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PKV auf der Suche nach mehr Effizienz

BERLIN (ks). Nicht nur die gesetzlichen Krankenkassen klagen über steigende Arzneimittelkosten – den privaten Versicherern geht es nicht viel besser. Allerdings war hier bislang die Datenlage rar; detailliert nach Leistungsbereichen aufgeschlüsselte Ausgaben ließen sich kaum finden. Nun hat das Wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) eine Publikation zur Arzneimittelversorgung Privatversicherter 2008 vorgelegt. Die Erkenntnis: Kein anderer Posten steigt in der PKV so stark wie der Arzneimittelbereich – die Privaten sind gefragt, sich zu überlegen, wo sie Einsparpotenziale finden und nutzen können.

Datengrundlage der WIP-Studie bilden die Arzneimittelverordnungen des Jahres 2008 von neun PKV-Unternehmen, die zusammen 57 Prozent aller Privatkrankenversicherten versichern. Die Auswertung kommt zu dem Ergebnis, dass die PKV 2008 rund 2,22 Mrd. Euro für Medikamente ausgegeben hat. Gegenüber dem Vorjahr ist das pro Versichertem ein Plus von 7,5 Prozent. Dabei sind die Kosten, die von einem Beihilfeträger übernommen werden, nicht enthalten. In der GKV stiegen die Ausgaben im selben Zeitraum um 5,3 Prozent auf etwa 29,2 Mrd. Euro. Der Anteil der Arzneimittel an den Gesamtkosten betrug in der PKV 2008 lediglich 11,4 Prozent, in der GKV waren es 18,2 Prozent. Der niedrigere Anteil ist allerdings vor allem eine Folge der deutlich höheren Bedeutung der ärztlichen Honorare: Ihr Anteil von 25,3 Prozent (GKV: 15,1 Prozent) schmälert die Anteile anderer Ausgabenanteile deutlich.

Unterschiede in der Versichertenstruktur

Bedenkt man, dass bei den Privaten rund 8,6 Millionen Menschen vollversichert waren, in der GKV dagegen rund 70 Millionen, sind die Pro-Kopf-Ausgaben der Privaten zwar geringer. Zu berücksichtigen ist dabei aber auch die völlig andere Versichertenstruktur der beiden Versicherungszweige. So lag beispielsweise das Durchschnittsalter der Privatversicherten 2008 bei 41,2 Jahren, das der GKV-Versicherten bei 42,7 Jahren. Zudem waren in der PKV nur 2 Prozent älter als 80 Jahre, in der GKV sind es 4,2 Prozent.

Kassenschlager Tebonin und Sortis

Anders als die gesetzlichen Kassen bezahlen die privaten auch weiterhin für nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel. Die OTC-Präparate machten 2008 ein gutes Drittel (36,6 Prozent) der PKV-Rezepte aus. Allerdings lag ihr Umsatzanteil bei vergleichsweise bescheidenen 14,8 Prozent. Spitzenreiter nach Umsatz ist hier Tebonin, nach Verordnungsmenge Aspirin. Insgesamt bereiten die rezeptfreien Mittel den privaten Kassen jedoch weniger Probleme. Die Unternehmen bedrücken eher die verschreibungspflichtigen Arzneimittel. Auf sie entfielen 92 Prozent des Umsatzanstiegs 2008. Am umsatzstärksten war hier der Cholesterinsenker Sortis, der in der GKV kaum mehr eine Rolle spielt. Das am häufigsten verordnete Rx-Arzneimittel ist in der PKV Voltaren.

51 Prozent Generikaquote

Grundsätzlich zeigen diverse Berechnungen des WIP zur Innovationsquote, dass in der PKV etwas häufiger neue Arzneimittel verordnet werden als in der GKV. Allerdings ist der Unterschied nicht ganz so auffällig, wie man vielleicht erwartet hätte. Was die Privaten wirklich teuer zu stehen kommt, ist die vergleichsweise geringe Generikaquote. So war 2008 im generikafähigen Markt der umsatzstärkste Wirkstoff Clopidogrel, obwohl der Patentschutz in diesem Jahr ausgelaufen war. Insgesamt lag bei den 100 umsatzstärksten generikafähigen Wirkstoffen in der PKV die Generikaquote bei 51 Prozent (nach Verordnungen). Das ist zwar eine Steigerung gegenüber 2007 (46 Prozent). Doch von der knapp 90-prozentigen Quote, die in der GKV erreicht werden konnte, sind die privaten Kassen noch weit entfernt.

Was die PKV-Unternehmen nun mit dieser Situationsanalyse anfangen, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Sie müssen sich um mehr Effizienz in der Arzneimittelversorgung bemühen. Einige versuchen dies bereits mithilfe von Rabattverträgen. Allerdings fehlt den privaten – anders als den gesetzlichen – Kassen das nötige Instrumentarium, um diese Verträge scharf zu stellen. Hier ist kein Apotheker verpflichtet, die ärztlich verordneten Wirkstoffe mit einem rabattierten Präparat zu bedienen. Neue Ideen sind daher gefragt, will die PKV ihre Ausgaben im Zaum halten.

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