Aus Fehlern lernen

BERLIN (ks). Im vergangenen Jahr haben sich 10.280 Patienten bei den Ärztekammern über Behandlungsfehler beschwert. In knapp 2000 Fällen wurde tatsächlich ein Behandlungsfehler festgestellt. Dies geht aus einer Statistik der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern hervor, die am 18. April in Berlin vorgestellt wurde. Für diese wurden erstmals bundeseinheitlich Angaben zum Fehlervorkommen im Jahr 2006 erfasst und ausgewertet.

Bundesärztekammer legt Statistik zu Behandlungsfehlern vor

Die von der Bundesärztekammer (BÄK) vorgestellte Statistik enthält nicht nur Angaben zur Zahl der eingereichten und beschiedenen Anträge, sondern auch zu den dahinter stehenden Diagnosen. 6751 Sachentscheidungen wurden 2006 insgesamt gefällt – die meisten betrafen Gelenkerkrankungen und Knochenbrüche. Die Hüftgelenk- und die Kniegelenkarthrose führen die Liste der häufigsten Diagnosen an. Es folgen Frakturen an Unterschenkel, Sprunggelenk und Unterarm. An fünfter Stelle steht das Mammakarzinom.

"Wir wollen mit unseren Daten über vermutete und nachgewiesene Behandlungsfehler auch einen Beitrag zur Patientensicherheit und Fehlerprophylaxe leisten", erklärte Andreas Crusius, BÄK-Vizepräsident und Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen. Er verwies darauf, dass die Landesärztekammern bereits seit 1975 Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen einsetzen. Sie ermöglichen Patienten, überprüfen zu lassen, ob ein Behandlungsfehlervorwurf gerechtfertigt ist. Die Erkenntnisse aus diesen Verfahren werden schon seit Jahren intern für die Fortbildung der Ärzte verwertet, betonte Crusius. Nun haben sich Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen entschieden, ihre Arbeit auch nach außen transparenter zu gestalten. Ergebnis ist die nun vorgelegte Statistik.

Fehlervermeidungskultur

BÄK-Hauptgeschäftsführer Christoph Fuchs erläuterte die unterschiedlichen Gründe ärztlicher Fehler: So werde die Medizin immer leistungsfähiger und damit auch komplexer. Neue Medikamente versprechen eine bessere Behandlung – und einige offenbaren nach Jahren der Zulassung schwere Nebenwirkungen. Probleme entstehen zudem durch die Multimorbidität hoch betagter Menschen. Fuchs verwies zudem auf Daten des Statistischen Bundesamtes wonach allein im Jahr 2005 rund 36,1 Millionen Operationen und medizinische Prozeduren bei stationären Patienten durchgeführt wurden. Angesichts dieser Zahlen sowie der Komplexität moderner Medizin sei eine systematische Aufarbeitung von Fehlern im Sinne einer Fehlervermeidungskultur notwendig, betonte Fuchs. Diesen Weg werde man bei der BÄK konsequent weiter beschreiten – zum Vorteil der Patienten, Ärzte und des Gesundheitswesens. .

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