Apothekenlandschaft

Studie: Flächendeckende Versorgung gesichert

Berlin - 29.01.2014, 10:36 Uhr


Aus Sorge um die ländliche Infrastruktur hat die Union den Apothekenbus in ihr Wahlprogramm geschrieben. Versender DocMorris trieb letzten Herbst den Blutdruck einiger Pharmazeuten mit der Deutschlandtour eines grün-weißen Prototyps in die Höhe. Jetzt stellt sich in einer Studie quasi amtlich heraus: Es gibt keine Versorgungslücken in der Arzneimittelversorgung. Die wohnortnahe Erreichbarkeit öffentlicher Apotheken ist flächendeckend gewährleistet.

„Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass, obwohl in Deutschland die Anzahl der Apotheken seit 2003 stetig zurückgeht und die Apothekendichte in Deutschland leicht unter dem europäischen Durchschnitt liegt, im Durchschnitt eine öffentliche Apotheke innerhalb von 4 Minuten PKW-Fahrzeit erreicht wird“, heißt es dort. Die Studie ist die erste bundesweite Untersuchung der Versorgung mit öffentlichen Apotheken. Forscher Dr. Stefan Neumeier hat dazu über die gesamte Bundesrepublik ein Raster von 250 Meter Kantenlänge gelegt und die Entfernung zur nächsten Apotheke berechnet.

Allerdings erwiesen sich die Standesvertretungen der Apothekerschaft bei der Erarbeitung der Untersuchung nicht besonders kooperativ: Auf die online verfügbare Datenbank geocodierter Apothekenadressen verweigerte die ABDA Neumeier „aus nur schwer nachvollziehbaren Datenschutzbedenken“ den Zugriff. Über einen Kontakt zur Pressestelle der ABDA sei er nicht hinausgekommen, so Neumeier. „Auch die Landesverbände lehnten größtenteils eine Datenbereitstellung aus Datenschutzbedenken ab“, heißt es in der Studie.

Insgesamt zeichnet die Untersuchung das Bild einer guten und flächendeckend gesicherten Arzneimittelversorgung in Deutschland. Probleme gibt es allerdings in einigen Regionen Ostdeutschlands.

Es gebe „sehr wohl Regionen, v. a. in ländlichen Räumen, bei denen Entfernungen größer als 15 km in Kauf genommen werden müssen, um die dem Wohnort nächstgelegene öffentliche Apotheke zu erreichen.“ Dies betreffe aber nur „einen sehr kleinen Anteil von ca. 0,16 % der Bürger“. Auffällig seien gemäß dem Erreichbarkeitsmodell insbesondere die flächendeckenden suboptimalen Apothekenerreichbarkeiten in Orten und Ortsteilen in den Bundesländern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sowie im nordöstlichen Sachsen Anhalt.

Obwohl öffentliche Apotheken relativ gut mit dem PKW erreicht werden können, zeigt die Untersuchung aber, dass eine wohnortnahe fußläufige Erreichbarkeit von unter 15 Minuten Gehweg insbesondere in ländlichen Räumen nur für einen geringen Anteil der Bevölkerung gegeben ist. Auf dem Land sind die Gehwege für 90 Prozent der Bewohner länger als 15 Minuten. Auch knapp die Hälfte der Stadtbewohner muss länger als 15 Minuten zur nächsten Apotheke laufen. Die Studie kommt zu dem Fazit, „dass derzeit in Deutschland insgesamt gesehen die wohnortnahe Erreichbarkeit öffentlicher Apotheken flächendeckend gewährleistet ist“. 


Lothar Klein


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