Studie zum Honorar

Umfrage sorgt für Irritationen bei Apothekern

Stuttgart - 02.02.2017, 17:30 Uhr

Was genau ist das? Diese Frage stellten sich so einige Apotheker angesichts einer Mail von einer den meisten unbekannten Unternehmensberatung. (Foto: pathdoc / Fotolia)

Was genau ist das? Diese Frage stellten sich so einige Apotheker angesichts einer Mail von einer den meisten unbekannten Unternehmensberatung. (Foto: pathdoc / Fotolia)


Im Rahmen der Studie zur Gestaltung des Apothekenhonorars sind Apotheker in den letzten Tagen aufgefordert worden, an einer Umfrage teilzunehmen. Weder die ABDA noch die befragten Apotheker wussten darüber Bescheid. Das sorgte für Irritationen. Es gab Zweifel an der Seriosität oder die Mail eines unbekannten Absenders wurde vielleicht auch einfach gelöscht. 

Apothekenbefragung@2hm.eu? Nie gehört. Besser nicht öffnen, gleich löschen. Möglicherweise ein Virus oder sonst irgendeine Bedrohung aus dem Internet. So reagierte eigenen Berichten zufolge der eine oder andere Apothekenleiter, als er in den letzten Tagen eine Mail von eben dieser Adresse bekam. Andere fragten in den sozialen Netzwerken nach, wer ebenfalls diese Nachricht bekommen habe und ob das Ganze seriös sei. Schnell kristallisierte sich heraus, was oder genauer, wer dahinter steckt: die Unternehmensberatung „2hm&Associates“, die vom Bundeswirtschaftsministerium mit der Studie zur Gestaltung des Apothekenhonorars beauftragt worden ist.

Doch leider war versäumt worden, die Apotheken zu informieren, dass diesbezüglich etwas zu erwarten ist. Und nicht nur das: Auch mit der Standesvertretung war die Umfrage nicht abgestimmt. So ist die ABDA zwar im Beirat zum Gutachten vertreten, sie wurde aber trotzdem weder über den Inhalt der Umfrage noch über den Adressatenkreis informiert. Den Zeitpunkt erfuhr man erst als die Umfrage schon lief. Am Montag wurden dann die Mitgliedorganisationen via Rundschreiben informiert. Ein denkbar schlechter Start. 

HAV kritisiert die Art und Weise der Durchführung

Die Mitgliedsorganisationen, zum Beispiel der Hessische Apotheker Verband (HAV), haben mittlerweile die Apothekenleiter über den Sachverhalt informiert. In dem Schreiben äußert der Verband Kritik an der Art und Weise, wie vorgegangen wurde. Die habe nämlich dazu geführt, dass Kollegen die Mail-Umfrage als Fälschung oder Internetfalle angesehen hätten, heißt es.

Einem unbekannten Absender – denn den meisten Apothekenleitern sei „2hm&Associates“ vermutlich kein Begriff – vertraue man kaum schützenswerte, betriebsinterne Daten an, vermutet der Verband. Die Irritation der Apotheker sei durch rechtzeitige Information der ABDA leicht zu verhindern gewesen. So wie es nun gelaufen ist, könnte am Ende das Ergebnis unter Umständen nicht repräsentativ sein, so die Befürchtung. Zudem hat man seitens des HAV Bedenken, dass das Ergebnis der Umfrage als Grundlage einer Bewertung der Tätigkeiten in der Apotheke nicht geeignet ist. 

Lässt sich anhand dieser Fragen das Honorar berechnen?

Die Bedenken, ob die zu beantwortenden Fragen „als Grundlage einer Bewertung der Tätigkeiten in der Apotheke“ hilfreich sind, teilen so einige – mit mehr oder weniger deutlichen Worten. Was in den sozialen Netzwerken recht eindeutig mit „kompletter Bullshit“ umschrieben wird, bezeichnet DAZ-Autor Dr. Thomas Müller-Bohn etwas weniger drastisch als „befremdliche Fragen zum Apothekenalltag“. Diese ließen befürchten, dass hinter der Studie ein realitätsfernes Apothekenmodell steht, schreibt er in seiner Analyse.

Die ABDA findet es „auffallend“, dass sich die Umfrage auf Teile der Arzneimittelpreisverordnung bezieht, bei denen Anpassungen im Rahmen des GKV-Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetzes bereits vorgesehen sind und sich zudem das Thema Dokumentationsaufwand allein auf die Betäubungsmittel beschränkt. Auch in Facebook-Foren werden Zweifel geäußert, wie man mit Fragen zur Zeitabschätzungen für Dokumentation und Lagerhaltung ermitteln will, ob beim Apothekenhonorar Anpassungen notwendig sind. Und welche Rolle der Rx-Umsatz dabei spielen soll, ist vielen Kommentatoren ebenfalls schleierhaft.

Einen offenen Boykottaufruf seitens des HAV oder ABDA gibt es allerdings nicht. So wird lediglich darauf hingewiesen, dass die Beantwortung der Fragen freiwillig ist und im Ermessen jedes Einzelnen liegt. Nach eindeutige Aufforderung zur Teilnahme an der Umfrage klingt das aber auch nicht.  


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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2 Kommentare

Umfrage

von Pierre Roer am 02.02.2017 um 22:28 Uhr

Diese Umfrage stand ja schon früher im Verdacht, nur eine "Nebelkerze" und systematische Verzögerungstaktik zu sein.
Dem "Gehalt" der Fragen nach bewahrheitet sich das nun auch. Ich hege deb Verdacht, dass zum Schluss das Ergebnis dieser Studie gegen uns verwendet wird.
Ich werde nicht teilnehmen.

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Aufruf zur Teilnahme

von Armin Spychalski am 02.02.2017 um 20:19 Uhr

Ich möchte dringend zur Teilnahme aufrufen, denn ein Boykott bringt überhaupt nichts. Sicherlich kann man an der Methodik und Qualität der Umfrage (ver)zweifeln. Wer dieser Ansicht ist.. es ist genug Platz für Kommentare, schreibt doch hinein, was Euch bewegt!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

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