Arzneimittel und Therapie

West-Nil-Virus breitet sich aus

Erste direkte Übertragung auf einen Menschen in Deutschland

cst | Wie das Robert Koch-Institut vergangene Woche mitteilte, ist hierzulande erstmals ein Mensch von einer Stechmücke mit dem West-Nil-Virus (WNV) infiziert worden. Auch bei uns könnte ein wirksamer Mückenschutz in Zukunft immer wichtiger werden.

Vereinzelte Fälle von West-Nil-Fieber gab es in Deutschland in den vergangenen Jahren immer wieder. Doch dabei hatten sich Reisende in Regionen mit dem Erreger angesteckt, in denen das ursprünglich aus Afrika stammende Flavivirus verbreitet ist. Auch aus südeuropäischen Ländern wurden in der Vergangenheit saisonale Ausbrüche und vereinzelte Übertragungen berichtet.

Vögel als Wirte

Bereits letztes Jahr befürchtete man, dass das Virus nun auch bei uns angekommen sei. So sorgte der Fall eines verendeten Bartkauzes in Halle (Saale) für Schlagzeilen, bei dem das West-Nil-Virus erstmals bei einem in Gefangenschaft gehaltenen Vogel nachgewiesen worden war. Das Virus wird üblicherweise von Mücken zwischen wild lebenden Vögeln übertragen – in Deutschland durch die weitverbreitete Gattung Culex. Eine direkte Übertragung durch eine Mücke auf einen Menschen hatte es bei uns allerdings noch nicht gegeben. Bis jetzt.

Foto: Yuri Hoyda – stock.adobe.com

Die Übertragung des West-Nil-Virus ist temperaturabhängig. Als Folge des Klima­wandels wird die Verbreitung der Tropenkrankheit in Deutschland in überdurchschnittlich warmen und länger anhaltenden Sommern zunehmend wahrscheinlicher.

70-jähriger Mann erkrankt

Nun wurde der Fall eines 70-jährigen Mannes aus Sachsen bekannt, der im August 2019 im Klinikum St. Georg in Leipzig aufgrund einer Meningo­enzephalitis behandelt worden war. Wesentliche Vorerkrankungen hatte er nicht. Bei ihm wurde der Erreger sowohl serologisch als auch durch direk­ten Nachweis des Virusgenoms mit einer WNV-spezifischen PCR nachgewiesen. Die Analyse erfolgte am Nationalen Referenzzentrum für tropische Infektionserreger am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM). Im Ausland hatte sich der Patient zuvor nicht aufgehalten, er musste sich folglich in Deutschland mit dem Erreger infiziert haben.

Infektionen meist symptomlos

Der Mann hatte Glück. Wie das RKI, das BNITM und das Friedrich-Loeffler-Institut in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekannt gaben, ist der Patient mittlerweile wieder wohlauf. Tatsächlich verläuft eine Infektion in der Mehrzahl der Fälle völlig symptomlos, bei rund 20% der Infizierten machen sich leichte und unspezifische grippeähnliche Symptome wie Fieber oder ein Hautausschlag bemerkbar. In sehr seltenen Fällen, bei weniger als 1% der infizierten Personen, sind jedoch schwere Verläufe einer Hirnhaut- oder Gehirnentzündung mit teils töd­lichem Ausgang möglich.

Kein Humanimpfstoff verfügbar

Die Behandlung erfolgt symptomatisch, eine spezifische antivirale Therapie gibt es nicht. Für Pferde sind in Deutschland derzeit drei Impfstoffe zugelassen. Die Tiere können ebenso wie andere Säugetiere und Menschen als Fehlwirte am West-Nil-Virus erkranken, den Erreger aber nicht auf andere Stechmücken übertragen. Eine humane Vakzine gibt es bislang nicht. Bei Reisen in Endemiegebiete wird daher eine Expositionsprophylaxe empfohlen.

Gut möglich, dass wir uns zukünftig auch in Deutschland besser schützen müssen. Aufgrund der kühleren Temperaturen ist vorerst Entspannung ­angesagt, da die Zahl der Mücken zurückgeht. „In den kommenden Sommern müssen wir jedoch mit weiteren West-Nil-Virus-Infektionen rechnen“, meint Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. |

Literatur

Erste durch Mücken übertragene West-Nil-Virus-Erkrankung beim Menschen in Deutschland. Gemeinsame Pressemitteilung des Friedrich-Loeffler-Instituts, des Bernhard-Nocht-Instituts und des Robert Koch-Instituts vom 27. September 2019. www.rki.de; Abruf am 30. September 2019

Robert Koch-Institut. Erster in Deutschland durch Stechmücken übertragener Fall einer West-Nil-Virus-Infektion. Epidemiologisches Bulletin Nr. 40. Online vorab: 27. September 2019. www.rki.de; Abruf am 30. September 2019

Robert Koch-Institut. West-Nil-Fieber im Überblick (Stand: 27. September 2019); www.rki.de; Abruf am 30. September 2019

West-Nil-Virus auf dem Vormarsch: Hintergründe zum Virusnachweis in Deutschland. DAZ 2018, Nr. 37, S. 33

Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. West-Nil-Fieber (Stand: 13. September 2019). https://tierseucheninfo.niedersachsen.de; Abruf am 30. September 2019

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