Apothekenpläne des BMG

Freie Apothekerschaft fragt nach Rücktritt der ABDA-Spitze

Berlin - 07.01.2019, 12:30 Uhr

Soll die ABDA-Spitze um DAV-Chef Fritz Becker (li.) und ABDA-Präsident Friedemann Schmidt (re.) aufgrund des Versandhandelskonfliktes zurücktreten? Das will der Verein Freie Apothekerschaft wissen. (s / Foto: Schelbert)

Soll die ABDA-Spitze um DAV-Chef Fritz Becker (li.) und ABDA-Präsident Friedemann Schmidt (re.) aufgrund des Versandhandelskonfliktes zurücktreten? Das will der Verein Freie Apothekerschaft wissen. (s / Foto: Schelbert)


Der Protest im Apothekerlager gegen die Pläne von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zur Reformierung des Apothekenwesens nimmt zu. Der Verein Freie Apothekerschaft spricht sich auf seiner Internetseite gegen die geplante Reform aus und bietet eine Umfrage zu dem Thema an. In dieser Umfrage geht es auch um personelle Konsequenzen an der ABDA-Spitze und eine mögliche Demonstration der Apotheker vor dem BMG. Die Ergebnisse sind zumindest bislang eindeutig.

Wie werden sich die Apotheker zu den Apotheken-Plänen von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) positionieren? Eine offizielle Antwort auf diese Frage steht noch aus: Schließlich treffen sich die Kammern und Verbände erst am 17. Januar zur ABDA-Mitgliederversammlung, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Schon jetzt zeigt sich aber, dass insbesondere der von Spahn geplante Boni-Deckel und die geplante Marktanteil-Obergrenze für EU-Versender gar nicht gut an der Apotheker-Basis ankommt.

Das jüngste Beispiel ist die Reaktion des Vereins Freie Apothekerschaft auf die Eckpunkte aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG). Auf seiner Internetseite hat der Verein eine Umfrage veröffentlicht – sie trägt den Titel „Wir wehren uns“. Zur Erklärung der Befragung heißt es: „Wir wehren uns gegen eine Gesundheitspolitik, die ausländische Aktiengesellschaften und internationale Konzerne über die heimischen Apotheken stellt. Wir sammeln Meinungen. Da es bislang keine Umfrage gibt, die die Meinung der Basis widerspiegelt, versuchen wir hiermit, mit wenigen einfachen Fragen eine Tendenz zu ermitteln, auch wenn die Zusammenhänge natürlich komplexer sind.“

Freie Apotheker: Sollte es eine Apotheker-Demo geben?

Die Freien Apotheker, die derzeit in etwa 160 Mitglieder in ganz Deutschland haben, stellen vier Fragen, wobei sich die ersten beiden mit den Eckpunkten des BMG selbst beschäftigen. Konkret wird gefragt, ob die ABDA am Rx-Versandverbot festhalten und den Spahn-Plan ablehnen soll. Auch die Alternative wird abgefragt: Sollen die Apotheker das Angebot vom BMG „annehmen“? Zur Erinnerung: Neben dem Boni-Deckel für EU-Versender hatte der Minister den Apothekern einige Anpassungen und Erhöhungen am Apothekenhonorar versprochen.

Doch der Verein interessiert sich auch für die Konsequenzen der Apotheken-Pläne – genauer gesagt für Konsequenzen innerhalb des Apothekerlagers. So wollen die Freien Apotheker wissen, ob der ABDA-Vorstand zurücktreten soll. Ebenso wird abgefragt, ob aus Sicht der Umfrageteilnehmer eine Demonstration der Apotheker vor dem BMG oder dem derzeitigen Sitz der ABDA Sinn machen würde.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


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2 Kommentare

Konsequenzen

von Hubert Kaps am 08.01.2019 um 9:02 Uhr

Lange Zeit war die ruhige und überlegte, tendenziell im Hintergrund ablaufende Amtsführung der ABDA Spitze durchaus geeignet, den Fortbestand der heilberuflichen, inhabergeführten Apotheke zu organisieren. Der "Wendepunkt" EuGH-Urteil hat die Lage allerdings fundamental geändert. Ein monatelanges Schweigegelübde, verbunden mit intensivsten Verhandlungen im Hintergrund haben einen Plan B hervorgebracht, der mir die Haare zu Berge stehen lässt. Ich meine, jeder muss sich in diesen Tagen hinterfragen, jeder muss überlegen, ob er an der richtigen Stelle sitzt, und die ABDA als Ganzes muss sich fragen, ob sie den Anforderungen gewachsen ist. Mir ist das alles viel zu leise, so funktioniert doch Politik in der Öffentlichkeit nicht.

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Selbstachtung

von Pro Versandverbot am 08.01.2019 um 8:26 Uhr

Fast überall in Europa gilt ein RX-Versandverbot, warum ist es bei uns so problematisch, sich der europäischen Mehrheit anzupassen? Der deutsche Apothekensektor mit seinem RX-Versandverbot erinnert mich an Viktor Orban beim Thema der Flüchtlingsverteilung, immer werden rote Linien gezogen anstatt sich dem europäischen Mehrheitsgefüge anzupassen. Der Apothekerschaft hilft hier niemand, wir müssen an diesem entscheidenden Punkt festhalten und notfalls eben dafür kämpfen und zwar nicht nur mit einem Plakat vor dem BMG...

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