Usutu-Virus

Erneutes Amselsterben im Sommer erwartet

Hamburg - 11.05.2012, 12:03 Uhr


Die Vogelexperten des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) rechnen im bevorstehenden Sommer bei Amseln wieder mit Todesfällen durch das Usutu-Virus, ein Virus aus der Gattung Flavivirus.

Im Sommer 2011 kam es in Deutschland erstmals zu einem Ausbruch des durch Stechmücken übertragenen Usutu-Virus und einem dadurch verursachten Massenvogelsterben in der Rheinebene und angrenzenden Gebieten. In den toten Amseln identifizierten Virologen das tropische Virus.

Bereits im Frühjahr hat das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg erneut tote Amseln aus Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz zur Untersuchung auf das tropische Usutu-Virus erhalten. Bisher fielen alle Testergebnisse bei den Vögeln negativ aus. Auf Usutu-Viren positiv getestet wurden jedoch überwinternde Stechmücken. Somit können im Frühsommer wieder Amseln in Deutschland infiziert werden. Ein Ausbruch sei abhängig von der Witterung im Spätfrühjahr oder Sommer zu erwarten, so die Wissenschaftler des Bernhard-Nocht-Instituts, des NABU und der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage/Universität Heidelberg. Je nach Stechmückenbestand könne das Usutu-Virus auch auf Vögel weiterer benachbarter Gebiete übertragen werden.

Gemeinsam fordern die Wissenschaftler jetzt die Bevölkerung auf, tote Vögel zu melden und die Überträgermücke zu bekämpfen. Das interdisziplinäre Expertenteam hofft damit, den Ausbruch zunächst geografisch eingrenzen zu können.

Vom 11. bis 13. Mai 2012 können sich Vogelfreunde über die NABU-Mitmachaktion „Stunde der Gartenvögel“ an der bundesweiten Bestandserfassung häufiger Vogelarten wie der Amsel beteiligen. Vogelfreunde quer durch die Republik werden aufgerufen, eine Stunde lang alle Vögel zu notieren und dem NABU zu melden. Durch die Vogelzählung soll der Bestandsrückgang nach dem Amselsterben im Sommer 2011 erstmals mit Zahlen belegt werden. Mehr Informationen: http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/stundedergartenvoegel/index.html. Der NABU bietet weitere Informationen und ein Meldeformular über seine Website www.nabu.de an.


Dr. Bettina Hellwig


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