Behandlungsfehler-Statistik

Nur wenige Fehler bei Arzneimittel-Therapie

Berlin - 21.06.2011, 12:22 Uhr


Nur in sehr seltenen Fällen verursachen Fehler in der Arzneimitteltherapie gesundheitliche Schäden bei Patienten. Dies ist eines der Ergebnisse des Ärztefehler-Reports 2010 der Schlichtungsstellen der Ärztekammern.

Insgesamt ist die ärztliche Fehlerquote jedoch sehr gering: Bezogen auf 400 Millionen Arzt-Patienten-Kontakte pro Jahr melden sich Patienten jährlich in rund 40.000 Fällen bei den Schlichtungsstellen der Ärztekammer, bei Versicherungen, beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen oder gleich bei Gericht wegen vermuteter Behandlungsfehler. In etwa 25 Prozent der Fälle seien die Ansprüche berechtigt, sagte Dr. Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommission und Schlichtungsstellen bei der Vorstellung des Berichts. Neben gestiegener Multimorbidität und immer komplexerer Medizin führe zunehmend der „Kostendruck in Klinik und Praxis“ zu Fehlern.

Bei den Schlichtungsstellen der Ärztekammern gingen im Jahr 2010 11.016 Anträge von Patienten wegen vermuteter Behandlungsfehler ein, ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Davon führten 7355 Anträge zu Entscheidungen der Schlichtungsstelle: In 70 Prozent der Fälle wurde kein ärztlicher Fehler festgestellt. In knapp einem Viertel der Anträge konnte ein ärztlicher Fehler nachgewiesen werden. In fünf Prozent der Fälle konnte zwar ebenfalls ein Gesundheitsschaden beim Patienten nachgewiesen werden, aber keine Kausalität zur Behandlung. An dieser Verteilung hat sich seit dem Jahr 2006 nur wenig geändert.

In 2199 Fällen ermittelten die Schlichtungsstellen der Ärztekammern einen Behandlungsfehler oder einen Risikoaufklärungsmangel. In 1821 Fällen wurde ein Behandlungsfehler als Ursache für einen Gesundheitsschaden ermittelt, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründete.

Die Mehrzahl der Arztfehler geschieht im Krankenhaus (72 Prozent). Dieser Anteil ist seit 2006 leicht steigend (von 68,6 Prozent). Während in der Arztpraxis die meisten Fehler in der Diagnose geschehen, sind im Krankenhaus Operationen die Hauptfehlerquelle. Angeführt wird die Fehlerzahl von Hüft- und Kniegelenksoperationen. Auffällig ist der Rückgang von Fehldiagnosen bei Brustkrebs in Arztpraxen.

Sowohl im Krankenhaus als auch in der Arztpraxis kommen nur wenige Fehlmedikationen vor: Von den Ärztekammern wurden in der Arztpraxis nur weniger als 50 Arzneimitteltherapiefehler entdeckt, im Krankenhaus weniger als 100.


Lothar Klein


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