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PKV gibt mehr für neue Arzneien aus

Daten zur Arzneimittelversorgung 2013 ausgewertet

BERLIN (ks) | Die PKV hat im Jahr 2013 für Arzneimittel 2,59 Milliarden Euro ausgegeben. Gegenüber dem Vorjahr ist dies ein Anstieg um 130 Millionen Euro bzw. 5,3 Prozent. Dies geht aus einer ­aktuell veröffentlichten Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) hervor. Die Gründe für den Anstieg sind vielfältig. Eine Ursache fällt allerdings flach: gesetzliche Vorgaben. Insbesondere wurde der für privat wie für gesetzliche Kassen gleichermaßen geltende ­gesetzliche Herstellerrabatt erst 2014 reduziert.

Die meisten Steuerungsinstrumente, die der GKV im Arzneimittelbereich zur Verfügung stehen, gelten für die privaten Versicherer nicht. Immerhin: Preismoratorium, Herstellerzwangsrabatt und auch die Erstattungsbeträge neuer Arzneimittel wurden in jüngerer Zeit auch auf die PKV-Unternehmen übertragen. Aber Rabattverträge beispielsweise haben für die Privaten keinen Sinn, da für Apotheken selbst bei Bestehen eines solchen Vertrages, keine Abgabeverpflichtung besteht. Unter diesen Umständen ist es für Pharmaunternehmen wenig interessant, einen Rabatt anzubieten. Doch die privaten Kassen spüren auch die wenigen Sparinstrumente, die sie sich mit der GKV teilen: Ohne den gesetzlichen Herstellerabschlag hätten die Arzneimittelausgaben 2013 bei 2,8 Milliarden Euro gelegen, so die WIP-Studie. Durch diesen Abschlag habe die PKV ihre Arzneimittelausgaben um 204 Millionen Euro gegenüber 2012 verringern können. Die Höhe des gesetzlichen Herstellerrabatts, der über ZESAR für ­Privatversicherte eingezogen wird, sei aber noch höher, da der Rabatt, den die Beihilfestellen erhalten, noch hinzugerechnet werden müsse. Dazu lägen aber keine Daten vor.

Neue Arzneimittel spielen größere Rolle

Ein Grund für die deutlich stärker als in der GKV gestiegenen Arzneimittelkosten ist, dass Medikamente, denen der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) im Rahmen der Nutzenbewertung, einen beträchtlicher Zusatznutzen attestiert hat, in der PKV eine deutlich größere Rolle spielen. So lag der durchschnittliche Marktanteil der Privatversicherten bei den neuen ­Medikamenten des 2013er Jahrgangs bei 15,7 Prozent. Das ist insofern ­bemerkenswert, als Privatversicherte in der Gesamtbevölkerung nur einen Anteil von 11,3 Prozent haben. Für die Medikamente mit beträchtlichem Zusatznutzen aus den Jahren 2011 bis 2013 ergibt sich ein PKV-Marktanteil von 16,2 Prozent, bei denen mit geringem Zusatznutzen von 14,2 Prozent. Der PKV-Marktanteil für Medikamente ohne Zusatznutzen liegt bei 11,1 Prozent. Bei Letzteren besteht damit kein wesentlicher Unterschied zwischen PKV und GKV.

Das umsatzstärkste Medikament in der PKV war 2013 erstmals der TNF-alpha-Inhibitor Humira® (Adalimumab). Die PKV-Ausgaben für den vor allem in der Rheumatherapie eingesetzten monoklonalen Antikörper lagen im Jahr 2013 bei 32,6 Millionen Euro. Auch in der GKV ist Humira® das Präparat mit den höchsten Nettokosten (669,5 Mio. Euro). GKV- wie PKV-Versicherte bekommen es etwa gleichermaßen verordnet: Der Marktanteil von Humira® im PKV-Markt lag 2013 bei 10,2 Prozent. Anders sieht es bei den nachplatzierten Präparaten aus: Rang zwei nimmt Xarelto® (Rivaroxaban) ein. Der Umsatz von 27,2 Millionen Euro bedeutet ein Plus von 172,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und: Die Privatpatienten haben einen Anteil von 16,4 Prozent am Gesamtumsatz. Die Umsätze von Lucentis® (Ranibizumab) – Platz drei des Rankings – mit der PKV umfassen sogar ein Drittel des Gesamtumsatzes in Deutschland. Interessant ist auch der fünfte Platz: Den nimmt der Cholesterinsenker Sortis (Atorvastatin) ein, der in den letzten Jahren auf Platz eins zu finden war. Doch infolge des 2012 abgelaufenen Patentschutzes sanken die PKV-Ausgaben für Sortis um 39,7 Prozent auf 21,7 Millionen Euro – 94 Prozent des Sortis®-Umsatzes werden mit Privatpatienten gemacht. In der GKV spielt das ­Pfizer-Medikament praktisch keine Rolle mehr.

Generika haben es schwer

Generika haben es hingegen schwer in der PKV: Betrachtet man die 100 umsatzstärksten generikafähigen Wirkstoffe des Jahres 2013, lag die Generikaquote in der PKV in dem besagten Jahr bei 60,1 Prozent. Das sind aber immerhin 2,8 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Als Folge der höheren ­Generikaquote im Vergleich zu 2012 habe die PKV ihre Arzneimittelausgaben um zusätzliche 52,9 Mio. Euro verringern können, heißt es in der Studie. Zum Vergleich: In der GKV lag die Generikaquote bei den gleichen Wirkstoffen bei 93,9 Prozent.

Zusätzliche Kosten im Vergleich zur GKV bescheren den Privaten auch nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel. Sie hatten 2013 einen Anteil von 35,2 Prozent an allen Verordnungen in der PKV. Das umsatzstärkste OTC-Präparat war – wie im Vorjahr – Tebonin (Ginkgo biloba). Auf Platz zwei rangiert das bei Mangelernährung eingesetzte Fresubin (6,3 Mio. Euro Umsatz). Den dritten Platz belegt Sinupret gegen Sinusitis mit einem Umsatz von 4,5 Millionen Euro. |

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