Faschingsscherz

Kerguelenkohl ist keine Arzneipflanze

Stuttgart - 22.02.2012, 11:27 Uhr


Der Südwestrundfunk sendete am 21. Februar in seinem Programm „Wissen“ eine halbstündige Sendung über die Inselgruppe der Kerguelen im südlichen Indischen Ozean und ihre Bewohner. Darin wurden der Anbau von Kerguelenkohl und sein Verkauf an die pharmazeutische Industrie erwähnt. Kerguelenkohl wird jedoch nicht zu Arzneimitteln verarbeitet.

Die Kerguelen liegen mitten zwischen Südafrika und Australien einsam im Ozean. Die Sendung berichtete über das Leben der knapp tausend Einwohner, von denen die meisten einen schwäbischen Dialekt sprechen, denn sie stammen von Auswanderern ab, die 1854 auf dem Weg nach Australien in einen Orkan geraten und auf den Kerguelen notgelandet sind. Ihr ganzer Stolz ist ein privater Radiosender, „Radio Neuschwabenland“. 

Selbstverständlich wurde in der Sendung auch der Kerguelenkohl vorgestellt, die Crucifere Pringlea antiscorbutica, die trotz ihres Namens kaum eine Ähnlichkeit mit „echtem“ Kohl (Brassica oleracea) aufweist, aber einst ein beliebtes Wildgemüse war: Die Schwaben begannen, „Kerguelenkohl anzubauen, den Seefahrer weithin als Heilmittel gegen Skorbut schätzten. Als es den Schwaben schließlich sogar gelang, einen hochprozentigen Schnaps aus der stärkehaltigen Pflanze zu brennen, stellte sich bald bescheidener Wohlstand ein“. Weiterhin wurde berichtet, dass der Kerguelenkohl eine ideale Füllung für Maultaschen ist und dass er auch für die Pharmaindustrie angebaut wird: „Rund 7000 Tonnen des kostbaren Krautes produzieren die Insulaner jedes Jahr und verkaufen sie erfolgreich an internationale Pharmakonzerne.“

Doch alles ist frei erfunden: Die Sendung „Sender am Ende der Welt – Radio Neuschwabenland im Indischen Ozean“ war zum ersten Mal am 15. Februar 2010 gesendet worden, am Rosenmontag. Der 21. Februar 2012 war Fastnachtsdienstag – es handelte sich also um die Wiederholung eines Faschingsscherzes. 

Der Kerguelenkohl ist zwar reich an Vitamin C und eine potenzielle Nutzpflanze, doch in der Natur ist er sehr selten geworden und ein kommerzieller Anbau ist bisher nicht gelungen. 

Quelle: www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/-/id=660374/nid=660374/did=9143306/krmqya/index.html


Dr. Wolfgang Caesar


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