alternative bieten sich Magnesiumpräparate an. Im Normalfall ist nicht mit Nebenwirkungen durch 300 mg Magnesium pro Tag zu rechnen, Vorsicht ist aber bei Personen mit Niereninsuffizienz und Herzrhythmusstörungen geboten. Weitere Tipps zur Vermeidung und Behandlung von Wadenkrämpfen finden Sie hier:


Dr. Wolfgang Caesar (cae), Biologe
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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