Griechischer Finanzminister

Apotheken nicht das Hauptthema

Berlin - 04.02.2015, 15:45 Uhr


Derzeit tourt der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis durch Europa, um Verbündete für die Pläne einer Umstrukturierung der griechischen Schulden zu finden. In einem Interview mit der „Zeit“ macht er nun deutlich, was seiner Meinung nach das größte Problem in Griechenland ist: Vetternwirtschaft und Korruption. Darum müsse man sich kümmern – und nicht über Öffnungszeiten von Apotheken diskutieren.

Der Arzneimittel- und Apothekenmarkt in Griechenland wurde im vergangenen Jahr radikal liberalisiert: Seit März 2014 können OTC-Arzneimittel auch im Supermarkt und an Tankstellen verkauft werden. Außerdem wurde das Mehr- und Fremdbesitzverbot abgeschafft. Apothekenketten, betrieben von Kapitalgesellschaften, sind seitdem zugelassen. Ob sich daran etwas ändert, bleibt abzuwarten. Zuletzt hieß es, der Sparkurs bei Arzneimitteln solle gelockert werden. Doch aus Sicht des griechischen Finanzministers liegen hier nicht die größten Probleme des Landes.

Im „Zeit“-Interview versicherte er, sein Land wolle Reformen umsetzen. Er habe die OECD gebeten, Griechenland zu helfen, ein Reformprogramm zusammenzustellen. Deutschland müsse verstehen, dass es keine Abkehr vom Reformkurs bedeute, „wenn wir einem Rentner, der von 300 Euro im Monat lebt, zusätzlich 300 Euro im Jahr geben“, erklärte er. „Wenn wir von Reformen sprechen, dann sollten wir über Kartelle reden, über reiche Griechen, die kaum Steuern bezahlen.“ Das Hauptproblem in Griechenland sei das „System der Vetternwirtschaft und Korruption“ – nicht ohne Grund koste ein Kilometer Autobahn in Griechenland dreimal so viel wie in Deutschland. „Darum müssen wir uns kümmern. Stattdessen debattierten wir über Öffnungszeiten von Apotheken.“


DAZ.online


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