USA

Novartis wegen Kickbacksystem vor Gericht

New York - 29.04.2013, 09:29 Uhr


Novartis steht in den USA derzeit gleich mehrfach vor Gericht: Die New Yorker Staatsanwaltschaft klagt den Schweizer Pharmakonzern wegen eines Multimillionen-Kickbacksystems mit Apothekern an. Außerdem soll die US-Tochter Schmiergelder an Ärzte bezahlt haben, damit diese Novartis-Medikamente, die von den staatlichen Krankenversicherern zurückvergütet werden, an Patienten verschreiben.

Demnach soll Novartis an 20 oder mehr Apotheken Kickbacks in Form von Rabatten und Ermäßigungen gegeben haben, damit diese an Patienten das Medikament Myfortic® anstelle eines Konkurrenzmedikamentes und/oder eines Generikums abgeben. Laut Anklage haben die staatlichen Krankenversicherungen Medicare und Medicaid dadurch mehrere zehn Millionen US-Dollar an Vergütungen basierend auf falschen, auf dem Kickbacksystem beruhenden Forderungen ausbezahlt. Die Staatsanwaltschaft fordert entsprechend Schadensersatzzahlungen und eine Buße.

Novartis habe mit den Zahlungen die Unabhängigkeit von Apotheken verletzt und diese zu Verkäufern eines ihrer Medikamente gemacht, sagte US-Staatsanwalt Preet Bharara. Und dadurch, dass dieses Vorgehen vor Ärzten, Patienten und dem staatlichen Gesundheitsprogramm versteckt gehalten worden sei, habe die Öffentlichkeit viele Millionen Dollar zu viel bezahlt. Novartis sei außerdem ein Wiederholungstäter, da der Konzern vor weniger als drei Jahren Zahlungen wegen ähnlicher Vergehen habe leisten müssen.

Im zweiten Verfahren geht es um die Bluthochdruck-Medikamente Lotrel® und Valturna® sowie das Diabetes-Medikament Starlix® und andere Herzgefäß-Medikamente. Die Staatsanwaltschaft fordert auch in diesem Fall Schadenersatzzahlungen und eine Buße. Laut Anklage hat Novartis die eigenen Richtlinien in Bezug auf Ärzte-Kongresse (sogenannte Speaker-Programme) verletzt, bei denen über gewisse Krankheiten referiert wird. Gemäß diesen Richtlinien müssten solche Anlässe eine erzieherische Funktion haben und der Firmenname müsste in den gezeigten Slides genannt werden.

Novartis habe aber Ärzte dafür bezahlt, dass sie über die genannten Medikamente an Veranstaltungen gesprochen hätten, die „wenig oder nichts mehr“ als gesellschaftliche Anlässe gewesen seien. Die Bezahlungen und die großzügigen Essen, zu denen die Ärzte eingeladen worden seien, seien in Wirklichkeit Schmiergeldzahlungen an die Referenten und Anwesenden gewesen, um sie zur Verschreibung von Novartis-Medikamenten zu veranlassen. In vielen Fällen habe Novartis Zahlungen für Auftritte geleistet, die entweder gar nicht stattgefunden hätten oder bei denen nur wenige Zuhörer dabei gewesen seien. Zudem seien bei tausenden dieser Anlässe über das ganze Land keine Slides mit dem Firmennamen gezeigt worden, und die anwesenden Ärzte hätten nur wenig oder gar nicht über die zur Diskussion stehenden Medikamente gesprochen.


dpa-AFX/DAZ.online