Abrechnungsbetrug

KKH holt sich 440.000 Euro zurück

Berlin - 03.03.2016, 11:10 Uhr

Das KKH-Ermittlerteam holte 2015 auch von Apotheken erkleckliche Summen zurück. (Foto: designsoliman/Fotolia)

Das KKH-Ermittlerteam holte 2015 auch von Apotheken erkleckliche Summen zurück. (Foto: designsoliman/Fotolia)


Apotheker haben im vergangenen Jahr für den größten Schaden bei der KKH Kaufmännische Krankenkasse gesorgt. Die Rede ist von 588.000 Euro, die insbesondere durch „Luftrezepte“ zusammengekommen sind.

Jahr für Jahr präsentiert die KKH bei einer Fachtagung zum Betrug im Gesundheitswesen die Bilanz ihres Ermittlerteams, das sich auf Abrechnungsbetrügereien konzentriert. Für 2015 meldet sie einen Schaden von 1,4 Millionen Euro – im Jahr zuvor waren es 1,1 Millionen Euro. 440.000 Euro liefen laut Kassenchef Ingo Kailuweit zu ihr zurück . Den größten Teil ordnet die Kasse den Apotheken zu – knapp 588.000 Euro. Dieser Schaden sei unter anderem durch so genannte Luftrezepte entstanden, die mit der Krankenkasse abgerechnet wurden, ohne tatsächlich einem Patienten Arzneimittel auszuhändigen.

323.000 Euro betrug die Schadenssumme im Bereich der ambulanten Pflege. Hier verweist die Kasse auf ein Bespiel, in dem ein Pflegedienst Gelder erschlichen hat, indem er Pflegedienstnachweise fälschte und Dienstpläne für Mitarbeiter erfand. Auf Platz drei bei der Schadenshöhe folgen Krankengymnasten und Physiotherapeuten, die zum Beispiel nicht erbrachte Leistungen abgerechnet haben.  

287 neue Fälle

Das KKH-Ermittlerteam griff im vergangenen Jahr bundesweit 287 neue Fälle auf. Davon betrafen die meisten Physiotherapeuten (138). Mit 43 Fällen rangierte der Bereich der ambulanten Pflege auf Platz zwei und Apotheken mit 26 Fällen auf Rang drei. In zwölf der neuen Fälle ging es um zahnärztliche Leistungen, in jeweils elf um ärztliche Leistungen und solche im Krankenhaus.

Allerdings erstatteten die Ermittler nur in zwölf Fällen Strafanzeige. Das ist ein klarer Rückgang gegenüber 2014 als die Kasse noch 343 neue Fälle aufgedeckt und 51 Anzeigen gestellt hatte. KKH-Chef Kailuweit betont, dass die Betrüger nach wie vor eine Ausnahme sind. Aber: „Leider werfen einige schwarze Schafe durch ihr illegales Verhalten einen Schatten auf eine Branche, in der 99 Prozent aller dort Tätigen nach bestem Wissen und Gewissen ihre Patienten heilen wollen“.

Warten auf das Anti-Korruptionsgesetz

Doch es ist nicht nur Abrechnungsbetrug, mit dem das Gesundheitswesen zu kämpfen hat. Auch die Korruption ist als Problem ausgemacht – und seit geraumer Zeit ist deshalb ein Gesetz in Planung. Derzeit stockt das Gesetz gegen die Korruption im Gesundheitswesen im parlamentarischen Verfahren. KKH-Chef Kailuweit mahnt daher: „Es wird höchste Zeit, dass das Anti-Korruptionsgesetz endgültig verabschiedet und somit eine fast vierjährige Gesetzeslücke endlich geschlossen wird.“


Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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