Kommentar

Internistischer Polypharmazie-Check mit freundlicher Unterstützung von…

Stuttgart - 20.10.2014, 18:15 Uhr


Auch die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin hat erkannt, dass die Menschen immer älter werden, folglich die Multimorbidität zunimmt und die Arzneimitteltherapie immer komplexer wird. Und weil die Behandlung mit Arzneimitteln zentraler Bestandteil der Inneren Medizin ist, sieht sich jetzt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin in der Pflicht, Haus- und Fachärzte in Sachen Arzneimitteltherapie-Management aktiv zu unterstützen. Ein Kommentar.

In einem soeben verabschiedeten Positionspapier der DGIM mit dem Titel „Beitrag zur Verbesserung von Arzneimitteltherapiesicherheit und Koordination der Arzneimitteltherapie“ ist zu lesen, dass die DGIM sich in der Verantwortung sieht, Haus- und Fachärzte in Sachen Koordination der Arzneimitteltherapie und Optimierung der Arzneimitteltherapiesicherheit aktiv zu unterstützen. Die DGIM bringe dazu – unter anderem wegen der besonderen Expertise der Internisten in der Arzneimitteltherapie – die bestmögliche Voraussetzung mit.

Eine eigens eingerichtete DGIM-Arbeitsgruppe „Arzneimitteltherapie-Management und AMTS“ unter Leitung von Prof. Dr. med. Daniel Grandt, Chefarzt der Inneren Medizin I am Klinikum Saarbrücken, will die Voraussetzungen einer sicheren Arzneimitteltherapie definieren. Zudem will man Konzepte für die Abstimmung und Priorisierung von Arzneimitteltherapie bei Multimorbidität entwickeln, unter anderem zur strukturierten Prüfung von Polypharmazie.

Spätestens jetzt sollte Kennern der Szene ein Licht aufgehen. Professor Grandt ist im Saarland kein Unbekannter. Als Leiter des wissenschaftlichen Beirats der Firma RpDoc Solutions GmbH, Saarbrücken, mit seiner Ehefrau Simone Grandt als geschäftsführender Gesellschafterin, hat er engste Beziehungen zu einem Unternehmen, das laut Homepage seit nunmehr zehn Jahren Softwareprodukte zur Optimierung des Arzneitherapieprozesses und der Arzneimitteltherapiesicherheit für den ambulanten, stationären und Sektor-übergreifenden Einsatz entwickelt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Es ist sicher auch nicht völlig abwegig, zu vermuten, dass die Aktivitäten der Apotheker in Sachen Medikationsanalyse und Medikationsmanagement jetzt die DGIM bzw. Professor Grandt auf den Plan gerufen haben. Es gilt zu retten, was noch zu retten ist! Deshalb wird die besondere Arzneimitteltherapie-Expertise der Internisten betont. Mit Unterstützung der DGIM bzw. RpDoc Solutions werden sie schon alle Probleme der Polypharmazie lösen. Ohne Frage: Ärzte und damit auch Internisten sind Therapiespezialisten. Doch in Sachen Arzneimitteltherapiesicherheit werden sie ganz schnell an ihre Grenzen stoßen, wenn es sich um so irdische Probleme wie den Umgang mit Arzneimittelverpackungen oder die richtige Anwendung unterschiedlicher Darreichungsformen handelt. Hier sind Apotheker die Experten.

Zudem ist ihr Wissen um Arzneistoffe und deren Wirkungen, Nebenwirkungen und Interaktionen schon aufgrund der Ausbildung wesentlich umfassender als das eines Mediziners. Wer in Sachen Medikationsmanagement die Arzneimittel-Experten, also die Apotheker, außen vor lässt, lässt die Patienten mit ihren tatsächlichen Arzneimittel-bezogenen Problemen im Regen stehen und verzichtet allzu häufig auf eine wertvolle andere Perspektive, die die Arzneimitteltherapie der Patienten verbessern könnte.

Die ABDA hat in ihrem Grundsatzpapier eindeutig klargestellt, dass die Medikationsanalyse und das Medikationsmanagement pharmazeutische Dienstleistungen sind. Medikationsmanagement baut auf einer Medikationsanalyse auf und beinhaltet eine kontinuierliche Betreuung durch ein multiprofessionelles Team, zu dem neben Apotheker und Arzt auch Pflegekräfte gehören können. An den hochqualifizierten Apothekerinnen und Apothekern führt damit an dieser Stelle kein Weg vorbei. Das sollten alle, die für das Wohl der Patienten verantwortlich sind, beherzigen. Sie sollten gemeinsam tragfähige Konzepte für das interdisziplinäre Zusammenspiel  entwickeln – und sie sollten sich nicht von anderen Interessen leiten lassen.


Dr. Doris Uhl


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