Durchsuchungsprotokoll veröffentlicht

Das Tablettenlager von Prince

Stuttgart - 21.04.2017, 13:10 Uhr

Prince starb am 21. April 2016 im Alter von 57 Jahren  an einer Fentanyl-Überdosis. (Foto: picture alliance/ZUMA Press)

Prince starb am 21. April 2016 im Alter von 57 Jahren  an einer Fentanyl-Überdosis. (Foto: picture alliance/ZUMA Press)


Woher hatte Prince das tödliche Fentanyl?

Durch seine Anwälte lässt dieser Arzt aber nun mitteilen, dass er keineswegs den Bodyguard als „Durchreiche“ für Schmerzmittel-Rezepte benutzt habe. Er habe zudem niemals Opioide für Prince selber verschrieben. Und tatsächlich: In einer Verordnungs-Datenbank, die Apothekern helfen soll, Missbrauch zu erkennen, findet sich keine Verschreibung auf den Namen von Prince Rogers Nelson, wie der Sänger mit bürgerlichem Namen hieß. Der Mediziner habe aber, so sagen seine Anwälte, auch für niemand anderen Opioide mit dem Zweck verschrieben, es an den Sänger weiterzugeben.

Völlig unklar ist zudem weiterhin, woher Prince das Fentanyl hatte. Denn an einer Überdosis dieses Opioids starb Prince den toxikologischen Untersuchungen des „Midwest Medical Examiner’s Office“ der Gerichtsmedizin in Minnesota zufolge. Direkt nach seinem Tod hieß es, mehrere „Pillendosen“ seien gefunden worden, die nicht nur die deklarierten Arzneimittel, sondern auch Fentanyl enthielten. In Behältnissen, in denen Aspirin oder Vitamin C sein sollten, sollen sich Fentanyl-haltige Arzneimittel befunden haben. In einer Packung mit rund 20 Tabletten – deklariert als Paracetamol und Hydrocodon – sei zudem mindestens eine Fentanyl-Tablette gewesen. Diese Aussagen lassen sich anhand des vorliegenden Protokolls nicht eindeutig bestätigen. 

Die USA haben ein Opioid-Problem

Klar ist wohl nur, dass Prince ein Opioid-Problem hatte. Er soll wegen seiner Hüftbeschwerden regelmäßig starke Schmerzmittel genommen haben, unter anderem Oxycodon und Paracetamol. Der britischen Tageszeitung „Guardian“ zufolge wurde er aufgrund seiner Schmerzmittel-Abhängigkeit behandelt und litt kurz vor seinem Tod an Entzugssymptomen. Er soll zudem mit einem Arzt in Kontakt getreten sein und um Behandlung in dessen Entzugsklinik gebeten haben. Dazu kam es dann aber nicht mehr.

Mit seiner Abhängigkeit von opioiden Schmerzmitteln befand Prince sich in guter Gesellschaft – Zahlen von 2014 zufolge in der von etwa zwei Millionen Amerikanern. Der Trend einer wachsenden Opioidabhängigkeit in den USA zeichnet sich seit Jahren ab. Insbesondere in ländlichen, ärmeren Regionen der Vereinigten Staaten sind Millionen Menschen süchtig nach Betäubungsmitteln. Der Einstieg in die Sucht ist in vielen Fällen ein unbedacht verschriebenes Schmerzmittel, beispielsweise nach einer Weisheitszahn-Operation. Vor allem in den 90er-Jahren wurden die starken Schmerzmittel recht freizügig verordnet. Erst in den letzten Jahren wird klar, welche Probleme man sich damit bereitet hat. 

2016 gab es dann erste Versuche, der Opioid-Epidemie beizukommen – mit mehr Aufklärung für Patienten, mehr Informationen für Ärzte und Monitoring-Programmen, die ermöglichen, die Verschreibungsgeschichte der Patienten elektronisch zu überwachen. Eine Idee, die allerdings bei Prince offensichtlich in leere lief, da die Verschreibungen nicht auf seien Namen ausgestellt waren. Außerdem veröffentlichte die nationale Gesundheitsbehörde strengere Richtlinien für die Verschreibung von Opioiden. So sollen diese eine Langzeitanwendung nur noch bei Tumorleiden finden.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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