Arzneimittelversorgung

PKV: Große Unterschiede zur GKV

Berlin - 19.03.2014, 10:17 Uhr


In der Arzneimittelversorgung lassen sich nach Ansicht der Privaten Krankenkassen deutliche Unterschiede zur GVK feststellen. Die aktuelle Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) „Arzneimittelversorgung von Privatversicherten 2012“ belege, dass PKV-Versicherten weniger Generika und häufiger innovativere Arzneimittel verordnet werden. Aus Sicht der PKV belegt die Studie somit, dass „der Arzt eine echte Wahlmöglichkeit“ besitze und nicht an Rabattverträge, Richtlinien und Rahmenvereinbarungen gebunden sei.

Unterschiede zeigten sich beispielsweise in der Verordnungspraxis der „Neuen oralen Antikoagulanzien“, deren Therapiekosten 17mal höher lägen als die von „Vitamin-K-Antagonisten“, heißt es in einer internen PKV-Bewertung zur Studie. Laut WIP-Studie entfallen etwa 20 Prozent aller Verordnungen der „Neuen oralen Antikoagulanzien“ auf Privatversicherte, obwohl sie nur 11,4 Prozent der Bevölkerung ausmachen.

Bei einer Reihe von Wirkstoffen gebe es für GVK-Versicherte Verordnungshöchstquoten. Diese führten beispielsweise in der GKV zu einem rationierten Verordnungsverhalten bei innovativen Blutdrucksenkern, den Angiotensin-II-Antagonisten. Als Folge entfielen bei den entsprechenden blutdrucksenkenden Mitteln in der PKV 72,5 Prozent auf die Angiotensin-II-Antagonisten, während deren Anteil in der GKV nur bei 27,5 Prozent liege. Weil es für PKV-Versicherte keine Festbeträge für Arzneimittel gebe, führe dies beispielsweise in der PKV zu deutlich höheren Verordnungszahlen des inhalativen Glucocorticoids Alvesco®. Für Alvesco® könnten laut WIP-Studie in der PKV im Vergleich zur GKV auf die Versichertenzahl bezogen 5,6mal mehr Verordnungen festgestellt werden. 

Trotz der für GKV- und PKV-Versicherte einheitlichen Erstattungspreise für neue Arzneimittel resultiere daraus keineswegs die gleiche Verordnungspraxis. Dies zeige beispielhaft die Verordnungspraxis beim teuren Prostatakrebsmedikament Zytiga®, dem der Gemeinsame Bundesausschuss einen beträchtlichen Zusatznutzen attestiert habe. Hier entfielen im Jahr 2012 20,5 Prozent der abgegebenen Packungen dieses Präparates auf Privatversicherte. Die Zahl der zulasten der PKV abgerechneten Verordnungen von Zytiga® habe je Versicherten etwa doppelt so hoch gelegen wie in der GKV.

Laut WIP-Studie hat die unterschiedliche Verordnungspraxis aber auch deutlich höhere Kosten für die PKV zur Folge: Der durchschnittliche Preis einer Arzneimittelverordnung lag im Jahr 2012 für Privatversicherte mit 44,45 Euro um 13 Prozent höher als für GKV-Versicherte mit 39,33 Euro. Zwar erhöhte sich laut WIP-Studie die Generikaquote in der PKV inzwischen auf 57,3 Prozent. Die PKV-Generikaquote bleibe jedoch nach wie vor weit unter dem GKV-Wert (93,8 %). Die Generikaquote des Cholesterinsenkers Atorvastatin lag im Jahr 2012 bei der PKV beispielsweise bei 22,9 Prozent, in der GKV jedoch bei 92,2 Prozent. Bei allen betrachteten Wirkstoffen liegt die Generikaquote in der GKV höher als in der PKV.

Das umsatzstärkste Medikament in der PKV ist wie in den Vorjahren Sortis (Atorvastatin). Infolge des Patentablaufes von Atorvastatin sanken die PKV-Ausgaben hier jedoch um 21,0 Prozent (-10,6 Mio. Euro). Wichtigste Ausgabengruppe bleibt – trotz der Patentabläufe von Candesartan und Irbesartan – die Gruppe der Medikamente mit Wirkung auf das Renin-Angiotensin-System. Hohe Ausgabensteigerungen (+15,9 Mio. Euro) sind bei den „neuen oralen Antikoagulanzien“ Xarelto (Rivaroxaban) und Pradaxa (Dabigatran) sowie bei Lucentis (Ranibizumab) festzustellen. Steigende Ausgaben gegenüber 2011 sind jedoch auch für antivirale Medikamente (vor allem antiretrovirale Präparate bei HIV-Infektionen) und für Medikamente zur endokrinen Therapie (z. B. das Antiandrogen Abirateron [Zytiga®] bei Prostatakrebs und Aromatasehemmer bei Brustkrebs) festzustellen. In einem längeren Beobachtungszeitraum (2007 bis 2012) können laut WIP als Kostentreiber vor allem Rheumamedikamente und Antidiabetika identifiziert werden.


Lothar Klein


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