Gefälschte Pro-Versandapotheken-Postkarten?

CDU-Abgeordnete bezweifeln Echtheit der DocMorris-Kampagne

Berlin - 22.03.2017, 12:05 Uhr

Was steckt hinter der DocMorris-Aktion? Einige CDU-Abgeordnete bezweifeln, dass sich wirklich so viele Menschen an der Aktion für die Versandapotheken beteiligt haben. (Foto: DocMorris)

Was steckt hinter der DocMorris-Aktion? Einige CDU-Abgeordnete bezweifeln, dass sich wirklich so viele Menschen an der Aktion für die Versandapotheken beteiligt haben. (Foto: DocMorris)


Noch immer erhalten CDU/CSU-Bundestagsabgeordnete Postkarten, auf denen sich Menschen gegen das geplante Rx-Versandverbot aussprechen. DocMorris hatte auf einer Internetseite zu dem Protest aufgerufen. Einige CDU-Abgeordnete hinterfragen allerdings, ob die Beschwerden „echt“ sind. Einige Absender wüssten gar nichts von der Aktion. DocMorris hingegen vermutet einen Missbrauch seiner PR-Aktion und hat die Anti-Versandverbot-Seite vom Netz genommen.

Die niederländische Versandapotheke hatte Mitte Februar eine Internetseite freigeschaltet, auf der gegen das vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) geplante Rx-Versandverbot protestiert wurde. Besucher hatten zudem die Möglichkeit, an einer Postkarten-Aktion teilzunehmen. Interessierte mussten lediglich ihre Adresse und ihren Namen in ein Online-Formular eingeben. DocMorris verschickte dann eine vorgefertigte Karte an ein Büro eines Unions-Abgeordneten. Zehntausende solcher Karten sind in den vergangenen Wochen im Bundestag eingetroffen.

Doch die PR-Aktion sorgt weiterhin für Aufsehen im Bundestag. Zunächst hatten sich mehrere Unions-Abgeordnete aus dem Gesundheitsausschuss über die Postkarten beschwert. Der CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich hatte beispielsweise moniert, dass die tatsächliche Beteiligung der Bürger an der Postkarten-Aktion nicht klar sei. Für ihn sei die Aktion „bedenklich und merkwürdig“, so Hennrich. Der Ärger über die Postkarten scheint nicht nachzulassen: Die CDU-Landesgruppe Thüringen hat sich nun öffentlich zu dem Thema geäußert und vermutet, dass die DocMorris-Kampagne nicht echt sei.

Thüringer CDU-Mitglieder vermuten Fälschungen

Zur CDU-Landesgruppe Thüringen gehören neun Bundestagsabgeordnete. Auf der Facebookseite der Landesgruppe heißt es seit gestern in einem Beitrag: „In den Büros der Landesgruppe sind inzwischen mehrere Tausend Postkarten und Briefe eingetroffen, die auf einer Kampagne der Versandapotheke DocMorris basieren. Der holländische Versender stellt offenbar für eine Kampagne um das etwaige Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Arzneimitteln den Kunden vorgefertigte Dokumente und frankierte Umschläge zur Verfügung. So weit, so legal.“

Nachfragen einiger Parlamentarier haben nun allerdings Zweifel ergeben, nach denen die Teilnehmer der Postkarten-Aktion gar nichts von ihrer Beteiligung wussten. Die CDU-Landesgruppe berichtet dazu: „Nachdem solche Bürgerbriefe in großen Mengen beantwortet wurden, mehren sich Proteste der angeschriebenen Bürger. Da sind betagte bettlägerige Personen (ohne PC), deren Angehörige protestieren. Da sind Bürger, die berichten, sie hätten noch nie bei DocMorris bestellt. Das sind fragwürdige Methoden! Wir werden weiter beobachten.“

DocMorris nimmt Protest-Seite vom Netz

Gegenüber DAZ.online erklärte der Thüringer CDU-Abgeordnete Manfred Grund: „Wir haben anfänglich versucht, allen Absendern der Postkarten zu antworten, und knapp einhundert Antworten verschickt. Daraufhin erhielten wir in den vergangenen Tagen mehrere Rückantworten, aus denen hervorging, dass diese Empfänger nicht an der Aktion teilgenommen hätten. In einem Telefonat wurde gefragt, wie mein Büro an die Adresse gekommen sei. Andere Anrufer versicherten, nie etwas bei DocMorris bestellt zu haben. Das ist schon ärgerlich. Auch andere Fraktionskollegen haben mir Ähnliches berichtet. Angeblich sollen in einigen Büros Postkarten aus ganzen Straßenzügen angekommen sein.“

Die niederländische Versandapotheke hat dem Thüringer CDU-Politiker inzwischen geantwortet. DocMorris vermutet nun einen Missbrauch seiner Internetseite. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte gegenüber DAZ.online: „Nach der medialen Berichterstattung in Apotheker-Medien hatten wir Hinweise darauf, dass die Internetseite der Postkarten-Aktion missbraucht wurde. Wir haben die Seite daher sofort vom Netz genommen. Im Gegensatz zu den Briefen, die nur an unsere Kunden gegangen sind und von diesen auch mit persönlichen Anmerkungen und Unterschriften versehen worden sind, war die Web-Aktion frei zugänglich.“ Der Unternehmenssprecher teilte weiterhin mit, dass sich alleine im Rahmen der Brief-Aktion mittlerweile mehr als 140.000 Menschen gegenüber der Unionsfraktion für den Erhalt des Rx-Versandes ausgesprochen haben.

Der Verdacht auf Fälschung liegt übrigens nicht in allen CDU/CSU-Büros vor: Aus mehreren Büros von Abgeordneten aus dem Gesundheitsausschuss hieß es, dass man Testanrufe bei den Anrufern durchgeführt habe – ohne auffälliges Ergebnis. Zeitgleich zu der Postkarten-Kampagne hatte DocMorris übrigens auch seine bestellenden Kunden dazu aufgefordert, Briefe an die Unions-Abgeordneten zu schicken, in denen sie sich gegen das geplante Rx-Versandverbot aussprechen. Dort schrieben die Kunden allerdings eigenhändig ihre Bedenken auf – hier sind Fälschungen also ausgeschlossen.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Postkarten-Aktion zum Rx-Versandverbot

Unionsabgeordnete sind genervt von DocMorris

Daten von DocMorris-Kunden für Protestaktion missbraucht

Mit fingierter Post gegen das Rx-Versandverbot

Protestaktion gegen Rx-Versandverbot

DocMorris wettert gegen Union und Gröhe

Keine weiteren Schritte gegen mittlerweile eingestellte DocMorris-PR-Aktion geplant

CSU-Politiker geben sich zufrieden

Unions-Politiker beraten über etwaige Strafanzeige

Datenmissbrauch bei DocMorris?

3 Kommentare

So nachdem ich ja gelöscht wurde nochmal.

von Andreas Dömling am 22.03.2017 um 13:34 Uhr

Ja ne ist klar, die Internetseite wurde missbraucht. Du"§$ Morris ist sich auch für keine Ausrede zu schade.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Konsequenzen

von Anita Peter am 22.03.2017 um 13:31 Uhr

Hat so ein offensichtlicher Adressmißbrauch keine rechtlichen Kosequenzen?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Dieser Kommentar wurde von der Redaktion aufgrund eines Verstoßes gegen die allgemeinen Verhaltensregeln gelöscht.

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.