Abrechnungsbetrug

KKH fordert 1,6 Millionen Euro von Apothekern zurück

Berlin - 28.03.2014, 10:20 Uhr


Der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) entstand im vergangenen Jahr der bislang höchste Schaden durch Betrugsfälle. Insgesamt forderte die KKH 2,1 Millionen Euro von Ärzten, Apothekern, Therapeuten und anderen Leistungserbringern aus dem Gesundheitswesen. Rund 1,6 Millionen Euro des Gesamtbetrages entfallen dabei auf die Apotheker.

Ein Apotheker habe – vorwiegend bei teuren Arzneimitteln – regelhaft die Abgabemenge auf Verordnungen handschriftlich erhöht, sagte ein Sprecher der KKH zu DAZ.online. Auf diese Weise sei ein erheblicher Schaden verursacht worden. Der Schaden dieses Betrugs könne zwar noch nicht beziffert werden, dürfte aber beträchtlich sein. Durch die Erhöhung der Abgabemenge auf einem Rezept seien beispielsweise statt knapp 5000 Euro fast 15.000 Euro abgerechnet worden.

Weitere 600.000 Euro Schaden gehen unverschuldet auf das Konto der Apotheker, da Ärzte in einem Medizinischen Versorgungszentrum jahrelang stark überhöhte Röntgenkontrastmittel abgerechnet hätten. Hier ginge es zwar um ein Fehlverhalten des Arztes, erklärt der KKH-Sprecher, da Röntgenkontrastmittel jedoch in den Leistungsbereich der Apotheke fielen, werde dieser finanzielle Schaden dem Bereich Apotheke zugeordnet.

Die ambulanten Pflegedienste belegten mit 144.000 Euro Schadenshöhe Platz zwei. Der Einsatz von nicht-qualifiziertem Personal sei hier beliebt – dieser Betrug habe „nicht nur finanzielle Dimensionen, sondern setzt oft die Gesundheit der betroffenen Patienten aufs Spiel“. Auf Platz drei der Schadenshöhen folgte schließlich der Krankenhausbereich mit 96.000 Euro. Ein Krankenhaus habe beispielsweise regelmäßig implantierte künstliche Kniegelenke abgerechnet, obwohl jeweils nur ein künstlicher Meniskus eingesetzt worden sei. Der hieraus entstandene Schaden für die Krankenkasse belief sich auf 4000 Euro. Eine Strafanzeige sei bereits erstattet.

Insgesamt deckte die Krankenkasse im vergangenen Jahr 566 Betrugsfälle auf. In 21 Fällen erstattete die KKH Strafanzeige – Apotheken seien hiervon nicht betroffen, teilte der KKH-Sprecher DAZ.online mit. Die meisten Betrugsfälle fanden mit 240 Fällen bei den Krankengymnasten/Physiotherapeuten statt, gefolgt von der Ambulanten Pflege (88 Fälle) und den Apotheken (44 Fälle). Betrugsfälle im Bereich Ärztlicher Leistungen belegten mit 37 Fällen Platz vier, Orthopädische Hilfsmittel/Sanitätshäuser Platz fünf (31 Fälle).


Annette Lüdecke


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